Hyperloop "Das ist Zeug aus der Zukunft"

Elon Musk schaute am Sonntag beim Team der TU München vorbei.

(Foto: Gene Blevins/dpa)

Studenten der TU München stellen in Kalifornien einen neuen Geschwindigkeitsrekord beim Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk auf.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es passiert ja nicht häufig, dass sich bei einem Wettbewerb, in dem es um Geschwindigkeit geht, auch mal eine Verzögerung lohnen kann. Die Studenten der Technischen Universität München, Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR), mussten jedenfalls am Sonntag auf dem Gelände der Raumfahrtfirma Space-X in Los Angeles auf ihren Einsatz bei der "Hyperloop Pod Competition" warten. Ein Team aus der Schweiz hatte wegen technischer Probleme länger gebraucht als geplant, also verzögerte sich der Start der Münchner um mehr als eine Stunde.

Da fuhr ein silbernes Luxusfahrzeug der Marke Tesla heran, Kennzeichen BCYB294. Die Leute ahnten, dass Elon Musk darin sitzen würde - der Milliardär und Futurist, Gründer von Space-X und Tesla und Initiator der Idee, den Personentransport nicht nur mit Elektroautos zu revolutionieren, sondern über ein Netzwerk, bei dem Kapseln mit mehr als 1000 Kilometern pro Stunde durch fast vollständig luftbefreite Röhren gejagt werden. "Hyperloop" nannte Musk das in einem Konzeptpapier vor fünf Jahren. Seit Anfang 2017 gibt es dieses Wettrennen, bei dem die Studenten Mitstreitern und Musks Ingenieuren ihre nicht durch Patente geschützten Hyperloop-Ideen präsentieren können.

Musk wollte wie bei den vergangenen beiden Wettbewerben, die das WARR-Team bereits gewonnen hatte, erst zur Siegerehrung erscheinen. Doch wegen der Verzögerungen kam er nun gerade rechtzeitig, um die Fahrt der Kapsel aus München in einem 1,6 Kilometer langen oberirdischen Tunnel selbst zu erleben. Da stand er also, inmitten der aufgeregten Studenten, starrte gebannt auf den Bildschirm - viel mehr ist ja nicht zu sehen bei solch einem Rennen - und am Ende, da sah er die Geschwindigkeit: 290 Meilen pro Stunde. Mehr als 466 Stundenkilometer.

Das war ein neuer Rekord beim dritten Hyperloop-Wettbewerb, an dem 20 Teams aus aller Welt teilnahmen. 2017 hatte das WARR-Team schon mit Tempo 324 gewonnen. Musks Konzept sieht zwar 1200 Kilometer pro Stunde vor, mit denen die Kapsel einst durch ein Hyperloop-System rasen soll, doch dies ist auf einer Teststrecke nicht zu bewerkstelligen. Ein Erfolg für die Studenten also, und auch für Musk, der ja jene, die seine Visionen nicht teilen, gern mal als ewiggestrige Idioten beschimpft.

"Es gibt Leute auf der Welt, die wollen immer die gleichen Sachen machen", rief Musk den Studenten zu: "Was wir hier sehen, das ist Zeug aus der Zukunft - das ist so aufregend wie die Mondlandung." Nach der Erfindung des Autos hätten auch einige Leute behauptet, dass so ein Pferd doch eine prima Antriebsmöglichkeit sei: "Es gibt genügend Menschen, die pessimistisch oder gar deprimiert in die Zukunft blicken. Ideen wie diese sind die wenigen Dinge auf der Welt, weswegen sich die Leute auf die Zukunft freuen dürfen." Jubel bei den Studenten, denen es wohl egal ist, dass sich Musk da vor allem selbst lobt.

Aus dem Umfeld von Musk ist zu hören, dass er den nächsten Wettbewerb unterirdisch austragen möchte. Den Tunnel dafür gräbt auf dem Space-X-Gelände gerade ein riesiger Bohrer der Firma The Boring Company, die Musk 2016 gegründet hat, weil ihn der Verkehr in Los Angeles nervt.

"Es ist schon ein besonderes Erlebnis für einen Studenten, wenn jemand wie Elon Musk bei so einer Fahrt mitten im Team steht und sich für unsere Kapsel begeistert", sagte Gabriele Semino, einer der Leiter des WARR-Teams: "Das entschädigt für die vielen Stunden, die wir in dieses Projekt investiert haben." Viel geschlafen habe er nicht in den vergangenen Wochen, das wolle er nun nachholen. Einige Studenten müssen jedoch noch etwas warten: "Wenn sie heimkommen, dann müssen sie Klausuren schreiben."