bedeckt München 23°
vgwortpixel

Deutsche-Bank-Whistleblower:Deutsche-Bank-Mitarbeiter verzichtet auf acht Millionen

Er deckt Missstände bei seinem Arbeitgeber auf. Die Belohnung dafür will er aber nicht.

Man hat ja schon einiges erlebt bei Bankern. Aber dass jemand einen Millionenbetrag ablehnt? Der frühere Deutsche Bank-Angestellte Eric Ben-Artzi hat das getan.

2011 hatte er sich mit einem Verdacht bei der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet: Die Deutsche Bank kaschiere mit Bilanzierungstricks hohe Verluste. Tatsächlich hat die SEC das größte deutsche Geldhaus 2015 deshalb zu einer Millionenstrafe verurteilt. In den USA werden solche Kronzeugen belohnt. Ben-Artzi stand für seine Informationen etwa 15 Prozent der Strafgebühr zu. Die SEC wollte ihm die 8,25 Millionen Dollar nun geben.

Deutsche Bank in Frankfurt

Die Deutsche Bank im Spiegel: Die US-Finanzaufsicht brummte ihr eine Strafe von 55 Millionen Dollar auf. Individuelle Fehler von Mitarbeitern sah sie nicht.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

"Ich nehme meinen Anteil nicht an", schrieb der Banker einem Gastbeitrag der Financial Times am Freitag. Er sagt: Die Deutsche Bank und ihre Mitarbeiter, die derzeit scharenweise ihre Arbeitsplätze verlören, seien die Opfer. "Obwohl ich das Geld nun mehr denn je brauche, werde ich nicht die Leute plündern, zu deren Schutz ich einst angestellt wurde." Die Belohnung solle an die Deutsche Bank fließen.

Es war schon nach den ersten Wochen seiner Anstellung im Jahr 2010, da kamen dem Mathematiker einige Bilanzierungen komisch vor. Es ging um Derivate im Wert von 130 Milliarden Dollar. Diese hochkomplexen Wertpapiere sind seit jeher schwer zu bewerten.

Seltsame Einstufungen

Der Risiko-Experte Ben-Artzi meinte, die Deutsche Bank habe die Derivate 2008/2009 als zu sicher eingestuft, um Verluste zu vermeiden. Damals war die schlimmste Phase der globalen Finanzkrise. Vielen Banken drohte die Pleite. Jeder zusätzliche Verlust war gefährlich. Ben-Artzi meldete den Vorgesetzten seinen Verdacht. Doch die wollten davon nichts wissen. Dann wandte sich Ben-Artzi 2011 an die US-Finanzaufsicht SEC.

Der Fall schlug hohe Wellen. Die Beamten nahmen die Sache ernst, brummten der Deutschen Bank 2015 aber eine vergleichsweise geringe Strafe von 55 Millionen Dollar auf.

Ben-Artzi möchte jetzt ein Zeichen setzen: gegen die damaligen Top-Manager der Deutschen Bank und die Finanzaufsicht SEC, die seiner Meinung nach ein viel zu mildes Urteil gefällt hat. Top-Manager hätten die Deutsche Bank mit Millionen-Boni verlassen, die auf falschen Bilanzen beruhten. Sie seien nur unbehelligt geblieben, glaubt Ben-Artzi, weil hochrangige Juristen immer wieder von der Deutschen Bank zur SEC gewechselt seien und umgekehrt - auch während die Ermittlungen liefen. Ben-Artzi schreibt von einem "Drehtür-Effekt".

SEC-Manager Andrew Ceresney weist die Vorwürfe zurück: Die Behörde habe alle Verstöße zur Anklage gebracht, soweit sie zu beweisen gewesen seien. Die Deutsche Bank habe durch "unzureichende interne Bilanzierungs-Kontrollen" gegen die US-Gesetze verstoßen. Die SEC stellte 2015 fest, dass die Deutsche Bank den Wert ihres Derivate-Portfolios in der Finanzkrise um 1,5 Milliarden Dollar überbewertet habe. Die Aufsicht sah weder individuelle Fehler von Deutsche Bank-Mitarbeitern, noch betrügerische Absicht.

Ben-Artzi ist ein Whistleblower. So werden Mitarbeiter genannt, die einen innerbetrieblichen Missstand an die zuständigen Behörden melden oder anderweitig öffentlich machen. Die SEC hat 2011 extra ein Whistleblower-Programm beschlossen, um Menschen, auch mit Zahlung einer Belohnung, zu motivieren, ihre Wächterfunktion wahrzunehmen.

Diese mutigen Mitarbeiter sind danach allerdings häufig geächtet, selbst wenn sie der Branche einen guten Dienst erwiesen haben. Ben-Artzi sagt, der Fall habe seine Wall-Street-Karriere zerstört. Er arbeitet jetzt in einem Finanzanalysehaus, nach Jahren bei Goldman Sachs, Citigroup und zuletzt bei der Deutschen Bank. Unter einer Bedingung nehme er das Geld an, schreibt Ben-Artzi: Wenn die Aufsicht sich die Belohnung von den damaligen Verantwortlichen der Deutschen Bank hole.

Deutsche Bank "Verstaatlichung wird immer wahrscheinlicher"
Deutsche Bank

"Verstaatlichung wird immer wahrscheinlicher"

Der Deutschen Bank würden im Falle einer neuen Finanzkrise 19 Milliarden Euro fehlen, um Verluste aufzufangen, sagen Wissenschaftler des ZEW. Wenn die Finanzmärkte dann frisches Geld verweigern, müsste der Steuerzahler ran.   Von Markus Zydra