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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich.... Heinrich Gropper?

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer eigentlich ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Diesmal: ein Gespräch mit Heinrich Gropper, Chef der familiengeführten Molkerei, über den Preisdruck im Einzelhandel, EU-Subventionen - und Zucker.

SZ: Was machen Sie eigentlich?

Heinrich Gropper: Milchfrischprodukte, vor allem für deutsche Händler in Form von Private Label.

Das heißt, auf Joghurt, Milch und Käse steht gar nicht Ihr Name, sondern die von den Händlern erfundenen Namen. Was steht denn auf den Packungen drauf, in denen Gropper drinsteckt?

Zum Beispiel Milbona, Milfina, King Frais, Desira. 95 Prozent unserer Erlöse machen wie mit solchen Handelsmarken. Aber an der Betriebsnummer BY77723 kann jeder Verbraucher erkennen, was von uns kommt.

Wen genau beliefern Sie?

Händler wie Lidl, Aldi, Edeka, Rewe, Netto, Tengelmann, eigentlich fast alle.

Wie hoch ist der Anteil der Discounter?

Wir machen gut 80 Prozent der Erlöse mit sechs Händlern. Da spiegelt sich auch ein Stück weit die Struktur des deutschen Lebensmittelhandels wider. Die größten Abnehmer sind sicher Lidl und Aldi.

2012 haben sich Aldi Süd und Oetker monatelang vor Gericht um einen Pudding gestritten. Oetker war der Meinung, dass der Pudding Flecki Geschmacksmuster und Herstellungsverfahren seines Produktes Paula kopiert. Warum hat Oetker nicht Sie, den Hersteller des Produkts, verklagt, sondern Aldi Süd?

Ich bin kein Jurist. Ich nehme an, weil Aldi Süd der Inverkehrbringer der Marke Flecki ist. Aber das Risiko lag bei mir. Wenn Aldi den Prozess verloren hätte, hätte uns der Schaden mit aller Wucht getroffen. Wir hätten die Anwälte zahlen müssen und der Umsatzausfall, weil wir Flecki nicht mehr herstellen hätten, dürfen wäre beträchtlich gewesen. Aber wir haben gewonnen.

Haben Sie in dieser Zeit noch gut geschlafen?

Grundsätzlich ja, technikseitig waren wir uns sehr sicher, dass wir gewinnen. Geschmacksmusterrechtlich blieb natürlich ein Fragezeichen.

Wie viel Druck machen Ihnen die Discounter oder ist das nur ein Märchen, dass die ihre Lieferanten ausquetschen?

Natürlich gibt es Druck. Wir haben es mit gesättigten Märkten zu tun. Ich möchte den Handel nicht in Schutz nehmen, es gibt Verhaltensweisen die grenzwertig sind. Die können einem an die Nieren gehen. Wir haben einige Produkte, die zu katastrophalen Deckungsbeiträgen produziert werden und gerade einmal die variablen Kosten decken. Fünf Händler machen 80 Prozent des Marktes, da ist schon eine unheimliche Nachfragemacht. Aber es wäre zu einfach, den Schwarzen Peter nur dem Handel zuzuschieben. So ist es nicht.

Sondern?

70 Prozent unserer Kalkulation entfallen auf den Rohstoff Milch. In den vergangenen Jahren habe ich Preisschwankungen zwischen 25 und 41 Cent pro Liter Milch erlebt. Das sind 16 Cent. Wir verarbeiten jährlich 250 Millionen Kilogramm Milch, wir reden von 40 Millionen Euro Kosten mehr oder weniger. Die Preise für Milch sind sehr volatil, weil wir auf einem globalen Markt unterwegs sind. Das sind gewaltige Rohstoffmengen. Ein Konflikt wie auf der Krim kann sich ganz schnell auswirken.

Die Firma

Molkerei Gropper GmbH & Co. KG

  • Sitz: Bissingen
  • Gegründet: 1929 durch Heinrich Gropper, Großvater des heutigen Eigentümers in Berg bei Donauwörth
  • Umsatz: 360 Millionen Euro (2013)
  • Beschäftigte: 560
  • Branche: Molkerei

Wie denn?

Wenn es morgen Sanktionen gibt, dass die Russen von den Deutschen keinen Käse mehr kaufen dürfen oder der Rubel so fällt, dass die Russen keinen Käse mehr kaufen können, dann haben wir gewaltige Rohstoffmengen zu viel. Der Rohstoff Milch lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen abbestellen, die Kühe müssen weiter gemolken werden.

Wie reagieren Sie in solchen Fällen?

Es geht dann nur noch um Schadensbegrenzung, das heißt, es gilt Preisabsenkungen möglichst im Rahmen zu halten.

Was können Sie konkret tun?

Wir als Gropper können nur auf unsere Position als Veredler hinweisen und versuchen das Preispendel möglichst in der Mitte zu halten. Die Branche kann die Überschussmilch an Spotmärkten verkaufen oder als Butter oder Sprühmagermilchpulver in die EU-Intervention geben ....

...heißt der Staat kauft den Molkereien die Produkte zum festen Preis ab...

Ja, jedoch sinkt dieser Preis im Zweifelsfall erheblich. Deshalb kostet ein Stück Butter mal 69 Cent und mal 1,29 Euro. Das kapiert kein Verbraucher. Der sieht nur, dass Aldi die Preise senkt. Derzeit sind die Milchpreise hoch, weil die Exportmärkte wie Russland und China gut laufen.

Bedienen Sie die auch?

Nein. Unser Exportanteil liegt bei circa 30 Prozent. Wie beliefern alle EU-Länder.