Der Angreifer Vom Greenkeeper bis zum Waxing-Studio

Die Versicherung von Gewerbetreibenden ist eine komplexe Sache. Finanzchef24 will sie automatisieren. Das Münchner Start-up will Geschäftskunden die Möglichkeit bieten, Angebote zu vergleichen.

Von Herbert Fromme, Köln

Macht der selbständige Hausmeister auch Winterdienste, Elektroinstallationen oder Arbeiten auf dem Dach? Welche Risiken hat eigentlich ein Greenkeeper? Und wie muss sich ein Waxing-Studio versichern? Die Versicherung von Handwerk und Gewerbe ist eine höchst komplexe Sache, ganz anders als Standardpolicen für das Auto oder die Privathaftpflicht.

"Wenn ein Friseur eine Betriebshaftpflicht sucht, fährt ein klassischer Makler hin und nimmt die Daten auf", erläutert Hendrik Rennert, einer der beiden Geschäftsführer des Online-Maklers Finanzchef24. "Dann gibt es vielleicht eine Ausschreibung und Rückfragen und nach zwei oder drei Wochen ein Angebot." Der Friseurmeister sei nicht Herr des Verfahrens und treffe dann möglicherweise eine suboptimale Kaufentscheidung, weil der Makler bei bestimmten Anbietern nicht angefragt hat, argumentiert Rennert.

Das Münchener Start-up Finanzchef24 will das ändern. Privatkunden können Versicherungsangebote bei Check24, Verivox oder Geld.de vergleichen. Für Gewerbekunden will Finanzchef24 diese Vergleichsmöglichkeit anbieten.

Die Gründer Felix Schollmeier und Hendrik Rennert - beide 34 Jahre alt, der eine Informatiker, der andere Betriebswirt - haben bei Banken, Beratern und in IT-Unternehmen gearbeitet. Die Finanzierung von bisher 10,15 Millionen Euro kommt von den Münchener Investoren Target Partners und Mercura Capital sowie den Gründern der Interhyp AG, Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf.

Wer sein Kleinunternehmen bei Finanzchef24 versichern will, muss online seine Berufsgruppe angeben und dann einen Fragebogen beantworten. Relativ früh will Finanzchef24 persönliche Daten des potenziellen Kunden wissen, dazu gehört auch das Gründungsdatum seiner Firma, schließlich geben manche Versicherer Nachlässe für junge Unternehmen. Nach Erfassung aller Daten liefert der Dienstleister einen Preisvergleich. "Rund die Hälfte unserer Kunden sucht dann noch das persönliche Gespräch mit einem unserer Berater", sagt Schollmeier.

Die beiden Gründer: Hendrik Rennert (links) und Felix Schollmeier.

(Foto: Finanzchef24)

Die Preisunterschiede sind eklatant und größer als bei Privatkunden. "Bei einem Dachdecker reichen die Preise von 700 Euro bis zu einigen tausend Euro." Aktuell buhlen Anbieter sehr aggressiv mit Billigangeboten um neu gegründete Handelsunternehmen, sagt Schollmeier.

Schließt der Gewerbetreibende elektronisch einen Vertrag ab, erhält Finanzchef24 dafür eine Provision. Das Unternehmen agiert rechtlich als Versicherungsmakler. "Die Provisionshöhe ist ähnlich wie bei anderen Maklern", sagt Rennert.

Die Firma ist seit 2013 auf dem Markt. "Wir haben jetzt deutlich über 10 000 Gewerbekunden", sagt er. "Und in diesem Jahr werden wir auch einen siebenstelligen Umsatz machen." Genauer wollen die Gründer nicht werden, aber es ist wohl so, dass sie die erste Umsatz-Million gerade erreicht haben. Noch ist das Unternehmen nicht profitabel. Es beschäftigt inzwischen 50 feste und 20 freie Mitarbeiter. "Wir unterscheiden uns sehr von anderen Vergleichsportalen", sagt Rennert.

"Wenn man eine Autoversicherung verkauft, muss man online vor allem Marketing machen." Finanzchef24 müsse dagegen elektronisch die Entscheidungen der Versicherer abbilden. "Wir machen eine echte elektronische Risikoanalyse", sagt Schollmeier. "Anfangs wurden wir auch von den Versicherungsgesellschaften sehr kritisch beäugt", sagt Rennert. Inzwischen gebe es einen sehr konstruktiven Dialog.

"Wir entdecken auch neue Betriebsarten", erläutert Schollmeier. "Da gibt es Greenkeeper, die bislang bei vielen Versicherern gar nicht geführt wurden, aber teilweise ähnliche Risiken wie die Gartenbauer haben." Dafür haben Versicherer dann ein abgespecktes und günstigeres Angebot gebaut. "Auch Waxing-Studios gehören zu den neuen Betriebsarten", sagt Schollmeier. Dienstleistungen rund um das Haustier boomen im Moment.

Die Angreifer

Die Digitalisierung hat die Finanzbranche voll erfasst, immer mehr Start-up-Unternehmen fordern die Banken heraus. In dieser Serie stellt die SZ die Angreifer vor.

Bei traditionellen Vertrieblern sind die Online-Portale nicht beliebt. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, in dem Makler und Vertreter Mitglied sind, verklagt gerade das größte Vergleichsportal Check24. Es beachte die Verbraucherschutzvorschriften nicht. Der Vorwurf greife bei Finanzchef24 nicht, sagt Rennert.

Online-Anbieter würden oft angegriffen. "Natürlich haben wir ein Drohpotenzial für traditionelle Vertriebe", sagt er. "Aber wir machen dem Kunden nur ein Angebot, er kann ja beim traditionellen Vertrieb abschließen."

Seit 2014 sucht Finanzchef24 den Schulterschluss mit anderen Maklern, über das Spezialangebot Finanzchef Pro können sie die Vergleiche der Münchener nutzen. Das erleichtert die Arbeit, die Provision wird aufgeteilt. "Wir steuern auf die 1000 Makler zu, die mit uns arbeiten", sagt Rennert.

Seit Kurzem bietet Finanzchef24 auch Cyberpolicen an. Allerdings: Online geht das nicht. "Da müssen wir persönlich beraten", sagt Schollmeier