Chip-Implantat:Unter die Haut

Ein kleiner Pikser für jeden Mitarbeiter, aber ein großer Fortschritt für die Menschheit - so ähnlich stellt man sich das vor bei der US-Firma 32M. Sie will allen Firmenangehörigen einen Chip einsetzen, um damit die firmeneigene Technik zu testen.

Von Helmut Martin-Jung

Chips auf einer Party, und das soll was Besonderes sein? Nun, die Chips, die es bei der Party der Firma Three Square Market, kurz 32M, gibt, sind es definitiv. Und die Party ist auch keine gewöhnliche. Die Mitarbeiter des Unternehmens aus River Falls, Wisconsin, etwa 45 Autominuten östlich von Minneapolis gelegen, werden nämlich auf der Party nicht etwa Kartoffelchips futtern, sondern einen elektronischen Chip eingesetzt bekommen. Nur ein paar Sekunden dauere das, verspricht Firmenchef Todd Westby. Die Aktion, die am 1. August umgesetzt werden soll, sei freiwillig, aber er erwarte, dass etwa 50 Mitarbeiter mitmachen werden.

Auf die Idee kam 32M in Europa. Die schwedische Firma Biohax hat das mit ihren Mitarbeitern auch schon gemacht. Es geht letztlich um dogfooding. So nennen das Amerikaner, wenn die Mitarbeiter die Produkte der Firma selbst ausprobieren. Und das bietet sich bei 32M geradezu an. Das Unternehmen stattet sogenannte Micro Markets aus, das sind automatisierte Verkaufsräume, in denen sich die Mitarbeiter von Firmen selbständig Essen und Getränke aus Verkaufsautomaten holen können. Mit dem Chip, der zwischen Zeigefinger und Daumen unter die Haut eingesetzt werden soll, können diese dann gleich bezahlen, ohne dass sie Münzgeld einwerfen oder die Kreditkarte durchziehen müssen.

Der Chip selbst ist etwa so groß wie ein Reiskorn und steckt in einer Hülle aus Glas. Er funktioniert über eine Nahfeld-Kommunikation (NFC) genannte Technik. Ein Sender, in diesem Fall etwa eine Kasse, erzeugt ein elektromagnetisches Feld. Durch die dadurch übermittelte Energie erwacht der Chip zum Leben und kommuniziert mit dem Sender. Besonders viele Daten können dabei nicht übertragen werden. Auf dem ganzen Chip lassen sich nur knapp 1000 Bytes speichern, das ist etwa so viel wie die ersten eineinhalb Absätze dieses Artikels. Für Informationen zu Kreditkarte und Identität reicht das aber aus.

Wenn es nach 32M geht, sind diese mickrigen Chips aber nur der Anfang. Diese Technologie könne künftig auch medizinische Informationen enthalten, Visitenkarten ersetzen und natürlich für alle Arten von Bezahlvorgängen genutzt werden, glaubt 32M-Chef Westby. Die Angestellten der Firma können mit ihren Chips erst mal nur im firmeneigenen Micro Market einkaufen, den Kopierer benutzen, sich am Computer einloggen und die Bürotüren öffnen.

Ob sich die Technik durchsetzt, wird aber nicht nur von den Fähigkeiten abhängen, über die sie verfügt. Gut vorstellbar, dass manche ein eher mulmiges Gefühl bekommen, wenn sie bloß daran denken.

© SZ vom 25.07.2017
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