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Cloud-Lösungen:Leben mit der Wolke

Services aus Cloud-Zentren erleichtern das Leben - beruflich wie privat. Doch wie sieht es mit dem Schutz der Daten aus? Worauf Verbraucher achten sollten.

Von Thorsten Riedl

Heute schon einen Film geschaut über Netflix, Youtube oder Amazon Prime? Ein Lied gehört via Spotify oder Deezer? Oder gar ein Spielchen gewagt mit der X-Cloud von Microsoft oder mit Stadia von Google? Dann ist die Cloud ein vertrautes Thema. Denn im Privaten sind Services aus Rechenzentren, abgerufen über das Internet, längst angekommen. Nichts anderes machen Spotify, Youtube und Co., deren Daten in der Cloud lagern. Und auch im Beruflichen gehören solche Dienstleistungen bereits zum Arbeitsalltag dazu. Künftig werden Dienste aus der Cloud das Leben beruflich wie privat noch tiefer durchdringen.

Die Landschaft der Informationstechnologie (IT) ist voll von Modewörtern. Doch die Cloud hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie weit mehr ist: Mit den Dienstleistungen aus dem Internet lässt sich nicht nur das Erlebnis der Nutzer verbessern, es können auch Kosten eingespart werden - und das auf einem Serviceniveau, das in der Regel höher ist als früher. Kein Wunder also, dass das Segment weiter stark wächst: Im vergangenen Jahr haben die Marktforscher von IDC einen weltweiten Umsatz mit Cloud-Diensten in Höhe von 233,4 Milliarden Dollar erfasst. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 26 Prozent. Cloud ist dabei allerdings nicht gleich Cloud. Von den Internetservices, die noch im eigenen Haus vorgehalten werden, bis zu solchen, die komplett beim Dienstleister über das Netz laufen, gibt es ein weites Spektrum (siehe Kasten).

Durch die Pandemie hat sich der Trend zu Cloud-Lösungen noch beschleunigt

Für den gesamten IT-Markt erwarten die Experten von IDC im laufenden Jahr zurückgehende Umsätze - es sei denn, Cloud-Dienste sind betroffen. Denn in den Zeiten der Pandemie hat sich der Trend zu ausgelagerten Cloud-Services noch beschleunigt. Unternehmen wie Docusign, die das physische Abzeichnen digitaler Dokumente ermöglichen, oder Zoom, die Videokonferenzen via Cloud anbieten, haben neben anderen, jungen Unternehmen Auftrieb. Die großen Cloud-Anbieter Amazon, Google und Microsoft berichten von Zuwächsen. Der zeitweise Stillstand der Wirtschaft weltweit sowie die global bestehenden Reisebeschränkungen in Folge des Coronavirus machen es möglich.

Allerdings bringt die Popularität des Home-Office neue Fragen in Sachen IT-Sicherheit mit sich. Der Schutz der eigenen Daten lässt sich nämlich nicht auslagern. Unternehmen benötigen auch im Zeitalter der Cloud eine eigene Sicherheitsstrategie. Experten raten zudem, die Daten wenn immer möglich zu verschlüsseln, sobald sie in die Cloud wandern. Ein Mangel an Sicherheits-Know-how sowie fehlerhafte Konfigurationen beim Einsatz der Cloud sind nach Erkenntnis der Sicherheitsfirma Palo Alto Networks die häufigsten Gründe für Sicherheitsvorfälle.

Cloud - 'BigBrotherAwards'

Cloud-Anwendungen durchdringen immer stärker den Alltag. Allerdings wirft dies auch Fragen der IT-Sicherheit auf.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

So hätte auch ein Hack in den USA vermieden werden können, der für Aufsehen gesorgt hat: Einer IT-Spezialistin, Anfang 30, war es gelungen, in Teile der Cloud von Amazon vorzudringen. Auf diese Weise gelangte sie an teils vertrauliche Daten von mehr als 100 Millionen Kunden eines US-Kreditkartenanbieters. Eine Firewall war laut Auskunft bei Amazon falsch eingestellt, sodass der Hack nur auffiel, weil die IT-Expertin im Netz prahlte - und das FBI darüber stolperte.

