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Fragen und Antworten:Trügerische Sicherheit

Bausparen kann sich auch in Zeiten historisch niedriger Zinsen lohnen. Aber im Grunde ist es eine Spekulation darauf, dass die Zinsen in absehbarer Zeit merklich steigen.

Früher lief das oft so: Mama und Papa, Oma oder Opa meinten es gut mit dem Jungen oder Mädchen und schlossen für den Nachwuchs einen Bausparvertrag ab. Bausparen - damit verbanden Eltern und Großeltern Sicherheit und die Garantie, dass Kinder oder Enkel später einmal zu niedrigen Zinsen Kapital für die eigenen vier Wände erhalten. Und Geld vom Staat gab es in Form der Wohnungsbauprämie womöglich noch obendrauf. Nur, lohnt sich so ein "Bausparer", wie diese Verträge landläufig heißen, heutzutage überhaupt noch - ausgerechnet jetzt in Zeiten, in denen Banken ihren Kunden Baukredite für teilweise unter ein Prozent Zinsen quasi nachschmeißen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie wichtig ist den Bundesbürgern das Bausparen?

Bausparverträge gehören zu den wichtigsten Sparprodukten in Deutschland. 28 Millionen Verträge laufen derzeit. Noch immer besitzt fast jeder Dritte der 15- bis 22-Jährigen einen Bausparvertrag, zeigt eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach für die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Nach wie vor gibt es 20 Bausparkassen, acht sind davon öffentlich-rechtliche Landesbausparkassen (LBS).

Wie geht es den Bausparkassen?

Sie leben von der Zinsmarge, also der Differenz zwischen den von ihnen gezahlten Zinsen für die Ersparnisse ihrer Kunden und den Zinsen für die Darlehen, die die Kassen herausgeben. Zuletzt sind ihre Erträge wegen der historisch niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt gesunken. Viele Kunden schließen lieber ein günstigeres Hypothekendarlehen ab. Gleichzeitig halten aber Bausparer an ihren alten Verträgen fest, die - gemessen am derzeit niedrigen Zinsniveau - üppig verzinst sind, ohne die vergleichsweise teuren Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Die Bausparkassen versuchen deshalb, die für sie unattraktiven Altverträge zu kündigen ( siehe Artikel rechts). Außerdem zapften sie Geld aus ihrem eigenen Notfallfonds ab, um finanziell wieder besser dazustehen. Inzwischen soll das Neugeschäft aber wieder anziehen, angekurbelt auch durch die Einführung des Baukindergelds, heißt es beim Verband der privaten Bausparkassen.

Neuer Rechner

Zwei Jahre hat die Stiftung Warentest daran gearbeitet, jetzt können ihn Verbraucher nutzen: den neuen Bausparrechner, zu finden im Internet (test.de/bausparrechner). Dieser vergleicht mehr als 200 Tarife aller deutschen Bausparkassen. Das kostet einmalig 7,50 Euro. Im Vergleich von guten zu schlechteren Tarifen können bei der richtigen Wahl des Anbieters aber locker gut 2000 Euro als Vorteil bei einer Baufinanzierung über einen Bausparvertrag herausspringen. Um den Rechner zu nutzen, müssen die Kunden genau angeben, wann sie bauen, kaufen oder modernisieren wollen, welchen Betrag sie als Darlehen benötigen und wie viel sie monatlich sparen wollen. Vom Rechner gibt es dann einen detaillierten Überblick mit allen wichtigen Tarifkonditionen und vollständigen Spar- und Tilgungsplänen. Die Stiftung verspricht dabei: "Anders als die Rechner vieler Bausparkassen schlägt unser Programm nur Sparpläne vor, die die Kasse dauerhaft annehmen muss. Sparbeiträge weit unter der Regelsparrate, die eine Bausparkasse zur Kündigung berechtigen, sind für uns tabu." Thomas Öchsner

Wie funktioniert Bausparen?

Bausparverträge tragen dazu bei, den Kauf oder Bau einer Wohnung, eines Hauses oder die Modernisierung einer Immobilie bezahlen zu können. In der Regel handelt es sich dabei um einen Baustein der Finanzierung, oft ist zusätzlich ein Baukredit von einer Bank oder Sparkasse nötig. Jeder Vertrag wird über eine bestimmte Bausparsumme, etwa 30 000, 50 000 oder 75 000 Euro, abgeschlossen. Das ist auch der Betrag, den der Bausparer einige Jahre später ausgezahlt bekommt. Einen Teil, meist 30 bis 50 Prozent, zahlt sie oder er selbst in monatlichen Sparraten von zum Beispiel 100 bis 300 Euro bei der Bausparkasse ein.

Worin besteht der Clou beim Bausparen?

Die Zinsen, die die Bausparkassen auf das Ersparte zahlen, sind laut Stiftung Warentest mit im Moment 0,05 bis 0,25 Prozent im Jahr derzeit äußerst dürftig. Dafür garantieren die Kassen einen Zinssatz von meist 1,85 bis 2,95 Prozent für das Darlehen, obwohl es dieses erst in zum Beispiel sieben, acht oder zehn Jahren gibt.

Was ist an dem Konzept heikel?

