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Fujitsu:"Wir sind NSA-frei"

Fujitsu will mit seinem Cloud-Angebot punkten. Das Unternehmen, das aus einem Joint Venture mit Siemens entstanden ist, baut auf eine deutsche Infrastruktur. Das Verhältnis von Cloud zu herkömmlicher IT werde sich nämlich bis 2020 umkehren.

Von Helmut Martin-Jung

Rolf Werner muss kurz über die Frage nachdenken: Was denn das Cloud-Angebot von Fujitsu von dem der Konkurrenz unterscheide? Solche Internetbasierten Rechen-Netzwerke gibt es doch heute schon von vielen Anbietern. Und dann spielt der Chef des deutsch-japanischen Unternehmens für die deutschsprachigen Länder seine Trumpfkarte aus: "Wir sitzen in Deutschland, betreiben eine deutsche Infrastruktur", sagt er, und: "Wir sind NSA-free". Letzteres "fliege am besten", sagt er. Will heißen: Dieses Argument kommt bei den Kunden in Europa, besonders in Deutschland, gut an. Die wollen und müssen zum Teil auch wegen regulatorischer Vorschriften verhindern, dass personenbezogene Daten ins außereuropäische Ausland abwandern.

Fujitsu, einst ein Joint Venture mit Siemens, setzt bei der Cloud wie so viele andere Anbieter darauf, dass sich Firmen zunehmend von ihrer althergebrachten Informationstechnologie verabschieden und Daten in fremdbetriebenen Rechenzentren speichern und verarbeiten. Zu früh ist Fujitsu damit nicht dran, das gibt Werner ohne Umschweife zu, "die Wettbewerber haben einen Vorsprung". Er ist aber auch davon überzeugt, dass es für seine Firma noch nicht zu spät ist, vor allem nicht in Deutschland, wo viele Unternehmen erst allmählich damit anfingen, Teile ihrer IT in die Cloud zu bringen.

Erst 2020, sagt Werner, werde sich in Europa das Verhältnis von Cloud zu herkömmlicher IT umkehren, von heute 40:60 auf dann 60:40. Darin steckt natürlich viel Potenzial, das Fujitsu auch nutzen möchte. Neben dem Datenschutzaspekt sieht der Europachef dabei vor allem die Beziehungen zu den bestehenden Kunden als wichtigen Hebel. Von wichtigen Branchen habe Fujitsu viel Wissen gesammelt, zum Beispiel im Automobilsektor und bei der öffentlichen Hand.

Auf die veränderte Nachfrage der Kunden legt Werner besonderen Wert. Fujitsu müsse sich fragen, was mit den Geschäftsmodellen seiner Kunden passiere und wie man diesen dabei helfen könne. Er strebt Kooperationen an - ähnlich der mit Salesforce, einem vollständig cloudbasierten Unternehmen, das vor allem mit Software zur Pflege von Kundenbeziehungen groß geworden ist. In den nächsten vier Jahren wird Fujitsu in Europa etwa 250 Millionen Euro investieren, einen großen Teil davon in Deutschland. Unter anderem wird das Unternehmen ein Forschungszentrum für den Wachstumsmarkt des Internet of Things aufbauen, das Werner gerne in München ansiedeln würde.

Gegen den Trend erfolgreich ist Fujitsu auch mit seiner Hardware, mit Laptops, Servern und Platinen. Obwohl der Trend zur Cloud unvermindert weitergeht, "gibt es immer noch einen Bedarf an Hardware, gerade in Deutschland", sagt Werner. Viele Firmen wollten ihre besonders kritischen Daten nicht außer Haus geben oder müssten Software betreiben, die nicht für den Cloud-Betrieb ausgelegt sei.

Vor kurzem machte die Nachricht die Runde, dass sich Fujitsu mit dem chinesischen Marktführer Lenovo zusammentun wolle. Noch sei da nichts entschieden, sagt die Fujitsu-Produktchefin und Leiterin des Werkes Augsburg, Vera Schneevoigt, "das sind noch Sondierungsgespräche". Klar sei, dass es im schrumpfenden PC-Geschäft einen Verdrängungswettbewerb gebe. Fujitsu wolle aber nicht das komplette PC-Geschäft verkaufen, sondern nur Kooperationen etwa beim Einkauf schließen. "Die Kräfte müssen gebündelt werden", sagt Schneevoigt.

Beim Einkauf gebe es das größte Potenzial zu heben, erläutert die Managerin. 80 Prozent der Kosten entstünden durch die Bauteile, die nahezu vollständig in Asien hergestellt werden. Dass die Arbeitskosten nicht einmal 20 Prozent ausmachten, sei der Grund dafür, dass Fujitsu überhaupt noch im Hochlohnland Deutschland Computer und Platinen produzieren kann: "Wenn Sie gute Vereinbarungen mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat haben, die eine flexible Produktion ermöglichen, dann geht das", sagt Schneevoigt.

© SZ vom 16.11.2016
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