Landwirtschaft:Land? Flucht!

Traktor pflügt Feld

Nicht jede Arbeit, die in der Landwirtschaft Jahr für Jahr anfällt, kann digitalisiert werden.

(Foto: dpa)

Die Zahl der Beschäftigten auf Bauernhöfen und Feldern sinkt.

Wegen der Aufgabe von Bauernhöfen und mehr Digitalisierung arbeiten in Deutschland immer weniger Menschen in der Landwirtschaft. Von März 2019 bis Februar 2020 waren es laut der sogenannten Landwirtschaftszählung des Jahres 2020 etwa 938 000 Arbeitskräfte. Das sind rund 15 Prozent weniger als bei der letzten Erhebung vor zehn Jahren, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. In der gleichen Zeit sank die Zahl der Betriebe um etwa 13 Prozent. Die durchschnittliche Anzahl von 3,6 Arbeitskräften pro Betrieb blieb somit nahezu stabil. Die Zahl der Arbeitskräfte je 100 Hektar genutzter Fläche fiel dagegen deutlich von 6,6 auf 5,6. Dies sei vor allem auf wachsende Betriebsgrößen und die voranschreitende Technisierung und Digitalisierung in der Landwirtschaft zurück zu führen.

"In der Landwirtschaft wird weiter rationalisiert - also Arbeit durch Kapital ersetzt", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Udo Hemmerling. "Für jeden Arbeitsplatz in der Landwirtschaft sind heute etwa 600 000 Euro in Maschinen und Gebäude investiert - Tendenz weiter steigend." Da 47 Prozent der Betriebsleiter 55 Jahre und älter seien, stehe in naher Zukunft zudem ein starker Generationswechsel an. "Besonders in der Tierhaltung befürchten wir Strukturbrüche mit weiter steigenden Betriebsaufgaben", sagte Hemmerling. Hier stünden Landwirte vor steigenden Umweltauflagen und Verbraucherwünschen nach mehr Tierwohl, hinzu kämen teilweise existenzbedrohenden Erzeugerpreisen. Zukunftsinvestitionen seien dann oft nicht mehr möglich.

Annähernd die Hälfte der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft - etwa 434 400 Personen - waren laut Statistikamt Familienmitglieder in Einzelunternehmen. Zudem arbeiteten 228 900 ständig angestellte Beschäftigte und 274 700 Saisonarbeitskräfte in den Betrieben. Regionale Unterschiede in den Betriebsstrukturen spiegeln sich auch in der Beschäftigung wider: Auch 2020 überwogen im Westen die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 408 600 Personen - 51 Prozent des gesamten Personals dort. Nur 19 Prozent sind ständig angestellt, 30 Prozent Saisonarbeiterinnen oder Saisonarbeiter. Im Osten dominieren aufgrund vieler Personengesellschaften und juristischen Personen die ständig angestellten Arbeitskräfte mit 55 Prozent (135 000 Personen). Nur 19 Prozent sind Familienmitglieder.

Viele Saisonarbeiter gibt es insbesondere in Ländern mit einem starken Schwerpunkt auf Obst-, Gemüse- und Weinbau wie Rheinland-Pfalz (50 Prozent aller Arbeitskräfte), Hamburg und Brandenburg. Rund um die Bauernhöfe ist etwa ein Drittel des Personals weiblich, bei den Saisonarbeitskräften sind es 43 Prozent. Allerdings wurde nur jeder neunte Betrieb 2020 von einer Frau geleitet.

© SZ vom 07.09.2021 / Reuters
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