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Heftiger Umsatzrückgang:Wienerwald ist pleite

Das Unternehmen hat schon am vergangenen Freitag Insolvenzantrag gestellt.

(SZ vom 18.06.03) - Als Grund gab Alfons Buhr, Alleinvorstand der Münchner Wienerwald AG, die heftigen Umsatzrückgänge an, mit der die Gastronomie derzeit zu kämpfen habe. Wie aus unternehmensnahen Kreisen bekannt wurde, erwägen die Franchisenehmer von Wienerwald nun, die Marke zu übernehmen.

Der Umsatz sei in den vergangenen Monaten um vier Prozent zurückgegangen, sagte Buhr der Süddeutschen Zeitung. "Damit lagen wir zwar immer noch über dem Branchenschnitt", sagte Buhr. "Letztlich hat uns aber die Liquidität gefehlt, um den Engpass aufzufangen."

Durch Hühnerpest geschwächt

Zudem habe die Hühnerpest das Unternehmen geschwächt. Durch die Tierseuche waren zuletzt die Erzeugerpreise für Geflügel deutlich gestiegen, nachdem Geflügelexporte aus den Niederlanden ausgefallen waren.

Brathähnchen sind das wichtigste und populärste Produkt der Restaurant-Kette. Ursprünglich hatte das Unternehmen, das zu 100 Prozent der Düsseldorfer Altacon AG gehört, für das laufende Jahr Gewinne eingeplant.

Betroffen von der Insolvenz sind 38 Restaurants in Deutschland mit rund 500 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Umsatz von 25,2 Millionen Euro verbucht. 35 Franchisenehmer des Unternehmens, die in Lizenz Wienerwald-Restaurants betreiben, erzielten einen Umsatz von insgesamt 19 Millionen.

Einst 25.000 Mitarbeiter

Noch Anfang der Achtziger bestand das vom "Hendlkönig" Friedrich Jahn 1955 gegründete Unternehmen aus mehr als 1.500 Restaurants in Deutschland und Österreich, machte rund eine Milliarde Euro Umsatz und beschäftigte 25.000 Mitarbeiter.

Doch die hohen Schulden, die Jahn im Zuge der Expansion aufgehäuft hatte, machten dem Konzern in der Folge immer mehr zu schaffen. Der Österreich-Ableger von Wienerwald hatte im vergangenen Juli Insolvenz angemeldet.

Unterdessen denken die Franchisenehmer nun offenbar darüber nach, die Marke Wienerwald gemeinsam zu übernehmen. Entsprechende Gespräche im Kreis von Franchisenehmern sollten noch am Dienstag geführt werden.

Marke soll erhalten werden

Dem Unternehmen selbst sei davon nichts bekannt, sagte Buhr. Geplant sei allerdings, sowohl die Marke als auch das Unternehmen zu erhalten. "Wir schätzen die Chancen für den Erhalt als realistisch und sehr hoch ein", sagte Buhr.

Der vorläufige Insolvenzverwalter, der Münchner Rechtsanwalt Eckhart Müller-Heydenreich, führe den Geschäftsbetrieb mit dem derzeitigen Management fort, hieß es.

Die Suche nach Investoren und frischem Kapital, die Wienerwald schon lange vor dem Insolvenzantrag begonnen hatte, werde fortgesetzt. Konkrete Gespräche gebe es.