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Frankreich:Die fabelhaften DSK-Boys

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François Villeroy de Galhau, Ex-Chef von Strauss-Kahns Ministerbüro, wird Gouverneur der Banque de France.

(Foto: Bertrand Guay/afp)

Dominique Strauss-Kahn ist abgemeldet - und will nur zurückkommen, wenn dafür demonstriert wird. Doch dafür rücken viele seiner ehemaligen Mitarbeiter in die Schaltstellen der Hochfinanz vor.

Man nannte sie "das Dream-Team", wahlweise auch "die DSK-Boys". Damals, Ende der Neunziger, als eine Riege talentierter junger Männer den Ministerstab von Dominique Strauss-Kahn bildete. Strauss-Kahn, genannt "DSK", war zu dieser Zeit Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister. Dessen weitere Laufbahn endete nach dem Aufstieg zum Chef des Internationalen Währungsfonds bekanntlich mit einem tiefen Sturz. Comeback ausgeschlossen, wie er selbst sagt.

Sein Netzwerk aber bleibt mächtig: Seine einstigen Zöglinge schicken sich gerade an, wichtige Hebel der Hochfinanz zu übernehmen - in Frankreich und darüber hinaus. So wurde binnen weniger Tage erst François Villeroy de Galhau, Ex-Direktor von Strauss-Kahns Ministerbüro, zum Gouverneur der Banque de France bestimmt. Dann wurde Stéphane Boujnah zum Chef des Börsenbetreibers Euronext berufen. Er war einst im DSK-Team Berater für Technologie- und Investmentfragen. Und die beiden sind nicht die einzigen aus Strauss-Kahns früherem Stab, die in der Finanzwelt Karriere machen.

"Dahinter steckt keine gezielte Strategie, nicht irgendein ominöser Plan der DSK-Boys", beteuert einer, der selbst zum Ministerbüro des gefallenen Stars der französischen Sozialisten gehörte. "Wenn einige später auf Spitzenposten landen, zeigt das vor allem, dass Strauss-Kahn ein Händchen hatte für gute Leute." Und jetzt, so scheint es, ist die Zeit dieser Leute gekommen. Angefangen mit dem 56-jährigen Villeroy, dem designierten Chef der Notenbank. Als junger Beamter des Finanzministeriums arbeitete er schon Anfang der Neunzigerjahre an der Schaffung einer europäischen Einheitswährung mit, damals ECU genannt. Künftig muss er als Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank helfen, den Euro zusammenzuhalten. Seine Vorstellungen, wie Europa aus der Krise kommt, hat er vor einem Jahr in einem grundoptimistischen Buch festgehalten. Bevor Villeroy im November Frankreichs oberster Notenbanker werden kann, muss er allerdings einen Streit ausstehen: Ein paar Parlamentarier und viele Ökonomen - darunter renommierte wie Thomas Piketty - werfen ihm einen Interessenkonflikt vor. Denn Villeroy war bis zum Frühjahr Vizechef der Großbank BNP Paribas. Als solcher, so der Vorwurf, könne er nicht für die Bankenaufsicht mitverantwortlich sein, die teils zu den Aufgaben der Notenbank gehört.

Bei Stéphane Boujnah sind die Dinge genau andersherum. Die Mehrländerbörse Euronext macht ihn zum Chef, gerade weil er alle Akteure, mit denen er künftig zu tun hat, aus dem Berufsleben gut kennt: Banken, Konzerne, Investoren, Regulierungsbehörden - und die Politik. Boujnah baute nach seiner Zeit bei Strauss-Kahn unter anderem das Frankreich-Geschäft der Deutschen Bank auf. Zuletzt war er Europachef der spanischen Großbank Santander. Bei Euronext wird seine erste Aufgabe der Vollzug eines Sozialplans sein, der 85 Jobs kostet. Pikanterweise betätigt sich der 51-jährige Boujnah auch als Präsident eines sozialdemokratisch ausgerichteten Thinktanks. Im Beirat seiner Denkfabrik sitzt der Ex-Kollege Villeroy.

"Eigentlich ist es schade, dass wir nicht so etwas wie ein Klassentreffen haben."

Der schillerndste aller DSK-Boys aber ist Matthieu Pigasse. Der Mann, der in seinem Büro am Boulevard Haussmann mit Vorliebe lauten Punkrock von "The Ramones" hört, stieg im Frühling bei der Investmentbank Lazard zum Chef im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen auf. Das Geldhaus gehört hier zu den wichtigsten weltweit, orchestriert etwa die 115-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen den US-Konzernen Heinz's und Kraft. Pigasse war auch lange der Schuldenberater Griechenlands. Trotz seines durch und durch kapitalistischen Jobs kritisiert er regelmäßig die vermeintlich unsoziale Politik Frankreichs und Deutschlands in der Eurokrise. Der 47-Jährige - nebenher Miteigentümer der Renommierzeitung Le Monde - zählt zu den wenigen, die den Kontakt zu Strauss-Kahn aufrecht hielten, als der wegen Vergewaltigungsvorwürfen zum politischen Paria geworden war.

Das Netzwerk der früheren Mitarbeiter reicht noch weiter. Es besetzt etwa die Spitzen des Versicherers CNP und der Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Auch der Ökonom und Regierungsberater Jean Pisani-Ferry gehört dazu. "Eigentlich ist es schade, dass wir nicht so etwas wie ein Klassentreffen haben", sagt einer der DSK-Boys.

Zu einem solchen Treffen könnten sie dann ihren Mentor einladen - ohne fürchten zu müssen, dass er selbst noch einmal in die erste Reihe drängt. "Ich werde nie zurückkommen", soll Dominique Strauss-Kahn jüngst in kleinem Kreis erklärt haben. Ins öffentliche Leben zurückkehren wolle er nur in einem Fall: Wenn vor seiner Haustüre eine Million Menschen dafür demonstrieren.