Kommentar Was Gründer brauchen

Mit jungen Unternehmern schmückt sich jede Stadt und jede Region gerne. Aber viele tun noch zu wenig. Start-ups brauchen Infrastruktur, die Nähe zu Unternehmen und Universitäten - vor allem aber viel Geld.

Von Katharina Kutsche

Im Bahnhof der Stadt Göttingen steht eine große Plakatwand, die für den "StartUp Cluster Duderstadt" wirbt. Duderstadt ist eine hübsche niedersächsische Mittelstadt im Eichsfeld, bekannt am ehesten für harte Mettwurst und das Prothesen-Unternehmen Ottobock. Donnerwetter, möchte man sagen, und da gibt es Start-ups, einen ganzen Cluster sogar? Leider nein. Spürt man dem vermeintlichen Gründerzentrum nach, finden sich ein identifizierbares Start-up, das aber auf der Start-up-Karte Niedersachsens nicht verzeichnet ist, und ein paar Absichtserklärungen.

Es ist nachvollziehbar, dass Städte und Regionen jung-innovative Unternehmen in ihrer Gegend ansiedeln möchten. Erfolgreiche Start-ups schaffen Arbeitsplätze, werten die lokale Wirtschaft auf und locken Investoren und andere Gründer an. Doch dafür müssen erst mal die Kommunen investieren und zwar nicht in Werbetafeln. Was Gründer wirklich brauchen, sind drei Dinge: Infrastruktur, die Nähe zu Unternehmen und Universitäten und vor allem viel Kapital.

Wenn Start-ups in einer frühen Phase stecken, mit Ideen jonglieren oder an Prototypen frickeln, helfen ihnen günstige Arbeitsräume und ein ordentliches Coaching, sich auf eine erste Finanzierungsrunde vorzubereiten. Kommunen können das unterstützen. Etwa indem sie ungenutzte Gebäude als Kreativzentren herrichten und die Arbeitsplätze an Existenzgründer vergeben. Und indem die örtliche Wirtschaftsförderung eine Anlaufstelle für Gründer bietet, sie gut berät und öffentlich zeigt: Gründer sind willkommen. Einem Drittel der deutschen Start-ups ist nämlich nicht klar, ob es in ihrer Nähe Netzwerke oder Cluster gibt. Das zeugt von schlechter Öffentlichkeitsarbeit und unstrukturierter Förderung.

Netzwerke braucht es aber, gerade mit lokalen Unternehmern. Sie können als Mentoren mit Expertenwissen aushelfen und Gründern ermöglichen, ihre Produkte im Echtbetrieb zu testen. Und sie sollten als Investoren die Zusammenarbeit mit Start-ups nutzen, um auch für den eigenen Betrieb etwas Neues zu lernen. Genauso wichtig sind Hochschulen. Wo sie sind, sind auch potenzielle Gründer. Ihre Ideen entstehen im Studium, unter den Absolventen finden sie Mitgründer und Mitarbeiter, und im Idealfall berät die Universität selbst, wie man vom Forscher zum Unternehmer wird. Hochschulen und Städte müssen dabei ihre Hilfs- und Förderangebote koordinieren und kooperieren. Wenn Gründer erst auf zig Websites nachlesen müssen, wer ihnen was bietet, ist das vertane Zeit.

Vor allem aber fehlen nach wie vor Geldgeber. Einer der größten Unterschiede zwischen dem Silicon Valley und dem deutschen Valley ist, dass in den USA viel schneller viel größere Summen in gute Ideen investiert werden. Deutsche Start-ups dagegen finanzieren sich zu rund 80 Prozent aus eigenen Ersparnissen. Gerade in der wichtigen Phase zwischen Prototyp und erster Produktion trauen sich noch nicht genug private Investoren, richtig in die Tasche zu fassen. Sicher, das ist mit Risiken verbunden. Aber um Gründer zu locken, ihnen beim Wachstum zu helfen, braucht es nun mal Kapital.

Der Blick der SZ-Serie Gipfelstürmer in die etablierten Start-up-Regionen außerhalb von Berlin und München zeigt, dass sie Gründern viel bieten. Das ist nur konsequent, denn: Nicht jede Stadt sollte mit allen Mitteln danach streben, Gründerstandort zu werden. Experten schätzen, dass zwischen 80 und 90 Prozent aller Start-ups scheitern. Das heißt zwangsläufig auch, dass sie staatliche Fördermittel, also Steuergelder verbrennen. Kommunen sind daher in der Pflicht: entweder Gründer richtig fördern oder gar nicht. Eine Plakatwand allein schafft jedenfalls keinen Start-up Cluster.