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Kampfsport:Politische Unkorrektheit verhilft zu Popularität

Auftritt Dana White. Er ist seit 2001 - und trotz des Verkaufs an WME-IMG auch weiterhin - Präsident und Galionsfigur der UFC, ein bulliger Kerl, Typ Türsteher. Als sich McGregor und Diaz auf der Pressekonferenz am Mittwoch gegenseitig mit Flaschen bewerfen, da gehen keine Sicherheitsleute dazwischen, sondern allein White. Er schickt beide Kämpfer nach draußen und sagt: "Wir sehen uns am Samstag!" Er entschuldigt sich, doch freilich weiß er: Es gibt keine bessere Werbung als einen kleinen Skandal.

White ist der Türsteher der UFC: Er entscheidet, wer hinein darf. Die UFC reguliert und vermarktet sich selbst, ohne nervigen Weltverband darüber und ohne nörgelnde Vereine darunter. White interessiert sich nicht für Befindlichkeiten, Gewichtsklassen oder Ranglisten, lange Zeit interessierte er sich noch nicht einmal für strenge Dopingkontrollen. Er gibt dem Publikum die Kämpfe, für die es bezahlt. Ein Türsteher hat am Ende einer Nacht auch mehr Geld in der Tasche als vorher.

White vermarktet die UFC als die härtere, die ehrlichere, die spektakulärere Variante von Boxen, Kämpfer wie Ronda Rousey und Conor McGregor sind Figuren der Popkultur, wie es früher Mike Tyson oder Muhammad Ali waren. Wladimir Klitschko? Soll froh sein, dass er so spät geboren wurde und nie gegen Tyson oder Ali kämpfen musste. Conor McGregor dagegen, da sind sich die meisten einig, würde bei einer Schlägerei in jeder Kneipe der Welt als Sieger hervorgehen und nebenbei noch den Türsteher vermöbeln.

Expansion nach China

Die politische Unkorrektheit verhalf dem Sport zu Popularität. White und die Fertitta-Brüder waren indes clever genug, sich nicht nur als wilde Rebellen zu stilisieren. Sie mühten sich um Anerkennung durch die Politik, im März erlaubte New York als letzter US-Bundesstaat die Austragung von Kämpfen. Es war ein Meilenstein: New York ist der wichtigste TV-Markt der Welt, das Verbot hielt potenzielle Sponsoren ab. Im November soll es eine Veranstaltung im Madison Square Garden geben, in zwei Jahren wird ein neuer TV-Vertrag verhandelt, der wohl um einiges teurer sein wird als der aktuelle Kontrakt, der etwa 100 Millionen Dollar pro Jahr einbringt. Der neue Eigentümer WME-IMG will zudem nach China expandieren.

Alles prima also in der UFC-Welt? So einfach ist es nicht. Die Fans sehen nicht mehr nur begeistert zu, sie stellen mittlerweile kritische Fragen: Ob es wirklich fair war, McGregor vor seiner Niederlage gegen Diaz im März schnell mal zehn Kilogramm auftrainieren zu lassen. Warum andauernd Kämpfe abgesagt werden, weil schon wieder einer verletzt ist oder mit verbotenen Mitteln im Körper erwischt wurde. Wie streng die vor einem Jahr eingeführten Dopingkontrollen denn wirklich seien. Ob die Athleten tatsächlich ausreichend an den immensen Einnahmen beteiligt werden.

White konnte es sich leisten, diese Fragen bislang zu ignorieren. Die TV-Partner dienten als brave Claqueure, unangenehme Journalisten bekamen keine Akkreditierung zu den Kämpfen mehr. Ein Türsteher muss schließlich auch nicht begründen, warum er einen Möchtegern-Besucher nicht in den Club lässt. Die UFC antwortete auf fünf Anfragen der Süddeutschen Zeitung erst gar nicht, dann wollte sie Fragen vorab per Mail geschickt bekommen - danach begann das Spiel von vorne. Ein Gespräch mit White kam bis heute nicht zustande.

Die Kämpfer beginnen, gegen die Zustände zu rebellieren, sie haben kürzlich eine Gewerkschaft gegründet. 12 000 Dollar für einen Neuling und etwa 400 000 Dollar für einen Titelkampf mag einigen als viel Geld erscheinen, angesichts der gewaltigen Einnahmen der Veranstalter aber sind das eher mickrige Honorare. "Es ist ein Witz. Ich nehme Verletzungen in Kauf, ich muss Trainer und Manager bezahlen und ich kann als Profisportler nicht davon leben, obwohl die Verantwortlichen Millionen verdienen", sagt einer der 532 UFC-Kämpfer, er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. "Es ist ein gewaltiger Beschiss, doch was soll ich machen? Die UFC hat ein Monopol und nutzt das aus - mit Verträgen, die es so in keiner anderen Sportart geben würde."

An diesem Samstag werden sie den UFC-Kampf in Las Vegas wieder prächtig vermarkten. Tommy Aaron, der Spanier, kämpfte bereits am Freitag. Nicht in der Arena in Las Vegas, sondern wieder in einer Halle in Südkalifornien. "Ich gewinne, ich kämpfe spektakulär - ich habe nichts dagegen, Schläge einzustecken", sagt er: "Ich will in die UFC. Unbedingt." Das sind Worte, die Dana White gerne hört.