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Gebühren:Kontroverse um Geldautomaten

Der neue Chef der Direktbank ING-Diba, Nick Jue, macht sich für ein gemeinsames Angebot der deutschen Banken für das Abheben am Automaten stark. Die Volks- und Raiffeisenbanken finden das einfach nur dreist.

Der neue Chef der Direktbank ING-Diba, Nick Jue, macht sich für ein gemeinsames Angebot der deutschen Banken für das Abheben am Geldautomaten stark. "Kunden wollen Bargeld so einfach und so billig wie möglich. Banken kostet das aber doch nur Geld", sagte Jue der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Frankfurt. "Darum fände ich es sinnvoll, wenn wir die Bargeldversorgung als Branche gemeinsam so effizient wie möglich gestalten würden." In den Niederlanden habe sich die Bankenbranche auf einen einheitlichen Standard für Geldautomaten geeinigt. In Deutschland dagegen gebe es konkurrierende Angebote, bei denen Kunden, die nicht bei der jeweiligen Bank ihr Konto haben, fürs Geldabheben teils erhebliche Gebühren zahlen müssten.

Die Volks- und Raiffeisenbanken lehnten den Vorstoß ab. Die Bank fordere unter dem Deckmantel des Kundennutzens kostengünstigen Zugang zu einem Geldautomatennetz ein, an dessen Aufbau und Erhalt sie sich selbst kaum beteilige. "Den eigenen Aufwand zu minimieren und an der Infrastruktur anderer Bankengruppen möglichst kostengünstig partizipieren zu wollen, ist dreist", sagte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Jürgen Gros. Das Bundeskartellamt hatte im September mitgeteilt, es sehe derzeit keine Notwendigkeit, Fremdabhebegebühren an Geldautomaten zu begrenzen. Zwar verlangten Banken meist drei und fünf Euro für Auszahlungen an Fremdkunden und im Einzelfall sogar deutlich mehr. Die meisten Verbraucher könnten diese Gebühren aber vermeiden. Sie könnten einen Automaten ihrer Bank oder ihres Geldautomatenverbundes nutzen, sich bei Tankstellen oder im Handel mit Bargeld versorgen oder - vielfach gebührenfrei - eine Kreditkarte zum Abheben nutzen.

© SZ vom 04.12.2017 / dpa
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