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Hauspartys:Airbnb überprüft alle  Ferienwohnungen

Ab sofort beginnt Airbnb eigenen Angaben zufolge damit, alle sieben Millionen Unterkünfte auf seiner Plattform zu überprüfen.

(Foto: AFP)

Nach Vorfällen an Halloween unterzieht der Konzern 2020 alle sieben Millionen Wohnungen genauen Prüfungen - um das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen.

Vertrauen ist ein wertvolles Gut und zerstörtes Vertrauen schwer wiedergutzumachen. Wer sich im Urlaub gegen ein Hotel und für eine Privatwohnung entscheidet, gibt seinem Vermieter einen gehörigen Vorschuss davon: Er kann vor Reiseantritt kaum überprüfen, ob alle Angaben und alle bunten Bilder der Wohnung wirklich stimmen. Er muss seinem Gastgeber einfach vertrauen.

Das Geschäft des Ferienwohnungsvermittlers Airbnb basiert auf diesem Prinzip, und es hat in den vergangenen Monaten immer wieder gelitten. Besonders stark tat es das zuletzt in der vergangenen Woche: Am Donnerstag waren bei Schüssen auf einer unerlaubten Halloweenfeier mit vielen Besuchern in einer Airbnb-Wohnung in Kalifornien fünf Menschen ums Leben gekommen. Der Konzern gab sich bestürzt - und reagiert nun.

Ab sofort beginnt Airbnb damit, alle sieben Millionen Unterkünfte auf seiner Plattform zu überprüfen. Der Prozess soll ein Jahr dauern und Ende 2020 abgeschlossen sein. Es solle auf diesem Weg sichergestellt werden, dass die Ausschreibungen akkurat und die für Kurzaufenthalte angebotenen Häuser und Zimmer grundsätzliche Qualitätsstandards erfüllten, teilte Airbnb-Gründer und CEO Brian Chesky in einer Stellungnahme mit. Neben den Fotos und Adressen soll auch eine Grundausstattung der Wohnungen verifiziert werden. Wie genau das geschehen soll, verrät Airbnb jedoch nicht. Eine Stellungnahme zu den Maßnahmen lehnte der Konzern ab.

Um unangemeldete Hauspartys zu verhindern, will Chesky bestimmte "Hochrisikobuchungen" strenger überprüfen lassen, etwa anhand der Dauer der Aufenthalte und der Anzahl der Gäste. Für Nachbarn von Airbnb-Zimmern wird außerdem eine Hotline eingerichtet, an die sich Menschen wenden können, falls ihnen merkwürdige Vorfälle in oder rund um eine Wohnung auffallen. Diese wird zunächst in den USA eingerichtet und im Laufe des kommenden Jahres im Rest der Welt ausgerollt.

Darüber hinaus soll es für Kunden einfacher werden, Probleme zu melden und Erstattungen zu bekommen. Gästen wird künftig eine gleichwertige oder bessere Wohnung angeboten, falls die gebuchte nicht den angegebenen Standards entspricht. Alternativ bekommen sie den vollen Mietpreis zurück.

Neben anhaltenden Vertrauensproblemen steht Airbnb in mehreren Ländern in der Kritik, durch dauerhaft als Ferienwohnung genutzte Immobilien heimische Wohnungsmärkte zu unterlaufen. Als "typische Airbnb-Wohnung" gilt vielen mittlerweile ein Appartement mit Alibi-Fotos an der Wand, Alibi-Büchern im Regal und einer ominösen Schlüsselbox vor der Haustür. Die Wohnungseigentümer lernen viele Airbnb-Kunden gar nicht mehr kennen.

So seien etwa 26 Prozent der Wohnungen in Paris nicht mehr von Bürgern der Stadt bewohnt, beschwerte sich kürzlich die Verwaltung der Stadt. Von den 65 000 Unterkünften in der Stadt, die Airbnb online anbietet, seien fast die Hälfte "illegale Hotels" und würden dauerhaft an Touristen vermittelt. Immer wieder tauchen zudem Berichte auf, nach denen Airbnb-Gastgeber ihre Gäste in minderwertigere Unterkünfte bringen, nachdem die gebuchten Zimmer nicht verfügbar gewesen seien.

Die Politik kommt bislang nur in kleinen Schritten gegen den US-Konzern voran. Die Vertreter europäischer Großstädte wollen sich künftig gemeinsam gegen diese Praktik wehren: Sie planen, ihre Kräfte im Kampf gegen Portale wie Airbnb zu bündeln und die Firmen mittels verändertem EU-Recht dazu zu verpflichten, Einkommens- und Umsatzsteuer einzubehalten und an die Behörden der jeweiligen Städte abzuführen.