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Finalist:Mehr Antrieb mit weniger Spannung

Von Katharina Kutsche

Ein Start-up aus der Bundeswehr? Ja, das gibt es: Volabo, gegründet 2016 in Ottobrunn, entstand ursprünglich an der Universität der Bundeswehr in München-Neubiberg. Dort trafen sich die Gründer Adrian Patzak, Florian Bachheibl und Dieter Gerling am Lehrstuhl für Elektrische Antriebstechnik und Aktorik, den Gerling innehat. Das Team entwickelte einen Elektromotor, der im Niedervoltbereich läuft: Konventionelle Elektromotoren benötigen eine Spannung von 400 Volt, der Volabo-Variante reichen 48 Volt. Dafür ersetzten die Gründer die Kupferspulen herkömmlicher Motoren durch Aluminium-Stäbe mit Kurzschlussringen. Die neue Technologie nennen sie Intelligent Stator Cage Drive, kurz ISCAD.

Das sei günstiger in der Herstellung, so die Entwickler, und es helfe der Umwelt in mehrerlei Hinsicht: Zum einen kann der Volabo-Motor bis zu 30 Prozent Energie gegenüber anderen Elektro-Antrieben einsparen oder diese für eine größere Reichweite einsetzen. Zum anderen werden für die Produktion weder Kupfer noch seltene Erden benötigt. Dazu kommt, dass die niedrige Spannung nicht besonders gesichert werden muss. Autofahrer oder Pannenhelfer müssen nach einem Unfall nicht fürchten, "einen gewischt" zu bekommen. Auch Werkstätten haben es so bei Wartung und Reparatur leichter. Bisher hat Volabo - lateinisch für "Ich werde fliegen" - zwölf Mitarbeiter und setzt 1,5 Millionen Euro um. Startete das Unternehmen im Gründungsjahr noch mit Verlust, rechnet das Start-up im laufenden Jahr mit einem ersten Gewinn. Finanziert wurde Volabo durch Kundenprojekte. Die drei Gründer planen übrigens auf lange Sicht: Für den Gipfelstürmer-Wettbewerb bewarben sie sich mit einem fiktiven Rückblick zum 20-jährigen Firmenjubiläum, Datum: 29.07.2036. Dann, so der Traum, soll die ISCAD-Technologie auch den Hyperloop antreiben.

© SZ vom 15.11.2017
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