Die Kunden haben keine Garantie, ihr Darlehen genau zu dem Zeitpunkt zu bekommen, an dem sie das Geld brauchen. Das klappt "leichter gesagt als getan", heißt es im letzten Bauspar-Testbericht von Stiftung Warentest. Hinzu kommt: "Wer kann schon wissen, ob in genau sieben oder acht Jahren der Erwerb einer Immobilie ansteht", sagt Dirk Scobel, Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Sicher ist nur: Je länger der Kunde spart und je höher seine Sparbeiträge ausfallen, desto besser ist die Bewertungszahl, die bestimmt, in welcher Reihenfolge Bausparverträge zugeteilt werden. Sparraten und Bausparsumme müssten deshalb aufeinander abgestimmt sein, raten die Warentester. Deshalb gebe es auch keinen "Bauspartarif, der für jeden Sparer optimal ist".

Für wen lohnt sich Bausparen?

"Das ist etwas für Sicherheitsfanatiker, die sich für eine Phase mit steigenden Zinsen absichern wollen", sagt der Immobilienexperte Werner Siepe. Die Zinsen in der Sparphase seien derzeit so niedrig, dass diese von den Abschluss- und Jahresgebühren der Bausparkassen wieder weggefressen werden. Die Verzinsung liege dann "unter Strich bei Null oder sogar darunter". Dieser Nachteil ließe sich nur ausgleichen, wenn die Zinsen für Baukredite so wie früher einmal auf mindestens drei, vier Prozent oder noch höher steigen. "So gesehen ist ein Bausparvertrag nichts anderes als eine Spekulation auf steigende Zinsen", sagt Siepe. Verbraucherschützer Scobel kennt dieses Argument, hält aber nichts davon, auf steigende Zinsen zu setzen: "Ich höre seit Jahren, dass sie wieder zulegen werden. Nur ist das bislang nicht geschehen. Es kann doch keiner wissen, was passieren wird."

Mein Haus, mein Garten, meine Mauer: Viele Menschen träumen von eigenen vier Wänden und setzen bei der Finanzierung auf einen Bausparvertrag. Doch der muss auch wirklich passen.

(Foto: mauritius images)

Wie kann ein Bausparvertrag bei einer Modernisierung helfen?

Eine moderne Küche, neue Fenster, neue Dachziegel oder eine neue Heizung - es gibt viele Gründe, warum Immobilienbesitzer Jahre nach dem Hauskauf Geld brauchen können. Nötig sind in solchen Fällen aber meist nicht mehr sechsstellige Summen, sondern kleinere Beträge von vielleicht 20 000, 30 000 oder 40 000 Euro. Dann kann es passieren, dass die Banken nein zu einem Hypothekenkredit sagen, weil es sich für sie nicht lohnt, und womöglich auf ihre viel teureren Ratenkredite verweisen. "In solchen Fällen kann ein Bausparvertrag eine Finanzierungsreserve für eine Modernisierung sein", sagt Scobel.

Wann kommt Bausparen noch in frage?

Viele Hausbauer holen sich einen zinsgünstigen Kredit der staatlichen KfW-Bank für energieeffizientes Bauen und Modernisieren. Die Zinsbindung läuft bei diesen Förderkrediten aber nur bis maximal zehn Jahre. Oft ist der Kredit dann noch nicht abbezahlt. Wer mit dem Baukredit auch einen passenden Bausparvertrag abgeschlossen hat, kann die Restschuld mit einem Bauspardarlehen auf einen Schlag tilgen. Vorteil: Man sichert sich so einen festen Zinssatz für die Zeit nach Ablauf des KfW-Kredits. Fällig sind dann nur noch die Zinsen für das Bauspardarlehen, die schon jetzt feststehen. Doch auch hier gilt für die Stiftung Warentest der Grundsatz: "Lohnend wird die Bausparkombination erst bei steigenden Zinsen für Immobilienkredite."

Welche Anbieter schneiden gut ab?

Bei ihrer Untersuchung geht die Stiftung Warentest von vier Testfällen aus. In drei von vier Fällen gibt zwei klare Testsieger: BHW und Deutsche Bank Bausparkasse, die zum selben Konzern gehören und weitgehend den gleichen Tarif anbieten (WohnBausparen Plus FX2). Nur im vierten Testfall (Modernisierung in sechs Jahren, Kapitalbedarf 30 000 Euro, Soforteinzahlung 3000 Euro) liegt Schwäbisch Hall mit ihrem neuen Tarif Fuchs 04 an der Spitze, vor der Alten Leipziger und der LBS Nord.

Wann gibt es Prämien vom Staat?

Wer mindestens 16 Jahre alt ist, kann einmal im Jahr die Wohnungsbauprämie beantragen. Auf eine maximale jährliche Sparleistung von 512 Euro kann der Bausparer bis zu 45,06 Euro Zuschuss bekommen, bei Ehepaaren sind es bei einer Sparleistung von 1024 Euro gut 90 Euro. Geld vom Staat gibt es aber nur bei einem zu versteuerenden Jahreseinkommen von höchstens 25 800 (Ehepaare: 51 200) Euro. Außerdem ist das Geld aus dem Bausparvertrag auch wirklich für den Bau, Kauf oder die Modernisierung einer Immobilie einzusetzen. Nur unter 25-Jährige dürfen ihr Guthaben nach sieben Jahren für andere Dinge als die eigene Immobilie ausgeben.