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China:Exporte legen deutlich zu

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Bereit zur Ausfuhr: Container am Hafen in Shanghai. Chinas Exporte wuchsen im August um 9,5 Prozent.

(Foto: imago)

Vor allem medizinische Hilfsgüter und elektronische Produkte sind gefragt.

Von Christoph Giesen, Peking

Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie haben sich Chinas Exporte im August deutlich erholt. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft legten im Vorjahresvergleich um 9,5 Prozent zu, wie die Pekinger Zollverwaltung am Montag mitteilte. Das ist nicht nur der dritte Zuwachs in Folge, sondern zugleich der kräftigste seit März 2019. Zudem fiel er höher als erwartet aus: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten zuvor lediglich mit einem Plus von 7,1 Prozent gerechnet. Vor allem die Nachfrage nach medizinischen Hilfsgütern und elektronischen Produkten kurbelte die Geschäfte an. "Chinas Exporteure wachsen deutlich schneller als der Welthandel, wodurch sie globale Marktanteile gewinnen", sagte Volkswirt Louis Kuijs von Oxford Economics.

Wegen der Pandemie hatte die Volksrepublik im ersten Quartal einen historischen Einbruch erlebt. Zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1992 hatte das Land einen Rückgang der Wirtschaftsleistung hinnehmen müssen - um 6,8 Prozent. Bereits im zweiten Quartal meldete das Statistikamt jedoch wieder einen Zuwachs um 3,2 Prozent, was für chinesische Verhältnisse noch immer ein zartes Wachstum ist. Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Landes der Erde um 6,1 Prozent zugenommen.

Während die Ausfuhren im August überraschend stark stiegen, schrumpften die Importe um 2,1 Prozent und damit deutlicher als von vielen Ökonomen erwartet. Dazu könnte die Entscheidung der amerikanischer Regierung beigetragen haben, Chip-Lieferungen in die Volksrepublik zu beschränken, sagte Iris Pang, Chefvolkswirtin für den Großraum China bei der Großbank ING. Entsprechend schwierig sind Prognosen: Der Handels- und Technologiestreit zwischen Peking und Washington ist ein schwer kalkulierbares Risiko, zumal die politischen Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt sich vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl im November noch verschärfen könnten. Beide Länder hatten ihren Handelskonflikt zu Jahresbeginn zwar mit einer ersten Teileinigung entschärft, China bleibt allerdings weit hinter seinem Versprechen zurück, die Käufe von Gütern aus den Vereinigten Staaten erheblich auszuweiten. Chinas Handelsbilanzüberschuss mit den Vereinigten Staaten weitete sich im August auf 34,24 Milliarden Dollar aus.

© SZ vom 08.09.2020

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