Kohlebergbau Aufgabe ohne Ende

Die Altlasten des Steinkohleab­baus werden Deutschland noch Jahrzehnte belasten. Weite Teile des Saar­lands und des Ruhrge­biets sind mit Stollen durch­zo­gen.

Von Alexander Hagelüken

In ein paar Monaten endet ein Zeitalter. Im Dezember wird in einem Bergwerk in Bottrop zum letzten Mal deutsche Steinkohle ans Tageslicht geholt. Dann ist Schicht im Schacht. Nach mehr als 150 Jahren, in denen die Kohle den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands förderte, bis zu einer halben Million Menschen Arbeit gab - und am Ende zur milliardenschweren Subventionslast wurde, weil sich im Ausland billiger Kohle holen ließ.

Von der Steinkohle wird Deutschland auf belastende Weise aber noch viel länger etwas haben. Weite Teile des Saarlands und des Ruhrgebiets sind von tiefen Stollen untergraben. Leicht senkt sich die Erde ab. Aus fast 3000 Stollen muss das Wasser abgepumpt werden, damit sie nicht einstürzen - und zum Beispiel einen gigantischen See von der Größe der Niederlande entstehen lassen, in dem Gelsenkirchen verschwinden würde.

Doch wer soll diese Arbeiten bezahlen, die noch viele Jahrzehnte nötig sein werden? Steuerzahler und Energieverbraucher, die schon all die Subventionen finanziert haben? Angeregt durch Unternehmensberater verfiel der damalige Ruhrkohle-Chef Werner Müller Anfang der Nullerjahre auf die Idee einer Stiftung. Aus den Erträgen ihres Vermögen sollen die Umweltlasten der Steinkohle bezahlt werden, um den Steuerzahler zu schonen. Um das Vermögen zu schaffen, baute Müller die staatsdominierte Ruhrkohle um und stieß Beteiligungen ab. Er übernahm Degussa komplett und schuf nebenbei den fünftgrößten deutschen Energieversorger. Dann teilte er die gewinnbringenden Sparten Immobilien, Chemie und Energie vom schwarzen Steinkohlebereich ab und brachte sie unter dem Namen Evonik an die Börse. Als Großaktionär von Evonik und über andere Beteiligungen hat die Stiftung inzwischen ein Vermögen von 18 Milliarden Euro.