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Gütesiegel:Unverhoffter Erfolg

Das Label "Made in Germany" haben nicht die Deutschen, sondern die Briten erfunden - als Warnung. Das ging gründlich schief.

Von Catherine Hoffmann

Das Label "Made in Germany" ist keine deutsche Erfindung, sondern eine englische. Die Briten versuchten vor bald 130 Jahren durch den Aufdruck vermeintlich minderwertige deutsche Waren kenntlich zu machen. Also schrieb das Handelsmarkengesetz vom 23. August 1887 vor, ausländische Produkte mit einem Hinweis auf ihr Ursprungsland zu versehen. So sollte das Land vor Produktpiraterie und Patentraub geschützt werden. Doch die als Diskriminierung gedachte Bestimmung, hinter der unausgesprochen die Aufforderung zum buy british stand, verfehlte ihren Zweck - und zwar gründlich.

Mit dem Wirtschaftswunder wuchs das Renommee deutscher Produkte im Ausland

Zwar galten deutsche Produkte zu Beginn der Industrialisierung noch als billig und schlecht. Doch die Unternehmer lernten schnell dazu. Wo die Qualität deutscher Waren noch zu wünschen übrig ließ, sorgten klare Standards und Normen in der Produktion bald für die nötige Güte. Deutschland war zu einem ernsthaften Konkurrenten für das britische Empire geworden - nicht nur auf der Insel, sondern weltweit. Im 20. Jahrhundert wurde "Made in Germany" dann zu einem weltweit anerkannten Qualitätsmerkmal industrieller Produkte. Deutsche Autos, Maschinen, Bestecke und Pillen konnten sich gegen alle Zoll- und Handelshindernisse durchsetzen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg stieg das Deutsche Reich zum führenden Industrieland Europas auf.

Doch der Erste Weltkrieg und die harten Bedingungen des Vertrages von Versailles bremsten den Aufschwung. Der Versuch, das Markenzeichen in den Zwanzigerjahren wiederzubeleben, scheiterte. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und des Vormarsches der Nationalsozialisten gerieten deutsche Exportartikel trotz ordentlicher Qualität ins Abseits.

Es dauerte, bis sich "Made in Germany" davon erholen konnte. Doch mit dem deutschen Wirtschaftswunder wuchs auch das Ansehen deutscher Produkte im In- und Ausland wieder. 1963 erschienen in deutschen Zeitungen ganzseitige Anzeigen, auf denen ein VW-Käfer in Richtung Horizont fährt und allmählich in der Ferne verschwindet. Darunter steht: "Der VW läuft ... und läuft ... und läuft ..."

© SZ vom 11.04.2017
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