Griechenland Zwei Prozent sollen reichen

Athen hofft auf ein Einlenken der Geldgeber bei den Wachstumszielen. Gemeinsam mit Reformen und niedrigeren Steuersätzen soll so das Wachstum angekurbelt werden. Außerdem will das Land zurück an den Kapitalmarkt.

Griechenland fordert ein Einlenken seiner Geldgeber, um rasch zu einer Verständigung im Streit um Reformen und Schulden zu kommen. Zentralbankchef Yannis Stournaras appellierte am Samstag bei einer Wirtschaftskonferenz in Delphi an die Euro-Partner, für das Land weniger ehrgeizige Haushaltsziele als bisher gefordert zu formulieren. Ab 2021 sollte nach seiner Auffassung nicht mehr ein Überschuss (ohne Zinszahlungen) von jährlich 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung als Zielmarke gelten, sondern von zwei Prozent. In Zusammenwirken mit den verabredeten Strukturreformen könnte das Griechenland erlauben, über niedrigere Steuersätze das Wachstum anzukurbeln.

Vize-Regierungschef Yannis Dragasakis äußerte die Hoffnung, dass das Land noch in diesem Jahr zurück an den Kapitalmarkt gehen könnte. "Wir streben zunächst eine vorläufige Rückkehr an den Kapitalmarkt an. Das könnte noch in diesem Jahr geschehen, wenn die zweite Überprüfung schnell abgeschlossen ist und Griechenland wieder ins Anleihekaufprogramm der EZB aufgenommen ist", sagte er Spiegel Online. Was eine Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am laufenden Rettungspakt angehe, so schaffe das eher zusätzliche Probleme. "Ob der IWF dabei bleibt oder nicht, ist zweitrangig", sagte das Regierungsmitglied.

Ein Drittel der Griechen befürwortet einen Austritt aus der Euro-Zone

Auch Dragasakis hofft auf einen raschen Abschluss der Bewertungsgespräche über die Reformfortschritte des Landes. "Die Bedingungen, die an das Rettungspaket geknüpft sind, sind weitgehend erfüllt", sagte er. Dennoch müsse noch einiges geschehen. Die Regierung wolle den technischen Teil der Vereinbarungen bis zum Eurogruppen-Treffen am 20. März abschließen. "Danach ist dann noch Zeit, sich in zwei wichtigen Punkten auf politischer Ebene zu einigen: Welche Überschüsse müssen wir nach 2018 erzielen? Und wie steht es um einen mittelfristigen Schuldenerlass?", sagte er.

Unterdessen erkundete ein Marktforschungsinstitut die Einstellung der Griechen zum Euro. Knapp 60 Prozent der Griechen glauben demnach, dass es besser für sie wäre, wenn das Land den Euro behält. Etwa 33 Prozent sind für einen Austritt aus der Eurozone, heißt es in der von Dianeosis und der Universität von Thessaloniki durchgeführten Studie, die am Sonntag von der Zeitung Kathimerini veröffentlicht wurde.

Zudem sind 62 Prozent der Ansicht, dass die schwere Finanzkrise, die Griechenland erschüttert, hauptsächlich auf "Gründe im Landesinneren und eigene Schwächen" zurückzuführen sei. Ein neues Wirtschaftsmodell mit weniger Staat und Steuern befürworten mehr als 60 Prozent der Befragten - auch wenn es zu weiteren Kürzungen der Sozialprogramme und Renten führen sollte.