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Kampfsport:Zweikampf ohne Waffen - und ohne Regeln

UFC Fight Night: Overeem v Arlovski

Die Königsklasse des Mixed Martial Art: Bei der UFC Night 87 im Mai dieses Jahres in Rotterdam kämpfen der Japaner Kyoji Horiguchi (rechts) und der Ire Neil Seery.

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Blut, Schweiß und Bier: Aus Ultimate Fighting ist eine milliardenschwere Show geworden, an der viele verdienen - auch ein bekannter Computer-Milliardär.

Selten passt der Spruch "Du solltest mal den anderen sehen" so gut wie jetzt: Tommy Aaron taumelt durch den Achteck-Käfig, der Schiedsrichter, ein kräftiger Typ mit prächtigem Wikinger-Bart, hält seinen Arm. Aarons rechtes Auge ist zugeschwollen, er hat Schrammen an Stirn, Nase und Lippen. Das Blut tropft nicht von seinem Gesicht, es stürzt wie ein Bergbach hinab. Doch Aaron grinst, er hat gerade sein erstes Profiduell in der Kampfsport-Kombination Mixed Martial Arts gewonnen.

Ihr solltet mal den anderen sehen!

Kampfabend in einer Halle in Südkalifornien: Es riecht nach Blut und Schweiß und Bier, Luxusartikel wie die teure Tasche einer Zuschauerin wirken für sich betrachtet völlig irrsinnig an so einem Ort, gehören jedoch dazu wie Blut und Schweiß und Schiedsrichter mit Wikinger-Bart. Sie nennen Aaron "The Spaniard", wie den Helden aus dem Film "Gladiator". Der Spanier, ein 22 Jahre altes Federgewicht, er kämpft hier für ein paar Tausend Dollar, vor allem aber will er sich empfehlen für die Ultimate Fighting Championship (UFC). Er will Teil eines Vier-Milliarden-Dollar-Imperiums werden.

Ja, schon richtig gelesen: vier Milliarden Dollar. So viel haben der amerikanische Entertainment-Konzern WME-IMG und eine Investorengruppe um den Unternehmer und Milliardär Michael Dell vor wenigen Wochen bezahlt - es gilt als der teuerste Deal der Sportgeschichte. Die Brüder Lorenzo und Frank Fertitta hatten das damals kurz vor der Pleite stehende Unternehmen im Jahr 2001 für zwei Millionen Dollar gekauft und zum weltweit größten Veranstalter von Kampfsport-Spektakeln aufgebaut, der im vergangenen Jahr 600 Millionen Dollar umgesetzt hat.

Ein kleiner Junge, sieben Jahre alt, fragt seine Mutter: "Gegen wen spielt der Spanier als nächstes?" Es ist eine süße, eine unschuldige Frage. Man kann Fußball spielen oder Tennis. Kein Mensch "spielt" Mixed Martial Arts. Beim Mixed Martial Arts, da muss man kämpfen.

Wer am Boden liegt, der wird in Ruhe gelassen

Dieser Unterschied ist wichtig. UFC unterscheidet sich nicht nur von Sportarten wie Fußball oder Tennis, sondern auch von den Kampfdisziplinen Boxen, Judo oder Taekwondo. Es soll eine Antwort sein auf die Frage, die so alt ist wie der Mensch selbst: Wer gewinnt einen Zweikampf ohne Waffen und - vor allem - ohne Regeln? Freilich gibt es bei UFC-Duellen auch Verbote, 31 insgesamt. Aufgrund der Kombination aus verschiedenen Disziplinen verstößt UFC aber gegen ein ungeschriebenes Rauferei-Gesetz: Wer am Boden liegt, der wird in Ruhe gelassen.

Vielen gelten solche Kampfabende deshalb als barbarisches Gladiatorenspiel aus einer längst vergangenen Zeit - anderen als die Sportart des 21. Jahrhunderts. In Las Vegas wurde gerade eine neue Halle eröffnet, direkt auf dem Strip, gegenüber vom MGM Grand. An diesem Samstag tritt Conor McGregor dort zum Rückkampf gegen Nate Diaz an. UFC 202 heißt die Veranstaltung, es werden 18 000 Zuschauer erwartet und mehr als 1,5 Millionen Pay-Per-View-Bestellungen. Die Gesamteinnahmen des Abends dürften bei mehr als 100 Millionen Dollar liegen.

Wie kann eine Sportart, die viele noch nicht einmal für eine Sportart halten, derart erfolgreich sein? Wie kann ein Unternehmen, das vor 15 Jahren für schlappe zwei Millionen Dollar weitergereicht wurde, plötzlich vier Milliarden Dollar wert sein - ohne dass sich das Produkt grundlegend geändert hat?