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Gehälterdebatte:EU-Abgeordnete wollen Boni von Hedgefonds-Managern begrenzen

Wenn wir schon mal dabei sind: Nach den Bankern will Straßburg nun auch die Mega-Verdiener der Finanzbranche ins Visier nehmen. Manager von Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften sollen künftig keine unbegrenzten Boni mehr erhalten. Die Branche ist empört.

Die EU-Parlamentarier scheinen den Spaß am Regulieren hoher Gehälter entdeckt zu haben. Nach der Vereinbarung zur Begrenzung der Banker-Boni wollen sie auch Beschränkungen für Hedgefonds-Manager diskutieren. Abgeordnete machen sich bereits Gedanken darüber, wie die Branche in die Pflicht genommen werden könnte, die in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Milliardäre und Millionäre hervorgebracht hat.

Der SPD-Parlamentarier Udo Bullmann sagte, der Fokus könnte nun auf Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften gerichtet werden. Auch der konservative Abgeordnete Othmar Karas aus Österreich forderte ähnliche Regeln für andere Finanzbranchen als nur die der Banken.

Unter Fondsmanagern löst der Vorstoß heftige Kritik aus: "Es wäre eine krasse Einmischung, wenn es eine Bonusgrenze in einer privaten Branche geben würde", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen hochrangigen Manager einer großen Gesellschaft, der nicht genannt werden wollte.

Hedgefonds-Manager gehören zu den Spitzenverdienern im Finanzwesen - einige von ihnen erhalten sogar deutlich höhere Vergütungen als Top-Banker. So bekam Winton-Capital-Gründer David Harding seit 2006 mehr als 348 Millionen Pfund an Dividenden und Gehalt, allein 2011 waren es 84 Millionen. Er verfügt über ein Vermögen von 800 Millionen Pfund. Brevan-Hower-Mitgründer Alan Howard hat sogar 1,4 Milliarden Pfund Vermögen.

Der Sektor versucht sich seit Ausbruch der Finanzkrise von den Bankern abzusetzen und verweist darauf, dass er nicht die gleiche Bedeutung für das Finanzsystem insgesamt habe wie die Banken. Ende Februar hatten sich EU-Parlament, EU-Kommission und EU-Präsidentschaft auf Bonusgrenzen für Banker geeinigt. Demnach darf der Bonus nur so hoch wie das Grundgehalt ausfallen. Stimmen die Aktionäre zu, kann der Zuschlag auch doppelt so hoch sein. Verfechter der Neuregelung argumentierten unter anderem: Weil Banken in der Finanzkrise wirtschaftliches Chaos ausgelöst hatten, müsse die Risikobereitschaft ihrer Händler eingeschränkt werden. Das ginge am besten über Boni-Deckelungen.

Nach der erfolgreichen Abzocker-Initiative in der Schweiz hat die EU nun auch eine eigene Gesetzesinitiative zur Begrenzung aller Managergehälter angekündigt. Noch bis Jahresende will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier einen Vorschlag vorlegen.

© Süddeutsche.de/Reuters/bero

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