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E-Bikes:Ganz schön kompliziert

E-Bike oder Pedelec: So unterscheiden sich Elektrofahrräder

E-Bike, Pedelec oder S-Pedelec: Je nach Fahrzeug gelten andere Vorschriften.

(Foto: dpa)

Radfahren wird immer beliebter, vor allem, seit es Räder mit elektrischem Hilfsantrieb gibt. Aber wer sich so fortbewegt, braucht die passende Versicherung - doch welche Police ist die richtige?

Von Kaja Adchayan, Köln

Monatelang blieben Sportstudios, Schwimmbäder und Tanzstudios wegen der Pandemie geschlossen. Wer gewohnt war, dort für seine Fitness zu sorgen, wich gern auf das Fahrrad aus - und immer öfter auch auf das E-Bike, das sind die Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb. Ihre Zahl steigt auch 2020 rasant an.

Conny und Wolfgang Pietsch aus Ludwigshafen haben sich schon vor drei Jahren entschieden, in sogenannte Pedelecs zu investieren. Die beiden Frührentner aus Ludwigshafen hatten bis dahin überhaupt keine Fahrräder. Ihre fahrradbegeisterten Freunde überzeugten sie. "Wir haben gesehen, wie sie mit ihren Rädern lange Reisen unternommen haben, die sich über mehrere Tage und Etappen erstreckt hatten", erklärt die 61-Jährige Conny. Das faszinierte die beiden, und so beschlossen sie, in zwei Trekking-Pedelecs zu investieren - zu einem stolzen Preis: 8 000 Euro für das Herren-Bike, 5 000 Euro für das Damen-Bike.

E-Bikes sind ein Wachstumsmarkt. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hatte 2013 erst 1,6 Millionen Stück gezählt. Für 2019 schätzt der ZIV den Bestand auf 5,4 Millionen, Tendenz stark steigend. Insgesamt gab es in Deutschland etwa 75,9 Millionen Fahrräder und E-Bikes.

Wer 13 000 Euro für zwei Elektrofahrräder zahlt, denkt über eine Versicherung nach. Die Gesellschaften unterscheiden zwischen drei Typen: Pedelecs, S-Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs besitzen einen Elektromotor, der erst anspringt, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Der Motor unterstützt den Fahrer bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km/h und schaltet sich dann ab. Da Pedelecs rechtlich als Fahrräder gelten, ist zumindest keine separate Haftpflichtversicherung erforderlich.

Kleinkrafträder müssen extra gegen Diebstahl abgesichert werden

S-Pedelecs funktionieren wie normale Pedelecs, mit dem Unterschied, dass der Motor eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h unterstützt. Deswegen zählen S-Pedelecs auch zu den Kleinkrafträdern und dürfen nicht auf Radwegen fahren. Für sie sind der Mofaführerschein, ein Versicherungskennzeichen und damit der Haftpflichtschutz vorgeschrieben. Die private Haftpflicht zahlt bei Unfällen nicht.

Beim eigentlichen E-Bike wird kein Pedaldruck benötigt, um den Elektromotor zuzuschalten. Er lässt sich per Drehgriff oder Schaltknopf am Lenker aktivieren. Erreichen E-Bikes eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h, gelten sie als Leichtmofas, bis zu 25 km/h als Mofas und bis zu 45 km/h als Kleinkrafträder. In allen Fällen gilt, dass eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen erforderlich sind, damit ist auch die Haftpflichtversicherung nötig. Der Haftpflichtschutz für E-Bikes und S-Pedelecs deckt Personen-, Sach- und Vermögensschäden bei Dritten.

Conny und Wolfgang müssen ihre Pedelecs nicht haftpflichtversichern. Doch sie wollten die teuren Räder gegen Diebstahl schützen. "Wir hatten die Wahl zwischen einer separaten Fahrradversicherung und der Erweiterung unserer Hausratversicherung", erklärt der 65-Jährige. Sie entschieden sich für den angepassten Hausratschutz. 150 Euro wären pro Fahrrad und Jahr bei einer Fahrradversicherung fällig gewesen, 50 Euro jährlich für beide Räder in der Hausratversicherung.

Soll wie hier das Rad nur gegen Diebstahl versichert werden, reicht meistens tatsächlich die Hausratversicherung. Deshalb rät die Verbraucherzentrale, zunächst beim bestehenden Hausratversicherer zu erfragen, ob sich die Police um eine Fahrradklausel erweitern lässt, damit das Rad nicht nur bei Einbruch in einem verschlossenen Raum versichert ist, sondern auch unterwegs bei einfachem Diebstahl. Wichtig ist, dass das Rad abgeschlossen ist.

Der Fahrradbaustein in der Hausratversicherung schließt alle im Haushalt befindlichen Räder mit ein. Deshalb sollte überprüft werden, ob die gewählte Versicherungssumme ihren Kaufpreis deckt.

Beim Online-Abschluss lassen sich bei der Axa Fahrräder bis maximal 2000 Euro versichern, bei der Ergo sind es 3000 Euro, Cosmos Direkt und HUK-Coburg sichern bis zu 10 000 Euro ab und die Allianz sogar bis 15 000 Euro. Die Radfahrer sollten auch die Bedingungen kennen: In vielen älteren Verträgen findet sich die Nachtklausel, bei der Diebstähle von 22 Uhr bis 6 Uhr nicht versichert sind. Außerdem verlangen einige Anbieter einen Selbstbehalt beim Diebstahl. "Die Bedingungen haben sich jedoch in den vergangenen Jahren deutlich verbessert", erklärt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

E-Bikes und S-Pedelecs, die als versicherungspflichtige Kleinkrafträder gelten, lassen sich anders als Pedelecs nicht wie ein Fahrrad über die Hausratversicherung absichern. Hier muss auch der Schutz gegen Diebstahl separat abgeschlossen werden.

Das empfiehlt sich nicht nur für E-Bikes, sondern auch für teure Fahrräder. Anbieter von diesen speziellen Policen sind beispielsweise Ammerländer, Arag, Hepster, Blanket, Krist und Enra. Der Basisschutz beinhaltet bei ihnen meist die Absicherung gegen Diebstahl. Eine Deckung gegen Schäden durch Unfälle, Stürze oder Vandalismus lässt sich optional dazu wählen. Einige bieten einen Schutzbrief an.

Conny und Wolfgang Pietsch hatten in den drei Jahren noch keinen Versicherungsschaden. Nur der eine oder andere milde Sturz war zu verzeichnen, ohne Verletzungen. Sollte es die geben, zahlen die private Unfallversicherung und die Krankenversicherung. Schädigen sie mit den Pedelecs einen Dritten, kommt ihre private Haftpflichtversicherung dafür auf. Sie haben geprüft, dass die Police Fahrrad- und Pedelec-Unfälle nicht ausschließt.

© SZ vom 15.06.2020
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