Gewinnspiele Süchtig nach Glück

In jeder Segmüller-Filiale werden Autos verlost

Im November vergangenen Jahres fischte die 25-Jährige die Karte von Thomas Ölschläger heraus. 3000 Prinz-Leser hatten sich an einem Spiel beteiligt, bei dem es einen Luxustrip nach Österreich zu gewinnen gab. Gerade mal zwei schmucklose Karten hatte der 40-Jährige geschickt. Die Gewinnspiele der Zeitschrift gelten unter Gewinnspiel-Fans als höchst effizient. "Da ist die Chance auf einen Hauptgewinn wesentlich höher", vermutet Ölschläger. Wer sich auskennt, sucht ohnehin nach Gewinnspielen, an denen nicht Hinz und Kunz teilnehmen. Noch besser sei die Trefferquote bei Kreativ-Gewinnspielen. Nicht jeder macht sich die Mühe, witzige Fotos oder eigenwillige Rezepte einzusenden.

Ölschläger hat da Erfahrung. Seit 1991 macht der Chemikant aus Frankfurt Jagd auf Gewinne. Seine Erfolgsbilanz hat er im Internet auf der Seite "gewinnspiele-info.de" veröffentlicht. 680-mal beglückte ihn Fortuna: Ölschläger war gratis in Brasilien, auf Kreuzfahrt in der Karibik, machte Abenteuerurlaub auf Tahiti. Und freut sich über viele penibel aufgelistete Kleingewinne. Was dem Glückspilz noch fehlt, ist ein Auto.Das könnte Ölschläger jetzt mit Hilfe der Firma Segmüller gewinnen. Elf Autos hat das in Süddeutschland angesiedelte Möbelhaus kürzlich ausgelobt. Ein Luxusmodell von Mercedes und zehn Kleinwagen im Gesamtwert von mehr als 145.000 Euro. Dazu müsste Ölschläger allerdings eine der acht Filialen ansteuern. Teilnahmekarten gibt's nur auf dem Gelände des Möbelhauses. Aus gutem Grund, sagt Werbechef Reinhold Gütebier. "Wir wollen schließlich Frequenz im Haus generieren und nicht bei Gewinnspiel-Profis." Diese sind anscheinend auch beim Konkurrenten Höffner nicht gern gesehen. Der akzeptiert bei der Verlosung von Preisen im Wert von 50.000 Euro nur eine Karte pro Person.

Professionelle Glücksjäger lassen sich durch solche Regeln nicht erschüttern. Sie vertrauen auf die Mathematik. So liegt die Chance, beim deutschen Lotto den Jackpot zu knacken und Millionär zu werden, bei eins zu 140 Millionen. Die Gewinnwahrscheinlichkeit bei Preisausschreiben ist auch bei nur einer verschickten Karte wesentlich höher. Der Trick mit der Zackenschere ist unter den Profis aber längst bekannt. Beim Süßwarenhersteller Haribo können sich bei einem Gewinnspiel 800.000Einsendungen stapeln - ein Drittel davon gezackt. Nicht immer geht es bei Verlosungen mit rechten Dingen zu. Das zumindest vermuteten Mitglieder der Webseite "gewinn-portal.de", die bei einem interaktiven Gewinnspiel vor gut einem Jahr eine merkwürdige Häufung von Glückspilzen im Raum Köln beobachteten. Es ging um Autos, Motorroller und Fernseher, auf die auch Teilnehmer aus anderen Regionen Deutschlands hofften. Nach Medienberichten musste der Geschäftsführer der beauftragten Agentur eingestehen, dass man mit den wertvollen Gewinnen Freunde und Bekannte bedacht habe.

Auch bei der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" brodelte vor wenigen Tagen die Gerüchteküche: Ausgerechnet die Mutter von Jury-Scharfrichter Dieter Bohlen gewann bei der Zuschauerquizfrage 10.000 Euro. "War es Zufall oder nicht?", fragte Bild. RTL wiegelte ab, verwies auf den Zufallsgenerator, der die 73-Jährige aus 150.000 Anrufern ausgewählt hätte.

Kaum eine Rolle spielte in den Berichten die Tatsache, dass jeder der Gewinnsüchtigen mit 50 Cent zur Kasse gebeten wurde. Macht zusammen 75.000 Euro. Weil die Teilnehmer solcher Mehrwert-Dienste immer häufiger die Gewinne selbst finanzieren, greift Eva-Maria Stiller nur noch selten zum Telefon. Sie vertraut ihre Karten lieber weiter der Post an. Ihre Zackenschere setzt Sachsens Gewinnspiel-Königin jedoch nur noch selten ein. Das liegt am Anruf der Glücksfee eines Veranstalters, die sich über die gezackten Karten beklagte. Sie hatte sich bei der Ziehung am Finger verletzt.