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Chinesischer Investor HNA Group:Auf den Spuren eines geheimnisvollen Milliardärs

Gründer Chen Feng, 64, gilt als ausgesprochen kreativ, wenn es darum geht, neue Geldquellen aufzutun. Zum Beispiel für eine angeblich autarke Ökoinsel mit eigenem Yachthafen. Kostenpunkt: ein paar Milliarden.

(Foto: dpa; Imaginechina)

Chen Feng und seinem HNA-Konzern gehören Firmen auf der ganzen Welt - auch in Deutschland. Angeblich folgt er mit seinen Investitionen buddhistischen Prinzipien. Aber wo kommt das viele Geld her?

Die Konzernzentrale ist nicht etwa ein Hochhaus oder ein Industriekomplex. Nein, sie soll einen sitzenden Buddha darstellen. Oder das, was eben herauskommt, wenn ein Flug- und Immobilien- und Finanz- und Tourismuskonzern sich am Ebenbild eines 138 Meter hohen Buddhas versucht, von dessen Innerem aus ein weltweites Wirtschaftsimperium gesteuert wird. HNA Group heißt der Konzern, beheimatet in der südchinesischen Provinz Hainan, vier Flugstunden entfernt von Peking. Der Chef wollte das mit dem Buddha. Chen Feng, 64 Jahre alt, sagt, er sei ein gläubiger Buddhist. Als er vor ein paar Jahren nach den Zielen seines Konzerns befragt wurde, antwortete er: "Erstens Mitleid mit jedem menschlichen Wesen, zweitens Erleuchtung und Weisheit und drittens Dienst an der gesamten Menschheit."

Starke Vorsätze, wobei noch nicht so klar ist, wie sehr die Menschheit bereit ist für solch noblen Dienst. Fast über Nacht kam HNA über die Welt, wie andere chinesische Großkonzerne auf Einkaufstour auch. Aber kaum ein Unternehmen agiert so aggressiv wie die "Hainan Air Group", so nennt sich das Unternehmen offiziell noch immer. Aus einer Regionalfluggesellschaft ist inzwischen ein global agierender Mischkonzern erwachsen. Eine Firma, die so viel umsetzt wie Siemens oder BMW, dessen Struktur aber ein Rätsel ist. Umgerechnet 17 Millionen Dollar betrug der Umsatz 1993, mehr als 90 Milliarden sind es heute. Es ist ein offenbar bewusst undurchschaubar angelegtes Unternehmen, das mittlerweile mehr als 40 Milliarden Dollar im Ausland investiert hat. HNA ist an Hilton-Hotels beteiligt, kaufte in den USA einen IT-Großhändler, in der Schweiz den Flughafendienstleister Swissport.

In Deutschland trat HNA gleich zweimal als Retter in der Not auf: Das Unternehmen kaufte dem Land Rheinland-Pfalz den chronisch defizitären Flughafen Hahn im Hunsrück ab. Und stieg im Frühjahr bei der klammen Deutschen Bank ein, deren Aktienkurs im vergangenen Herbst ins Bodenlose gefallen war. HNA hält dort seit Mai 9,9 Prozent der Aktien und ist damit größter Anteilseigner. Nebenbei lotete HNA auch noch eine Übernahme der Allianz aus. Börsenwert: 83 Milliarden Euro.

Wer aber steckt hinter dem weltumspannenden Konzern? Wo kommt das viele Geld her? Und warum machen sich in der Finanzbranche - von der Wall Street über London bis nach Frankfurt - inzwischen viele Sorgen um das geheimnisvolle Konglomerat?

Die Süddeutsche Zeitung hat sich auf eine Spurensuche begeben, in Hainan, Peking, New York, Frankfurt und, ja, auch in Hahn im Hunsrück.

© SZ.de/mahu
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China Chen Feng geht einkaufen

HNA Group

Chen Feng geht einkaufen

Deutsche Bank, Flughafen Hahn, Hilton: Eine einst kleine Airline aus China kauft Anteile an immer mehr Unternehmen - und wächst wie irre. Jetzt wird es einigen sehr mulmig. Wer steckt hinter dem HNA-Konzern aus Hainan? Ein Krimi.   Reportage von Christoph Giesen, Meike Schreiber und Kai Strittmatter

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