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Klimaschutz:Bank ohne Kohle

Die Deutsche Bank will in Zukunft weniger Geschäfte mit fossilen Energieträgern machen. Damit ist das größte Geldinstitut des Landes nicht allein - immer mehr Konzerne fürchten den Imageschaden durch klimaschädliche Deals mehr als entgangene Umsätze.

Die Deutsche Bank will weniger klimaschädliche Geschäfte machen. Bis spätestens 2025 soll das Engagement im Bereich des Kohleabbaus weltweit beendet werden, und zwar sowohl bei Finanzierungen als auch bei Kapitalmarkttransaktionen, kündigte Deutschlands größtes Geldhaus an. Mit einer neuen Richtlinie zu fossilen Brennstoffen setze sich der Konzern einen engen Rahmen für Geschäfte mit Kohle, Öl und Gas, sagte Konzernchef Christian Sewing. Damit wolle man einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Künftig will die Bank so keine neuen Kohlekraftwerke mehr finanzieren und bei Geschäften mit solchen Energieunternehmen genauer hinschauen, die - gemessen an der vorhandenen Erzeugungskapazität oder der tatsächlichen Energieerzeugung - zu mehr als 50 Prozent von Kohle abhängig sind. Bei Öl und Gas schließt die Bank beispielsweise die Finanzierung neuer Projekte zur Förderung in der Arktis ebenso aus wie Fracking-Verfahren in Ländern mit extremer Wasserknappheit.

Kritikern geht das Engagement allerdings nicht weit genug. "Im Jahr 2020 ist deutlich mehr Ehrgeiz nötig", hieß es etwa von der Initiative Urgewald. So würden etliche Unternehmen, die klimaschädliche Geschäfte machten, durch die neuen Richtlinien nicht ausgeschlossen.

Klimaschädliche Geschäfte werden zunehmend zum Image-Risiko für Unternehmen. So war beispielsweise der Siemens-Konzern Anfang des Jahres heftig in die Kritik geraten, weil die Münchner Signaltechnik für eine Zugstrecke in Australien liefern wollten, über die Kohle von einer geplanten Mine zum Hafen transportiert werden soll. Vor gut zwei Wochen kündigte Siemens-Chef Joe Kaeser dann an, der abgespaltene Konzernteil Siemens Energy werde aus dem Bau von Kohlekraftwerken aussteigen. Bisher macht der Bau von Kohle- und Gas-Kraftwerken einen Großteil des Geschäfts aus. Auf einen Zeitplan legt sich Kaeser allerdings nicht fest.

© SZ vom 28.07.2020 / dpa, SZ

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