Frankreich:Für Luxus

1000 Euro

In Italien gilt die Grenze schon seit langem, um Steuerhinterziehern das Handwerk zu erschweren. Künftig dürfen auch Franzosen Rechnungen nur noch bar begleichen, wenn sie 1000 Euro oder weniger umfassen. Bisher sind in Frankreich Cash-Zahlungen bis 3000 Euro erlaubt.

Das Land deckelt Barkäufe, aber für Luxus gibt es Ausnahmen. Normalerweise greifen Franzosen an der Kasse zur Kreditkarte: Frankreich sei "Europameister in Sachen Bankkarte" teilt das Geldhaus Crédit Agricole freudig mit.

Von Leo Klimm, Paris

Das Kassendisplay zeigt 4,79 Euro. Dann sagt der Kunde zur Kassiererin jenen unvermeidlichen Satz: "Ich zahle mit Karte!" Bis das endlich abgeschlossen ist - die Bankkarte aus dem Portemonnaie genestelt ist, das elektronische Terminal die Verbindung zum Rechenzentrum aufgebaut hat, der PIN-Code eingegeben und der Kassenzettel gedruckt ist - vergehen lange Sekunden. Die Warteschlange wird immer länger. Wer in Frankreich an einer Supermarktkasse steht, braucht Geduld. Selbst kleine Beträge werden mit Karte beglichen. Oder, noch schlimmer, per Scheck.

Dieses Zahlungsmittel ist in Frankreich nicht totzukriegen, obwohl die Franzosen durchschnittlich 42,50 Euro Cash bei sich tragen. Bares macht weniger als fünf Prozent aller Zahlungsvorgänge im Land aus. Die Franzosen sind "Europameister in Sachen Bankkarte", teilt das Geldhaus Crédit Agricole freudig mit. Und Frankreichs Regierung tut alles, damit Cash weiter an Bedeutung verliert. Von September an werden Barzahlungen auf 1000 Euro begrenzt. Personen mit Wohnsitz außerhalb Frankreichs dürfen mit 10 000 Euro deutlich mehr mit Scheinen und Münzen begleichen. Das ist ein Zugeständnis an die französische Luxusindustrie, in deren Boutiquen chinesische Touristen gern mal ein paar Bargeldbündel auf den Tresen legen. Ebenfalls neu: Von 2016 an wird jede Aus- und Einzahlung auf ein Konto in Höhe von mehr als 10 000 Euro automatisch der Finanzpolizei gemeldet.

Finanzminister Michel Sapin begründet das alles mit dem Kampf gegen den Terrorismus, der seit der Pariser Anschlagsserie vom Jahresbeginn oft als politisches Argument bemüht wird. Experten zufolge dürfte der Feldzug des Finanzministers aber eher Steuerhinterzieher, Schwarzarbeiter und Geldwäscher schrecken als internationale Terrornetze. Nur vereinzelt erhebt sich Kritik daran, dass Bargeld mit schmutzigem Geld gleichgesetzt wird. Sozialverbände kritisieren, dass die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen ohne Konto verschärft wird, nicht zuletzt die der Allerärmsten: der Bettler.

Selbst beim Staat dürfen Bürger in Frankreich jetzt nur noch kleine Beträge cash begleichen. Die Höchstgrenze für die Barzahlung von Steuern wurde von 3000 auf 300 Euro heruntergesetzt. Nur: So niedrig fällt ein französischer Steuerbescheid selten aus.

© SZ vom 19.05.2015
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