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Joachim Jacob bei Lidl:Der nette Herr vom Datenschutz

Vor kurzem untersuchte er noch die Rolle des Bundesnachrichtendienstes im Zusammenhang mit geheimen CIA-Flügen über Deutschland. Jetzt wird Joachim Jacob neuer "Datenschutzbeauftragter" der Discountkette Lidl - und soll mit mildem Tonfall die Wogen glätten.

Vor ein paar Monaten hatte Joachim Jacob seinen Ruhestand schon einmal unterbrochen. Da wurde der 69-Jährige zum "Ermittlungsbeauftragten" des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ernannt, der die Rolle des Bundesnachrichtendienstes im Zusammenhang mit geheimen CIA-Flügen über dem deutschen Luftraum aufklären will.

(Foto: Foto: ddp)

Vergangene Woche gab er seinen Bericht ab, jetzt muss er schon wieder ran: Er ist neuer "Datenschutzbeauftragter" der Discountkette Lidl. Das Unternehmen wird wegen der detaillierten Überwachung seiner Mitarbeiter kritisiert. Jacob soll nun sicherstellen, "dass den datenrechtlichen Vorgaben in vollem Umfang entsprochen" werde, wie es aus der Lidl-Zentrale heißt.

Bis dahin bleiben die Videokameras in den Filialen aus. "Das ist ein Zeichen des Neubeginns", sagt Jacob mit sanfter Stimme. Das werde helfen, "das Vertrauen zwischen allen Beteiligten wieder herzustellen."

Jacob lässt mit sich reden

Warme Worte hatte der promovierte Jurist auch als Datenschutzbeauftragter der Bundesregierung stets parat. In den zehn Jahren seiner Amtszeit gab er eher den freundlichen Mahner als den harten Kämpfer für die Rechte der Bürger. Er lasse "mit sich reden" lautete eine seiner zentralen Botschaften, wenn Polizei und Politik die Möglichkeiten zur Datenbeschaffung ausweiten wollten.

Jacob warb dann öffentlich für wechselseitiges "Vertrauen". Selbst verlegte er sich aufs hoffen: Er hoffe, dass der große Lauschangriff nicht komme, sagte er zu Beginn seiner Amtszeit. Er hoffe, dass es der Staat mit Datenvergleichen "nicht übertreibe".

Nach dem Studium begann Jacob in Bonn eine Beamtenkarriere, als Sachbearbeiter im Innenministerium entwickelte er unter anderem "Richtlinien für Staatsbegräbnisse".

Die Kontroverse reizt ihn nicht

Anfang der Siebziger wurde er persönlicher Referent des damaligen Innenstaatssekretärs Günther Hartkopf. Obwohl er kurz darauf selbst der FDP beitrat, fiel er auch in dieser Zeit nicht mit politischen Äußerungen auf - die Kontroverse scheint ihn schon damals nicht gereizt zu haben.

Nach mehreren Zwischenstationen etwa als Vizepräsident des Statistischen Bundesamts und bei der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung wurde Jacob 1993 Datenschutzbeauftragter. Diese Position füllte er bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren aus.

Dass er sich nun auf den Job bei Lidl eingelassen habe, liege daran, dass "die Vorstände glaubwürdig versichert haben, die Persönlichkeitsrechte von Kunden und Mitarbeitern schützen zu wollen", sagt Jacob. "Da helfe ich natürlich gerne."

Vom Tisch sei die Videoüberwachung aber nicht. Schließlich hätte die Konzernleitung "ein legitimes Interesse" daran, Diebstähle zu reduzieren, sagt er und verweist auf sein Patentrezept: "Da muss man miteinander reden und Verständnis für alle Seiten haben."

Lidl-Kunden, die sich um die Sicherheit ihrer EC-Karten sorgen, versucht Jacob zu beruhigen: Man wisse nicht, ob die Geheimzahlen überhaupt jemals erfasst worden seien. Jacob selbst betrifft diese Sorge sowieso nicht: Er zahlt aus Prinzip immer bar.

© SZ vom 08.04.2008/jkr