Kreditportal Darlehen einfach vergleichen

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Die Plattform Fincompare möchte Unternehmern die Suche nach der richtigen Finanzierung erleichtern.

Von Christiane Kaiser-Neubauer

Die mühsame Suche nach der passenden Finanzierung für das ehemalige Firmenprojekt brachte Stephan Heller, Nicolay Ofner, Sarp D. Demirel und Paul Weber auf die Idee, den digitalen Finanzdienstleister Fincompare in Berlin zu gründen: eine Vergleichsplattform für Unternehmensfinanzierungen. "Der Markt für Unternehmensfinanzierung bis zu einem Volumen von zehn Millionen Euro ist intransparent, eindimensional und unterversorgt. Es gibt bis heute keinen organisierten Hub, wo sich Angebot und Nachfrage für die richtige Finanzierungslösung effizient treffen. Genau das wollen wir aufbauen", sagt Paul Weber von Fincompare.

Das Berliner Start-up will Kapital suchende Unternehmer mit den unzähligen Angeboten von Banken und alternativen Finanzierern zusammenbringen. Über die digitale Vergleichsplattform können Kunden Angebote zur Wachstumsfinanzierung, Liquiditätssicherung oder Umschuldung laufender Kredite einholen, vergleichen und zum Abschluss bringen. Das spare mittelständischen Betrieben vor allem Zeit und Kosten, sagt Weber. Für die kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Kapitalbedarf ab 10 000 Euro, auf die sich Fincompare konzentriert, ist der Service kostenlos.

Interessenten müssen direkt im Web auf der Website Fincompare.de ihren Finanzierungsbedarf und die Kundendaten eingeben. Das System liefert dann eine erste Ergebnisliste mit passendem Produkt und Anbieter. Nach dem Hochladen aller aussagekräftigen Dokumente wie etwa dem Jahresabschluss auf den Sicherheitsserver von Fincompare erfolgt eine anonyme Anfrage an die passenden Banken und Finanzdienstleister. Nach rund 24 Stunden liegen im Bestfall mehrere unterschriftsreife Angebote zur Auswahl vor.

Zunächst wollten die Start-ups vor allem durch günstigere Preise Kunden gewinnen

Auf Wunsch können sich Unternehmer bei Fragen zur Abwicklung einer Finanzierung oder ihrem Rating von Experten aus dem Fincompare-Team beraten lassen. "Wir sind zwar ein Fintech und nutzen digitale Medien, aber für eine komplette Digitalisierung in der Unternehmensfinanzierung ist es noch zu früh", sagt Weber. Das 25-köpfige Team des Start-ups ist mehrheitlich im IT- und Entwicklungsbereich tätig, um ständig an der Weiterentwicklung und einer nutzerfreundlichen Oberfläche zu arbeiten.

Die Berliner Jungfirma will die Digitalisierung im Mittelstand Schritt für Schritt vorantreiben, um Prozesse der Kreditvergabe zu vereinfachen. Neben dem vereinfachten Zugang zu ihren Dienstleistungen konnten die zahlreichen Finanztechnologie-Start-ups (Fintechs), die in den Jahren nach der Finanzkrise in Deutschland gestartet sind, ihre Kunden vor allem durch günstigere Preise gewinnen. Nachdem es zuletzt etwas ruhiger war, sind Finanztechnologieunternehmen wieder stark im Aufwind. Laut der Unternehmensberatung KPMG stiegen Investitionen in Start-ups der Finanzdienstleistungsbranche in Europa vom ersten zum zweiten Quartal 2017 von 880 Millionen auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Das Fincompare Gründungsquartett konnte mit seinem Geschäftsmodell seinerseits Investoren wie Speedinvest, die Versicherungsgruppe Uniqa sowie Privatinvestor und Kreditech-Gründer Alex Graubner-Müller überzeugen. Die erste Finanzierungsrunde der digitalen Vergleichsplattform brachte 2,5 Millionen Euro. Trotz vergleichbarer Geschäftskonzepte von Firmen wie Compeon oder Creditshelf, die schon länger am Markt tätig sind.

Fincompare arbeitet auch mit traditionellen Instituten zusammen

Fincompare profitiert auch von den Kenntnissen und Kontakten, die sich das Managementteam um Geschäftsführer Stephan Heller aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmer und bei Beteiligungsgesellschaften, Unternehmensberatern und Investmentgesellschaften aneignen konnte. Die Bandbreite der mehr als 200 Kooperationspartner von Fincompare setzt sich aus traditionellen Banken wie Commerzbank, Unicredit und Volksbank, alternativen Dienstleistern wie dem Factoring-Anbieter Bibby und der Leasinggesellschaft Grenke sowie dem Finanztechnologieunternehmen Tradico zusammen. "Die Mehrheit unserer Kunden sind bei einer Sparkasse oder Volksbank. Jedoch besteht häufig der Wunsch, den Finanzierungsmix zu erweitern. Oft handelt es sich um objektbesicherte Finanzierungsformen wie Leasing und Factoring", sagt Weber.

Seit dem Start der Website liegt das durchschnittliche Finanzierungsvolumen bei 500 000 Euro, das angefragte Finanzierungsvolumen beträgt 400 Millionen Euro. Das Hauptgeschäft macht Fincompare im Bereich bis drei Millionen Euro. "Wir haben mit den meisten unserer Finanzierer Rahmenverträge und finanzieren uns über eine Erfolgsprovision. Das heißt, für die Unternehmen ist unser Service in erster Linie kostenlos", sagt Weber. Bei komplexeren Fällen werde vorweg ein Honorarvorschuss mit den Unternehmen vereinbart.

Das Marktumfeld dürfte für Fincompare prinzipiell günstig sein. Tatsächlich klagen Unternehmen über schwierigen Kreditzugang. 2016 fiel es jeder zweiten Firma laut einer Studie der TU Darmstadt und Creditshelf schwerer, ein Darlehen zu erhalten. So war die kurzfristige Finanzierung des laufenden Geschäfts durch Hausbanken durch zusätzlichen Verwaltungsaufwand und längere Wartezeiten gekennzeichnet. Die restriktivere Kreditvergabe seitens der Banken bedingt durch verschärfte Eigenkapitalvorschriften und hohe Kosten, zwingt viele Unternehmen, nach Finanzierungsalternativen zu suchen. "Bei jüngeren Industrien wie beispielsweise im E-Commerce sind klassische Finanzierungslösungen wie ein Betriebsmittelkredit heute oft nicht zielführend. Hier gibt es neue Lösungen am Markt, Stichwort Lagerfinanzierung", sagt Weber.

Weg von der Regionalisierung in der Unternehmensfinanzierung hin zu Produkt- und Branchenlösungen lautet die Strategie. Mittelfristig will Fincompare das Angebot um Anlage und Versicherungen ergänzen. Nach der Festigung der Marktposition in Deutschland ist die Expansion ins europäische Ausland geplant.