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Finanzkrise:Verlust für HSH-Abwickler

Hamburg und Schleswig-Holstein haben faule Kredite der HSH-Nordbank im Nominalwert von 4,1 Milliarden Euro übernommen. Die Abwicklung der Kredite wird Jahre dauern - und vielleicht teuer für den Steuerzahler.

Die HSH Nordbank will nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt dem Unternehmen des Reeders Heinrich Schoeller etwa 800 Millionen Dollar Schulden erlassen. Die genauen Konditionen würden noch verhandelt, heißt es in dem Bericht. Die betroffenen Unternehmen und die Hamburger Finanzbehörde äußerten sich nicht dazu. Das Unternehmen Schoeller Holdings in Limassol auf Zypern hatte zeitweise bis zu 1,5 Milliarden Euro von der HSH Nordbank geliehen. Die Kredite stammen aus den Jahren 2005 bis 2008, also der Zeit unmittelbar vor Beginn der Schifffahrtskrise, als die Bank einen stark expansiven Kurs steuerte. Die Bank steht gegenwärtig im Verkaufsprozess und bemüht sich, problematische alte Schiffskredite zu bereinigen. Dafür hat sie in den vergangenen Jahren fünf Milliarden Euro Risikovorsorge gebildet. In dieser Situation sind Schuldennachlässe zu erwarten, soweit sie der Bank Vorteile bringen. Das aktuelle Jahresergebnis würde durch eine solche Maßnahme nicht belastet. Im vergangenen Jahr war ein Schuldenschnitt für den Hamburger Reeder Bernd Kortüm von 547 Millionen Euro bekannt geworden.

Die Abwicklungsgesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein für einen Teil der faulen Kredite der HSH Nordbank hat in ihrem ersten Geschäftsjahr einen Verlust von 505 Millionen Euro verbucht. Das geht aus dem am Donnerstag in Kiel veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2016 hervor. Der Verlust sei vor allem eine Folge zusätzlicher Risikovorsorge für die übernommenen Kredite von 470 Millionen Euro sowie einmaliger Kosten für die Gründung und den Aufbau der HSH Portfoliomanagement AöR. Die Anstalt hatte im Auftrag der Länder am 1. Juli 2016 im Zuge des anstehenden Verkaufs der HSH Nordbank schlechte Kredite der Bank im Nominalwert von 4,1 Milliarden Euro übernommen und dafür 2,4 Milliarden Euro bezahlt. Als Sicherheit dienten 253 Schiffe, davon sind zwei Drittel Containerschiffe. Der Auftrag der Länder an die neue Gesellschaft lautete, diese Kredite möglichst mit Gewinn zu verwerten und abzuwickeln. Zum Jahresende hatte die Abwicklungsgesellschaft Forderungen von 4,48 Milliarden Euro gegen ehemalige Kreditnehmer der HSH Nordbank in ihrer Bilanz. Das war mehr als zu Beginn, das lag an den Währungskursen. Der Dollar war 2016 stark, damit stiegen die Forderungen in Euro.

Zum anderen wurden nicht alle fälligen Zinsen von den Reedern bezahlt und erhöhten so die Kreditsumme. Die Forderungen stehen mit einem Buchwert von 2,04 Milliarden Euro in der Bilanz und waren mit 251 Schiffen besichert. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurde der Bestand um weitere acht Schiffe verringert. "Mit den bisherigen Erlösen aus dem Abbau der notleidenden Forderungen sind wir in Summe zufrieden", sagte Geschäftsführerin Ulrike Helfer.

© SZ vom 11.08.2017 / dpa

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