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Initiative Plant for the Planet:Ein Euro für jeden Baum

900 Millionen Tonnen CO₂ hat Deutschland im Jahr 2018 ausgestoßen. Dafür kann man Ausgleich schaffen.

Die Spedition Große-Vehne hat auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán bereits 140 000 Bäume finanziert. Der Wald mit neun einheimischen Baumarten soll die Menge an Treibhausgasemissionen kompensieren, die das Unternehmen 2018 verursacht hat. Jedes weitere Jahr sollen neue Bäume hinzukommen, entsprechend der Emissionsmenge. Der Wald ist Teil einer Aufforstungsinitiative der Nichtregierungsorganisation (NGO) "Plant for the Planet". "Wir pflanzen und pflegen einen Baum für einen Euro", heißt es dort. Auf 22 500 Hektar Land - einer Fläche ungefähr so groß wie Hannover - pflanzen Arbeiter den Angaben zufolge täglich 5500 Bäume, inzwischen sind es insgesamt schon fast vier Millionen. Finanziert wird das Projekt von Privatpersonen, aber auch von Firmen, die CO₂-Emissionen ausgleichen wollen.

Eine Vermittler- und Beraterrolle zwischen der Wirtschaft und der NGO übernimmt das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke. Die für ZNU-Firmen reservierte Fläche umfasst derzeit knapp 10 000 Hektar mit mehreren hunderttausend Bäumen. Ihre Zahl soll in den nächsten Jahren auf zehn Millionen und mehr wachsen. Jeder Baum soll so lange gepflegt werden, bis er mindestens 500 Kilo CO₂ gespalten und als Kohlenstoff im Holz gebunden hat. Anschließend soll das Holz als Baumaterial oder für Möbel genutzt werden. Das Netzwerk der Firmen, die sich in der ZNU-Goes-Zero-Initiative für klimaneutrales wirtschaften engagieren, umfasst derzeit mehr als 70 Betriebe. Die meisten sind Mittelständler. Sie repräsentieren laut ZNU ein Umsatzvolumen von gut 25 Milliarden Euro.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sieht für solche Initiativen noch viel Luft nach oben. "CO₂-Kompensation ist in Deutschland bisher ein Nischenmarkt", sagte er im Frühjahr beim ZNU-Kongress in Berlin. Deutschland habe im Jahr 2018 rund 900 Millionen Tonnen CO₂ emittiert, aus Produktion, Stromverbrauch oder Flugreisen. Nur zwei Millionen Tonnen seien davon durch freiwillige Kompensation ausgeglichen worden.