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Geldgeschenke der Banken:Umsonst ist nur der Tod

Sparen

Die Banken wollen vor allem junge Kunden ködern.

(Foto: U. Grabowsky/photothek.net)

Banken überbieten sich mit Geldgeschenken, wenn Kunden ein Girokonto eröffnen. Ganz so großzügig sind die Institute aber nicht.

Von Harald Freiberger, Frankfurt

Der Volksmund kennt eine Reihe von Sprichworten zum Thema Schenken. "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul", lautet eines, "umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben" ein anderes. Georg Fahrenschon, der Präsident der Sparkassen, hat diesem Fundus vor wenigen Wochen ein neues hinzugefügt: "Ich würde einem Metzger nicht trauen, der mir fünf Euro gibt, damit ich die Wurst kaufe - und noch mal fünf Euro bei verdorbenem Magen", sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz.

Er spielte damit auf ein Angebot der Konkurrenz an. Die Commerzbank spendiert ihren Kunden seit gut zwei Jahren 100 Euro, wenn sie ein Girokonto bei ihr eröffnen, und weitere 50 Euro, wenn sie das Konto wieder schließen, genannt "Zufriedenheitsgarantie". Auch die Direktbanktochter Comdirect wirbt damit: "100 Euro, wenn Sie uns mögen. 150 Euro, wenn nicht", dazu gibt es sogar eine "lebenslange Zufriedenheitsgarantie".

Offensichtlich hat die Commerzbank damit einen Trend ausgelöst. Mittlerweile gibt es kaum mehr eine Direktbank, die bei Eröffnung eines Girokontos nicht mit einem Geldgeschenk lockt. Die DAB Bank zahlt 50 Euro Startguthaben, 1822 direct schreibt (bis 31. Mai) 100 Euro gut, ING-Diba 75 Euro, VW- und Audi-Bank jeweils 50 Euro, Wüstenrot direct 80 Euro. Unter den Banken mit Filialen gibt es neben der Commerzbank noch bei der Postbank eine Gutschrift, sie zahlt 100 Euro. Meist sind die Angebote an die Bedingung geknüpft, dass monatlich ein Mindestbetrag auf das Konto eingehen muss, mal 800 Euro, mal 1000, mal 1200.

Auf diese Weise wollen die Institute sicherstellen, dass es sich auch wirklich um das Gehaltskonto handelt. Sonst könnte der Kunde ja einfach die Prämie abgreifen und das Konto brach liegen lassen. Damit wird schon deutlich, dass es sich um keinen "geschenkten Gaul" handelt. "Die Banken wollen mit solchen Angeboten Kunden zu sich locken", sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Das Girokonto ist der Dreh- und Angelpunkt für das Privatkunden-Geschäft." Die Bank bekomme darüber Informationen zu den Geldverhältnissen des Kunden und könne ihm dann Produkte verkaufen, die keineswegs mehr gratis sind: Baudarlehen, Geldanlagen, Versicherungen.

Die Flut der Geldgeschenke hat auch damit zu tun, dass der Wettbewerb härter geworden ist. Da die deutsche Bevölkerung immer älter wird, wachsen nur wenige neue Kunden nach. Wer ihre Zahl steigern will, muss sie der Konkurrenz abjagen. Martin Zielke, der Privatkunden-Vorstand der Commerzbank, sagt ganz offen, dass die Geldprämien für Neukunden unter Marketingkosten verbucht werden. Jedes Institut weiß, wie viel Aufwand an Werbung und sonstigen Aktionen sie treiben muss, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Branchenkenner schätzen, dass dieser Aufwand je nach Bank bei 200 bis 300 Euro liegt.

Das Kalkül der Banken: Wenn sie weniger werben und dem Kunden das eingesparte Budget gleich selbst überweisen, ist der Weg direkter. Möglicherweise ist er auch erfolgreicher. Die Commerzbank hat jedenfalls in den vergangenen zwei Jahren unterm Strich 500 000 Kunden dazu gewonnen. Wohl auch aus diesem Grund wird das Vorbild von anderen Instituten fleißig kopiert. Nur Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen halten sich zurück. "Geldgeschenke passen nicht zu unserer Markenstrategie", sagt ein Sprecher des Sparkassenverbands. Man erbringe eine Dienstleistung, für die man auch Geld verlangen dürfe - ein dichtes Filialnetz, viele Geldautomaten, eine kompetente Beratung.

Was ist von den Geldgeschenken eigentlich aus Kundensicht zu halten? Verbraucherschützer Scherfling rät, die Wahl eines Girokontos nicht nur von einer Bar-Prämie abhängig zu machen - auch wenn die Banken an oberster Stelle damit werben. "100 Euro sind kein ausschlaggebender Grund für einen Bankwechsel", sagt er. Schließlich sei es auch aufwendig, den Arbeitgeber zu informieren, Lastschriften und Daueraufträge zu ändern. Für eine einmalige Prämie lohne sich das kaum - wohl aber, wenn man generell unzufrieden ist. An erster Stelle sollte nach Überzeugung des Verbraucherschützers die Frage stehen, was die Kontoführung kostet, also was für Grundgebühr, Überweisungen, Daueraufträge, Kreditkarte, Ersatzkarte fällig wird. Wichtig auch: Will man das Konto online führen oder einen Ansprechpartner haben? Und: Wie weit ist es zum nächsten Geldautomaten? "Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann man eine Wechselprämie mitnehmen", sagt Scherfling.

Beim Girokonto gilt wohl am ehesten das Sprichwort: "Umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben."

© SZ vom 06.05.2015
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