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Kapitalflucht:Zyperns blutende Banken

Die Kapitalkontrollen zeigen Wirkung: Die Zyprer heben viel Geld ab, räumen ihre Konten trotz des großen Chaos aber nicht leer. Auch die Anleger im Rest Europas vertrauen ihren Banken trotz des zyprischen Präzedenzfalls noch.

Es war der Schockmonat für Zypern: Im März hatten die Banken des Landes für fast zwei Wochen geschlossen. Die große Bank Laiki wird seitdem abgewickelt, ihre Großkunden mit Einlagen über 100.000 Euro dürften sehr viel Geld verlieren.

Zumindest hat im März keine zunehmende Kapitalflucht die Insel erfasst, das zeigen neue Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB). Im vergangenen Monat sanken demnach die Einlagen von Haushalten und Firmen bei zyprischen Banken um 3,9 Prozent. Das entspricht fast zwei Milliarden Euro. Auf den Konten lagern jetzt noch 44,6 Milliarden Euro aus dem Privatsektor. Der Abzug liegt damit auf dem Niveau der vergangenen Monate - die Banken kämpfen seit Monaten mit einem schleichenden Rückgang der Einlagen, ihrer wichtigsten Kapitalquelle.

Die Europäer in anderen Krisenstaaten vertrauen den Banken trotz der Ereignisse auf der Insel weiter. EZB-Direktor Benoît Cœuré sagte, der Fall Zypern setze die Bankeneinlagen nicht unter Druck. Tatsächlich sind im März die Einlagen griechischer Banken sogar leicht gestiegen, ebenso in Irland und Italien. Seit in Zypern erstmals Sparer für die Finanzkrise zahlen müssten, diskutiert Europa, ob dies ein Modell für künftige Rettungen sein könnte. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier wird im Juni einen Gesetzantrag mit Regeln vorlegen, wer im Zweifelsfall in welcher Reihenfolge für marode Banken haftet. "Zuerst zahlen die Aktionäre der Bank, als Zweites die übrigen Kapitalgeber, also etwa Anleihebesitzer", sagte er jüngst der SZ. "Wenn das nicht reicht, werden Sparer mit Guthaben über 100.000 Euro herangezogen. Danach kommen die Mittel aus den künftigen nationalen Banken-Abwicklungsfonds, in die alle Institute einzahlen müssen." So sollen Risiken für die Steuerzahler sinken.

Der März in Zypern ist allerdings ein Spezialfall - nachdem Mitte des Monats die Banken erst geschlossen und am 28. März wieder öffneten, hat das Land strikte Kapitalkontrollen eingeführt. Überweisungen, Abhebungen an Geldautomaten und Ausreisen mit Bargeld sind weiterhin nur eingeschränkt möglich. Diese Woche hat das Finanzministerium diese Beschränkungen weiter gelockert. Demnach dürfen Privatpersonen künftig innerhalb des Landes wieder bis zu 10.000 Euro im Monat überweisen, die Obergrenze für Unternehmen wurde bei 50.000 Euro festgelegt. Privatpersonen dürfen zudem bis zu 5000 Euro ins Ausland überweisen und bis zu 3000 Euro ausführen. Allerdings ist es weiterhin nicht möglich, mehr als 300 Euro pro Tag abzuheben.

Zypern bekommt Notkredite von den Euro-Partnern. Das Programm läuft über drei Jahre und hat einen Umfang von 21,5 Milliarden Euro. Davon leihen die Euro-Länder dem Inselstaat neun Milliarden Euro über den Rettungsfonds ESM, der Internationale Währungsfonds gibt einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Euro. Den Rest stemmt Zypern, besonders die Großanleger der beiden größten Finanzhäuser Bank of Cyprus und Laiki müssen dafür zahlen.

© Süddeutsche.de/Reuters/afp/bbr/jab/gba

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