Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich Innovativ, aber unflexibel

Deutschland steigt im Ranking der wettbewerbsfähigsten Staaten weiter auf: Die Experten des Weltwirtschaftsforums sehen die Bundesrepublik im internationalen Vergleich auf Rang vier. Besorgniserregend ist die große Kluft innerhalb der EU.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland schneidet im internationalen Vergleich sehr gut ab: Im Ranking der wettbewerbsfähigsten Staaten des Weltwirtschaftsforums (WEF) nimmt die Bundesrepublik den vierten Platz ein. Damit hat sich Deutschland im Vergleich zum Wettbewerbsindex des vergangenen Jahres um zwei Plätze verbessert. Die WEF-Experten lobten die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen, die Flexibilität der Wirtschaft und die ausgezeichnete Infrastruktur.

Probleme habe Deutschland hingegen durch einen vergleichsweise unflexiblen Arbeitsmarkt. "Die mangelnde Flexibilität in der Lohnpolitik und die hohen Kosten für den Arbeitsplatzabbau behindern die Schaffung neuer Jobs, besonders während konjunktureller Abschwungphasen", so der WEF. 112 Ländern wird ein flexiblerer Arbeitsmarkt bescheinigt als Deutschland. Auch das Bildungssystem wird nicht so gut bewertet. Hier belegt die Bundesrepublik den 23. Rang.

Als das konkurrenzfähigste Land der Welt weist die WEF-Studie - bereits zum fünften Mal hintereinander - die Schweiz aus, gefolgt von Singapur. Finnland verteidigte Rang drei und erwies sich damit wie im Vorjahr noch vor Deutschland als die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Euro-Zone.

USA erholen sich

Die Wirtschaft der USA gehört laut WEF nach einem vierjährigen Abwärtstrend wieder zu den effektivsten der Welt und ist führend bei der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen. Im Wettbewerbsindex verbesserten sich die USA im Vergleich zu 2012 um zwei Plätze auf Rang fünf.

"Die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, Wohlstand zu generieren, ist immer stärker von Innovation abhängig", erklärte WEF-Chef Klaus Schwab. Im globalen Wettbewerb werde man in absehbarer Zeit "nicht mehr zwischen Industriestaaten und weniger entwickelten Ländern unterscheiden, sondern stattdessen von innovationsreichen und innovationsarmen Ländern sprechen".

Grund zur Sorge bietet nach Ansicht der WEF-Experten das erneut schlechte Abschneiden einiger südeuropäischer Länder - darunter Portugal auf dem 51. und Griechenland als EU-Schlusslicht auf dem 91. Platz von insgesamt 148 untersuchten Ländern. In der Europäischen Union besteht damit immer noch eine große Kluft zwischen wettbewerbsstarken Ländern - zur Spitzengruppe gehören auch Schweden (Rang sechs), die Niederlande (acht) und Großbritannien (zehn) - und schwachen Volkswirtschaften, die auf den Weltmärkten nur geringe Chancen haben.

China erfolgreichster BRICS-Staat

Japan kletterte vom zehnten auf den neunten Platz. China hielt sich im WEF-Index auf Rang 29 und schnitt damit wieder deutlich besser ab als die anderen BRICS-Staaten - benannt nach den Anfangsbuchstaben der Länder in dieser Gruppe. Unter diesen büßte Brasilien acht Ränge ein und kam auf Platz 56. Russland konnte um drei Plätze auf Rang 64 vorrücken. Indien kam auf Platz 60, Südafrika auf Platz 53 - jeweils eine leichte Verschlechterung um einen Rang.

Das Länder-Ranking erfolgte nach zwölf einheitlichen Kriterien - darunter die Innovationsfähigkeit der Unternehmen, die staatlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, der Zustand der Finanzmärkte, die Infrastruktur und das Bildungswesen. Die für die Studie erforderlichen Daten wurden von 160 wirtschaftswissenschaftlichen Instituten und Statistikbehörden zusammengetragen.