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Colu-App:Brötchen mit dem Smartphone bezahlen

Ein israelisches Start-up hat eine App entwickelt mit der Kunden auch Kleinstbeträge über das Mobiltelefon zahlen können. Dafür hat es gar eine eigene Währung erfunden. Die lokale Wirtschaft profitiert davon.

Ein Roggenbrot, zwei Croissants: Statt Bargeld wird das Smartphone über die Ladentheke gereicht. Michal Karny Dahan wirft einen Blick auf den eingetippten Betrag, dann wird der Bezahl-Knopf auf der App gedrückt und das war es schon. Wer beim Bäcker Margoza in Jaffa in Israel einkauft, kann seine Geldbörse zu Hause lassen, wenn er die Colu-App installiert und aufgeladen hat. Das ist nicht nur praktisch, sondern gibt auch das Gefühl, die lokale Wirtschaft unterstützt zu haben.

Colu ist eine virtuelle Geldbörse, hinterlegt wird eine reale Kreditkarte. Bezahlt werden kann in kleinen Geschäften, Lokalen oder Fitnessstudios in der Umgebung. Immer häufiger fallen türkise Schilder auf mit der Aufschrift, dass hier mit "Jaffa Schekel" oder "Florentin Schekel" bezahlt werden kann. In diesen beiden Stadtteilen von Tel Aviv wurde die virtuelle Währung vor rund zwei Jahren zum ersten Mal eingesetzt, inzwischen kann man damit in rund 500 Geschäften und Lokalen in der ganzen Stadt einkaufen. Dann kam Haifa dazu und im Vorjahr wurde auch in Stadtteilen von Liverpool und Ost-London die lokale, digitale Währung eingeführt. Heute nutzen 700 Geschäfte und rund 70 000 Käufer die lokale Währung.

Wer die App zum ersten Mal benutzt, bekommt einen Bonus von 25 Schekel (5,60 Euro), beim Aufladen bekommt der Kunde immer zehn Prozent mehr als real abgebucht wird. "Immer mehr nutzen Colu, einfach weil es praktisch ist", meint der Bäcker. Der Vorteil für Ladenbesitzer ist, dass sie sich teure Transaktionsgebühren für Kreditkarten sparen können, mit denen in Israel fast alles bezahlt wird, selbst kleine Beträge. In mehr als 90 Prozent der Geschäfte in Israel werden Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptiert, selbst in kleinen Läden ist es üblich, mit der Kreditkarte die Rechnung zu begleichen. "Für mich ist auch ein Vorteil, dass ich nicht nach Wechselgeld suchen muss", meint David Cohen, Besitzer des Imbissladens Pundak Herzel. Hinter dem Projekt steckt das israelische Fintech-Start up Colu mit 45 Angestellten, das 2014 gegründet wurde und in drei Finanzierungsrunden insgesamt 26,6 Millionen US-Dollar von Investoren als Startkapital eingesammelt hat. "Wir haben auch ein soziales Anliegen. Wir haben uns dafür entschieden, dass nur kleine lokale Geschäfte mitmachen können und keine großen Ketten. Denn wenn Geld im eigenen Viertel ausgegeben wird, dann profitiert die lokale Wirtschaft", erklärt Vala Vaintraub, die die App in Tel Aviv verwaltet. Sie verweist auf Studien, wonach von einem Dollar 60 Cent im Stadtviertel bleiben, wenn sie dort ausgegeben werden.

In Tel Aviv entsteht dank digitaler Möglichkeiten eine neue Einkaufswelt

Mittels Blockchain-Technologie gelangt das Geld direkt vom Kunden zum Verkäufer, ohne dass Banken oder Kreditkarteninstitute involviert sind. Die Ladenbesitzer müssen nur dann eine kleine Gebühr bezahlen, wenn sie ihre Einnahmen von Colu abbuchen. Bei Kreditkartenfirmen müssten sie für jede Transaktion einzeln bezahlen. Auf der App können die Ladenbesitzer zudem spezielle Rabatt-Aktionen für Colu-Nutzer anbieten. Es lässt sich im Anschluss genau nachvollziehen, wie welche Angebote genutzt werden.

Mit der App kann man außerdem Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten in seinem Viertel entdecken. Jedes Geschäft oder Lokal erhält einen Eintragung, mittels Suchfunktion kann man dann auch nach Kategorien suchen, etwa Eisgeschäfte oder Designerläden. "Wir organisieren auch Treffen von Laden- und Lokalbesitzern, geben Tipps und ermöglichen einen Austausch. Wir wollen den Gemeinschaftsgedanken auf allen Ebenen fördern", sagt Managerin Vaintraub.

Künftig will Colu weiter expandieren und ist deshalb auf der Suche nach interessierten Geldgebern. Das Ziel sind 50 Millionen US-Dollar, denn: "Unser Traum sind viele lokale Gemeinschaften, die sich zu einem globalen Netzwerk zusammenschließen."

© SZ vom 20.02.2018
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