Verschlüsselung schützt noch in einem weiteren Punkt: dem Ausspähen von Informationen durch staatliche Dienste. Die großen IT-Unternehmen von Alibaba über Amazon zu Microsoft - und damit die wichtigsten Cloud-Anbieter - haben ihren Sitz entweder in den USA oder in China. Beide Tech-Großmächte erlauben Geheimdiensten mehr oder weniger einfach den Einblick in Daten, die im eigenen Land gespeichert sind. Und das können dann eben durchaus auch Cloud-Informationen sein von Firmen, die ihren Sitz im Ausland haben.

In Europa ist daher vergangenes Jahr schon der Gedanke gereift, zuverlässige Rechenzentren auf dem Alten Kontinent aufzubauen. Entstehen soll, so heißt es auf der Internetseite des Bundeswirtschaftsministeriums, "eine vernetzte Datenstruktur für ein europäisches digitales Ökosystem". Vor allem Deutschland und Frankreich arbeiten hier eng zusammen, andere europäische Partner zeigen Interesse. "Der europäische digitale Raum muss geschützt werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier jüngst. Hunderte Firmen beteiligen sich an der Initiative, darunter auch Tech-Konzerne aus den Staaten, solange sie sich an die Vorgaben halten. Im Ökosystem rund um Gaia X existieren schon erste Pilotprojekte, die zeigen, wo die Reise hingeht: Viele Anbieter legen den Schwerpunkt ihrer Offerten auf Datensicherheit.

Cloud-Spielereien

Ist die Rede von der Cloud, dann geht es im Prinzip, laut Auskunft von Wikipedia, zunächst einfach um ein "Rechnernetz", mit dem Speicher, Rechenleistung oder auch Software bereitgestellt werden. Abrufen lassen sich solche Dienste grundsätzlich über alle internetfähigen Geräte, sei es ein Smartphone, ein klassischer Computer oder ein mit Mobilfunk angeschlossener Chip in einer Maschine. Wichtige Unterschiede existieren, inwieweit das Rechnernetz öffentlich oder nur für bestimmte Nutzer zugänglich ist.

Vermietet ein Cloud-Anbieter seine Dienste an jedermann, handelt es sich um eine Public Cloud. Vorteil für Unternehmen: Sie müssen nicht in eine eigene Infrastruktur investieren. Bei einer Private Cloud sind die Services in der Regel nur für Mitarbeiter eines Unternehmens verfügbar. Das Rechenzentrum kann zur Firma gehören oder Teil eines externen Data Centers eines Cloud-Anbieters sein. Werden beide Cloud-Formen gemischt, ist im Fachjargon die Rede von einer Hybrid Cloud. RDL

Dass die Cloud kein Modetrend ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Mit Entwicklungen wie autonom fahrenden Autos oder dem Internet der Dinge, in dem Maschinen miteinander kommunizieren, werden Cloud-Anwendungen den Alltag stärker durchdringen. Wesentliche Teile der Rechen- und Speicherkapazität werden in das Netz verlagert, abgerufen teils über schnelle 5G-Mobilfunk-Verbindungen. Doch schon zeichnet sich der - auf den ersten Blick - gegenläufige Trend ab: Beim Edge Computing finden die Berechnungen wieder auf dem Endgerät statt, Infos werden dort gespeichert.

Also alles wie früher? Zurück zu den Zei-ten, in denen der PC am Schreibtisch alle Aufgaben erledigte? Nicht ganz. Die Zahl an Geräten ist künftig deutlich größer und reicht vom Computer über das Smartphone bis - dank des Internets der Dinge - hin zum Controller, der das automatische Schließen der Jalousie beim Sturm regelt oder eine Produktionsmaschine überwacht. Alle diese intelligenten Gegenstände kommunizieren in der Cloud. Damit vor allem die Mobilfunknetze dieser Belastung standhalten, greift Edge Computing, also die Datenverarbeitung am Ort. Einfache Entscheidungen können so am Ort getroffen werden, die komplexeren und wichtigeren werden weiter in der Cloud erledigt. Schon jetzt laufen gemäß Studien des Marktforschungshauses Gartner 90 Prozent aller Unternehmensdaten über zentrale Rechenzentren. In Zukunft wird die Cloud dank Edge Computing daher eher noch an Bedeutung gewinnen.

© SZ vom 29.10.2020
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