Camel Ganz viel Asche

Vor zwölf Jahren zog sich British American Tobacco (BAT) aus den Vereingten Staaten zurück. Jetzt übernimmt der europäsiche Lucky-Strike-Hersteller den amerikanischen Konkurrenten Reynolds ("Camel") - für satte 47 Milliarden Dollar.

Von Björn Finke, London

Mit diesem Geschäft würden die Londoner zur Nummer eins der Branche: British American Tobacco (BAT) will den US-Tabakhersteller Reynolds American komplett übernehmen. Camel-Fabrikant Reynolds ist der zweitgrößte Zigarettenanbieter in den Vereinigten Staaten. Das Geschäft wäre 47 Milliarden Dollar wert. Die am Freitag verkündeten Pläne würden die Rückkehr von BAT nach Amerika bedeuten. Vor zwölf Jahren gaben die Briten ihr dortiges Geschäft an Reynolds ab und erhielten dafür gut 42 Prozent der Anteile an der zusammengeschlossenen Firma. Jetzt wollen die Londoner die übrigen 58 Prozent den anderen Aktionären abkaufen.

BAT-Chef Nicandro Durante schrieb an den Reynolds-Vorstand, die Komplettübernahme bringe den Anteilseignern langfristige Vorteile, weil der kombinierte Konzern stärker und vielfältiger sei. Schon seit Monaten wird spekuliert, BAT stehe vor einem größeren Zukauf. Reynolds selbst schluckte erst 2015 einen Rivalen für 27 Milliarden Dollar.

Die Branche ist gewaltig in Bewegung: In den Industrieländern sinkt die Zahl der Raucher seit Jahren, Regierungen erlassen immer schärfere Gesetze. Wachstum versprechen die Schwellenländer - und neue Produkte wie elektronische Zigaretten. Die Unternehmen reagieren auf diesen Wandel, indem sie Marken zukaufen oder gleich ganze Firmen. Schiere Größe soll dabei helfen, die Kosten zu senken und neue Märkte zu erobern.

Geld genug für teure Übernahmen ist da: Die Branche verdient prächtig, sogar in den raucherfeindlichen Industrieländern. Dort machen Preiserhöhungen das Schrumpfen des Absatzes wett. Offenbar sind Süchtige bereit, zum Wohle der Aktionäre mehr Geld auf den Tresen zu legen. Zugleich schließen die Unternehmen Fabriken in den reichen Ländern, weil sie weniger produzieren. BAT kappte erst in diesem Sommer 950 Stellen in seinem Werk in Bayreuth.

Bisher ist Philip Morris International (PMI) der größte Zigarettenhersteller der Welt, ein Unternehmen, das in der Schweiz sitzt. BAT ist die Nummer zwei, Japan Tobacco International (JTI) die Nummer drei. Sie verkaufen weltweit so bekannte Marken wie Camel (JTI), Lucky Strike (BAT) oder Marlboro (PMI). Doch den Markt in den USA beherrschen zwei andere Firmen: Ganz vorne liegt hier der Konzern Altria, der Marlboro in den Vereinigten Staaten vertreibt; dahinter folgt das Übernahmeziel Reynolds, das in den USA unter anderem Camel-Zigaretten an den Süchtigen bringt.

BAT will den Reynolds-Anteilseignern 20 Milliarden Dollar in bar zahlen, den Rest in eigenen Aktien. Den Aktionären scheint der Vorschlag zu gefallen; der Kurs von Reynolds stieg am Freitag um fast ein Fünftel.