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Eon:Alles aufs Netz

E.ON Zentrale

Dank planbarer Gewinne im Netzgeschäft: Eon ist bislang gut durch die Corona-Krise gekommen, doch Anleger vermissen Wachstumsfantasie.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Mehrere Rivalen wollen den Milliardentausch von Eon mit RWE stoppen. Eon gibt sich jedoch gelassen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Der große Aufreger kam diesmal einen Tag im Voraus. Pünktlich vor der Hauptversammlung von Eon kündigten elf regionale Energieversorger eine Klage vor dem Gericht der Europäischen Union an. Sie wollen jenen milliardenschweren Tausch verhindern, den Eon und RWE gerade vollziehen: Eon verleibt sich das Netz- und Vertriebsgeschäft der einstigen RWE-Tochter Innogy ein; im Gegenzug übernimmt RWE die Ökostromkraftwerke beider Firmen. Die Kläger fürchten Nachteile für Wettbewerb und Verbraucher. Bekämen sie Recht, müssten die beiden größten Energiekonzerne Deutschlands ihren Coup schlimmstenfalls rückabwickeln.

Doch Johannes Teyssen gibt sich gelassen, als er am Donnerstag per Internetübertragung vor seine Aktionäre tritt. "Wir messen diesen Klagen, wenn überhaupt, äußerst geringe Erfolgsaussichten zu", sagt der Eon-Chef. All die Argumente der Konkurrenten seien ja gehört worden, als die Kartellbehörden das Tauschgeschäft geprüft und unter Auflagen genehmigt haben, argumentiert man auf den Konzernfluren. Den Zeitplan für die Integration von Innogy würden die Klagen jedenfalls nicht aufhalten, sagt Teyssen. Bis Jahresende soll die Fusion abgeschlossen sein.

Eon wird damit zum reinen Netz- und Vertriebskonzern mit etwa 50 Millionen Strom- und Gaskunden in Europa. Große Kraftwerke werden die Essener nicht mehr betreiben, wenn 2022 die letzten Atommeiler hierzulande vom Netz gehen sollen. Das Netzgeschäft verspricht Anlegern hingegen recht planbare Gewinne.

"Eon wird immer mehr zum Dividendentitel", sagt Winfried Mathes. Der Vertreter der Sparkassenfondsgesellschaft Deka warnt freilich anlässlich der Hauptversammlung, dass die Verschuldung von Eon mit der Übernahme "schwindelnde Höhen erreicht" habe. Sein Kollege Thomas Deser von der genossenschaftlichen Union Investment vermisst nach eigenem Bekunden "die Wachstumsfantasie im Geschäftsmodell der neuen Eon".

Dementsprechend dümpelte der Aktienkurs des Konzerns in den vergangenen drei Jahren zwischen acht und zehn Euro, am Donnerstag verteuerte sich der Anteilsschein zeitweise auf 10,16 Euro. Immerhin ist Eon bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Aktie notiert seit Jahresbeginn leicht im Plus, während im gesamten hiesigen Leitindex Dax die negativen Folgen der Corona-Pandemie überwiegen.

Anders als viele andere Firmen hat Eon die Gewinnprognose für dieses Jahr bislang nicht aufgeben - wenngleich die Essener ihr Ziel nur mit Vorsicht bestätigen. Ein Grund: Der Stromverbrauch liege in der Corona-Krise noch immer zehn Prozent unter dem sonst üblichen Niveau, so Teyssen. Der Absatz werde sich erst mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage erholen.

© SZ vom 29.05.2020
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