EADS-Chairman Grube:"Export machen wir nicht mit Bratpfannen"

Lesezeit: 9 min

Mit Hightech aus der Finanzkrise: Der EADS-Verwaltungsratchef Rüdiger Grube macht sich für Investitionen stark.

H.-J. Jakobs, J. Käppner

Flugzeuge sind seit frühester Jugend sein Hobby: Nach der Schule machte Rüdiger Grube in Hamburg eine Lehre als Metallflugzeugbauer. Heute ist der promovierte Diplom-Ingenieur viele Tage als Chairman des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS unterwegs. Grube, 57, ist in der Hauptsache Vorstand für Konzernentwicklung beim EADS-Gesellschafter Daimler in Stuttgart. Besonders aber blüht der Manager auf, wenn er bei Testflügen des Airbus A380 dabei ist.

EADS-Verwaltungsrat-Chef Rüdiger Grube, Foto: AFP

Sieht den Standort Ottobrunn gestärkt: Der Verwaltungsratschef des Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS, Rüdiger Grube.

(Foto: Foto: AP)

SZ: Herr Grube, derzeit schiebt die Bundesregierung im Kampf gegen die Wirtschaftskrise riesige Konjunkturprogramme an. Von der Luft- und Raumfahrtindustrie ist da selten die Rede. Was kann sie beim Kampf um Arbeitsplätze bewirken?

Rüdiger Grube: Bei all den Programmen, die jetzt initiiert werden, sollte man sich sehr genau überlegen, was gefördert wird. Deutschland muss sich auf die Zeit nach der Krise vorbreiten. Wir sind als Exportland erfolgreich - und Export machen wir nicht mit Bratpfannen und Fahrrädern, sondern mit anspruchsvollen Produkten und Höchsttechnologie. 60 Prozent entfallen darauf. Wir sollten daher die Krise nutzen und die zusätzlichen Mittel in neue Technologien investieren ...

SZ: ... Sie meinen beispielsweise in Flugzeuge, Hubschrauber und Satelliten Ihres Konzerns EADS.

Grube: Natürlich nicht nur. Aber manchmal glaube ich, die Deutschen nehmen gar nicht so richtig wahr, über welche hervorragenden Hightech-Produkte wir verfügen. Der Erfolg unseres Unternehmens drückt sich unter anderem in der Steigerung des Jahresumsatzes aus. Er hat sich seit Gründung der EADS im Jahr 2000 von 24,2 Milliarden Euro zu Beginn auf 43,3 Milliarden Euro fast verdoppelt. Welcher Konzern hat dies in acht Jahren realisiert? Ende der achtziger Jahre bauten wir 30 bis 60 Airbus-Flugzeuge pro Jahr, heute liefert Airbus jeden Monat mehr als 40 Flugzeuge aus. Konkret waren das 483 Flugzeuge im ganzen Jahr 2008.

SZ: Womöglich steht die EADS als europäisches Unternehmen nicht recht in Deutschland im Blickpunkt. Es hat deutsche, französische und spanische Gesellschafter - und ist aus politischen Gründen auf viele Standorte über den Kontinent verteilt.

Grube: Luft- und Raumfahrt ist kein regionales und auch kein nationales Geschäft mehr, sondern im Rahmen der EADS ein europäisches Unternehmen. Und mehr als das: Wir brauchen einen globalen Auftritt, dürfen aber unsere nationalen Wurzeln und Identitäten darüber nicht vergessen. So sitzen zum Beispiel die EADS-Vorstände für Finanzen/Controlling und Technologie in Ottobrunn vor den Toren Münchens. Der EADS-Vorstand für Verteidigung und Sicherheit sitzt in München-Unterschleißheim, und nicht zuletzt sitze ich auch als Chairman der EADS in Ottobrunn.

SZ: Vor genau 50 Jahren gab Ludwig Bölkow sein Stuttgarter Ingenieurbüro auf und wechselte nach Ottobrunn. Später wurde der CSU-Politiker Franz Josef Strauß zum größten Förderer der Luft- und Raumfahrtindustrie. Bedeutet Ihnen das mehr als Nostalgie?

Grube: Die beiden waren Visionäre, der eine als Ingenieur, der andere als Politiker. Beide glaubten an den Erfolg einer europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie. In Ottobrunn sind unter Bölkow viele große Dinge entstanden wie der Hubschrauber Bo 105, die Magnetschwebebahn oder der Airbag, aber auch soziale Pionierleistungen wie Betriebsrente, die gleitende Arbeitszeit oder das Casinosystem in der Kantine. Wir werden zum 50. Geburtstag des Standorts Ottobrunn im Sommer ein Signal setzen, wie wichtig uns der Standort Bayern ist. Von unseren insgesamt 118.000 Mitarbeitern arbeiten immerhin zwölf Prozent in diesem Bundesland, 2200 allein in Ottobrunn.

SZ: Also gehen in dieser Industrie in Bayern die Uhren noch immer anders?

Grube: Kein Bundesland ist in der Luft- und Raumfahrt so aufgestellt wie Bayern. Das ist ein starkes Cluster.

SZ: Was macht die Stärke Bayerns in der EADS aus?

Grube: Die Kompetenzvielfalt. Hier spiegelt sich die gesamte EADS: Airbus, Hubschrauber, Verteidigung und Raumfahrttechnologie - alle Divisionen des Konzerns sind vertreten. Die Ingenieure in Ottobrunn forschen und entwickeln für EADS, und hier sitzt mit der Firma Astrium, einem 100-Prozent-Tochterunternehmen der EADS auch der Weltmarktführer für Telekommunikationssatelliten sowie das Kompetenzzentrum für Raketenantriebe.

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