bedeckt München
vgwortpixel

Kriminalität:Spurlos verschoben

Angler in Istanbul: In der türkischen Metropole sollen die Millionen wieder ausgezahlt worden sein.

(Foto: Joao Marcelo Martins/Unsplash)

Fahnder decken ein System für dubiose Geldtransfers auf. So sollen Millionen in die Türkei geschafft worden sein.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt gehen seit Dienstagmorgen gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Geldschiebern vor. Ihnen wird vorgeworfen, ein illegales System aufgebaut zu haben, um Bargeld aus Deutschland unerkannt in die Türkei zu transferieren. Durchsucht wurden seit sechs Uhr unter anderem Edelmetallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen. Gegen insgesamt sechs Personen liegen Haftbefehle vor, der Hauptbeschuldigte wurde verhaftet. Der Tatvorwurf lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstoß gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz.

Der Schwerpunkt der Durchsuchungen liegt in Nordrhein-Westfalen. Der Hauptbeschuldigte soll nach Informationen von SZ, NDR und WDR aus Duisburg kommen und dort einen Metallhandel führen. Durchsuchungen gab es auch in Hessen, Berlin und in den Niederlanden. Ziel der Aktionen ist es auch, Geld zu beschlagnahmen. Die Ermittler gehen offenbar von einem dreistelligen Millionenbetrag aus, der verschoben wurde.

Die Beschuldigten sollen zu einem gut organisiertem Netzwerk gehören und für ihre Transaktionen eine Art Hawala-Banksystem benutzt haben. Dieses System wurde traditionell vor allem in muslimischen Ländern genutzt: Ein Kunde zahlt in einem Land Bargeld an einer Annahmestelle ein, von dort wird die Ausgabestelle in einem anderen Land informiert und zahlt die Summe dort wieder aus. Damit ermöglicht das System Geldtransfers, ohne dass Bargeld über Landesgrenzen transportiert werden muss. Weil keine Banken beteiligt sind, wird die "Überweisung" auch nicht elektronisch erfasst. Genutzt wird Hawala-Banking von Kriminellen, aber auch von Migranten, die ihren Angehörigen Geld in die Heimat schicken möchten. In Deutschland ist es aber verboten, ein solches System ohne Banklizenz zu betreiben. Es verstößt gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Die Gruppe, gegen die sich die Ermittlungen richten, soll ein besonders aufwendiges Hawala-System aufgebaut haben. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass sie in Deutschland eine ganze Reihe von Einzahl-Stationen betrieben haben sollen. Pro Tag sollen so bis zu einer Million Euro transferiert worden sein, ausgezahlt wurde das Geld mutmaßlich in Istanbul.

Allerdings soll es deutlich mehr Zahlungen in die Türkei gegeben haben als umgekehrt. Um trotzdem die Auszahlungen in der Türkei aufrechtzuerhalten, soll die Gruppe in Deutschland ein zusätzliches Transfersystem aufgebaut haben. Die Ermittler haben Hinweise dafür gefunden, dass mit dem angenommenen Bargeld in Deutschland in größerem Stil Gold und andere Edelmetalle gekauft wurden. So wurde nach Informationen von SZ, WDR und NDR in einem Juwelierladen in Duisburg eine große Menge an Goldbarren gefunden. Das Gold soll an eine Metallverarbeitungsfirma verkauft worden sein, die Teil eines türkischen Konzerns ist. Mutmaßlich wurde das Geld dann durch Buchungen innerhalb des Konzerns in die Türkei transferiert.

Aus welchen Quellen die eingezahlten Gelder stammen, ist für die Ermittler bisher offenbar nicht völlig klar. Angesichts der transferierten Summen liegt die Vermutung allerdings nahe, dass es sich um Schwarzgeld oder Einnahmen aus kriminellen Geschäften handelt. Die Betreiber des Hawala-Banksystems sollen streng darauf geachtet haben, dass ihre Kunden nicht über die Herkunft des Geldes sprechen.

Auch deshalb sollen die Ermittlungen gegen die Gruppe sehr aufwendig gewesen sein und mindestens seit einem Jahr andauern. Geführt wurden sie von einer speziellen Einheit des LKA. Die Beschuldigten wurden demnach umfangreich überwacht. Aus Sicht beteiligter Ermittler arbeitet die Gruppe für das organisierte Verbrechen.