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Industrie:Ein Harz für Covestro

Covestro Zentrale in Leverkusen

Covestro stellt Kunststoffe etwa für Scheinwerfer her. Der Zukauf soll die frühere Bayer-Tochter unabhängiger von der Autoindustrie machen.

(Foto: Oliver Berg/picture alliance/dpa)

Der Konzern plant einen Milliardenzukauf im Beschichtungsgeschäft. Die Aktie gibt deutlich nach.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Sie stecken auf Solarzellen, Glasfaserkabeln oder in 3-D-Druckern: Der Kunststoffhersteller Covestro will dem niederländischen Konkurrenten DSM das Geschäft mit Beschichtungsharzen abkaufen. Das haben die Firmen nun vereinbart. Covestro soll dafür 1,61 Milliarden Euro zahlen. Für den Dax-Konzern wäre dies der erste große Zukauf, seitdem die Bayer-Tochter vor fünf Jahren an die Börse ging.

Mit der Übernahme will Covestro weltweit einer der zwei führenden Anbieter jener Harze werden. Die Produktpalette der Leverkusener soll so breiter werden. Die Harze von DSM basierten auf Wasser, nicht auf Lösungsmitteln, betont das Unternehmen, das schone die Umwelt. Covestro will mit dem Zukauf zudem unabhängiger von einzelnen Branchen wie der Autoindustrie werden, die während der Corona-Krise weniger Kunststoffteile nachfragt.

Covestro stellt zum einen Schaumstoffe her, die etwa in Autositzen oder Dämmstoffen zum Einsatz kommen. Zum anderen ist der Konzern Weltmarktführer bei durchsichtigen Kunststoffen, die beispielsweise in Scheinwerfern stecken. In diesen zwei Kerngeschäften dürften Wettbewerbsbehörden kaum weitere Zukäufe von Covestro erlauben. Mit der nun angekündigten Übernahme wollen die Leverkusener daher ihre dritte Sparte um Beschichtungen, Klebstoffe und Spezialchemikalien (CAS) stärken. Diese soll künftig ein Viertel zum Konzernumsatz beitragen; im vorigen Jahr betrug ihr Anteil noch 19 Prozent.

Das käme Covestro insofern zupass, als dass der Konzern zuletzt selbst als Übernahmekandidat galt. Ein möglicher Käufer könnte sich auf die Kerngeschäfte konzentrieren, die CAS-Sparte nach und nach verkaufen und so die Übernahme refinanzieren, lautete eine verbreitete These. Stattdessen will Covestro nun selbst zukaufen.

Der Kunststoffhersteller will die Übernahme zum Teil per Kapitalerhöhung finanzieren. Wenn Firmen neue Aktien ausgeben wollen, ist das für bestehende Anteilseigner zunächst eine schlechte Nachricht: Sie müssten sich den Wert und die Gewinne künftig mit mehr Aktionären teilen. Daher hat Covestro am Mittwoch zeitweise sieben Prozent an Börsenwert verloren. Auf den ersten Blick erscheine der geplante Zukauf teuer, konstatieren die Analysten der Baader Bank; doch auf Dauer sollte der Konzern von Synergien profitieren.

Covestro hofft von 2025 an auf Gewinnvorteile von etwa 120 Millionen Euro jährlich; beispielsweise könnte das fusionierte Unternehmen gemeinsam ein- und verkaufen, Entwicklung und Verwaltung zusammenlegen. Zu einem möglichen Stellenabbau in dem Geschäft machten die Leverkusener zunächst keine Angaben. Wenn alle Wettbewerbsbehörden rechtzeitig zustimmen, will Covestro die Übernahme Anfang kommenden Jahres abschließen.

© SZ vom 01.10.2020
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