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Braucht man das?:Smartwatch mit analoger Anzeige

Sieht aus wie eine gewöhnliche Uhr, ist aber ein Computer: Withings’ neue Scanwatch.

(Foto: oh)

Schön ist sie ja, Withings' Scanwatch. Dafür aber gibt es Zweifel an Messwerten.

Von Thorsten Riedl

Das Problem mit vielen Smartwatches: Wer keine Lust hat, einen kleinen Computer am Handgelenk zu tragen, der muss lange suchen. Fossil hat ein paar hübsche Modelle, Garmin auch. Eine der schönsten smarten Uhren mit der Anmutung eines klassischen Chronografen bringt nun aber Withings mit der Scanwatch auf den Markt. Die Franzosen betonen besonders die Gesundheitsfunktionen - allein hier kann die Scanwatch noch nicht ganz überzeugen.

Withings hat kurze Zeit zu Nokia gehört, ist seit zwei Jahren aber wieder selbständig unterwegs. Neben Waagen, Blutdruckmessgeräten, Thermometern oder einem Schlaf-Tracker gehören Uhren zum Portfolio. Die Scanwatch bewirbt Withings als "das fortschrittlichste Gesundheits-Wearable auf dem Markt". Die Uhr misst den Puls und die Zahl der Schritte, natürlich, dazu will sie das Risiko von Vorhofflimmern erkennen, dazu kann sie ein Ein-Kanal-EKG (Elektrokardiogramm) aufzeichnen. Zudem erfasst sie Atemaussetzer im Schlaf und die Sauerstoffsättigung im Blut. Viele der Funktionen sind klinisch überprüft worden, versichert der Hersteller.

Im Test können die Gesundheitswerte dennoch nur bedingt überzeugen. Die Schlafüberwachung etwa bricht beim nächtlichen Aufwachen sofort ab - und eignet sich damit nicht für Nutzer mit Schlafstörungen. Ausgerechnet. Die Apnoe-Erkennung liefert andere Ergebnisse als der Schlaftracker Sleep, ebenso aus dem Hause Withings. Der Puls wird nur alle zehn Minuten gemessen - dafür hält der Akku der Scanwatch aber auch bis zu 30 Tage. Fitbit und Garmin zum Beispiel überwachen das Herz jedoch kontinuierlich.

Trotzdem ist die Scanwatch einen Blick wert. In der Vergangenheit hat Withings die eigenen Produkte kontinuierlich mit Updates verbessert. Die Withings-App ist inzwischen richtig gut, gibt Tipps und erstellt auf Wunsch sogar einen Gesundheitsreport für den Hausarzt, der sich ausdrucken lässt. Schließlich gefällt das Design: Besonders beim dunklen Ziffernblatt fällt das leuchtstarke, kreisrunde OLED-Display unter der 12-Uhr-Position kaum auf. Es leuchtet nur bei Bedarf und zeigt dann etwa Smartphone-Nachrichten. Für 280 Euro in der 38-Millimeter- und 300 in der 42-Millimeter-Version erhält man eine schicke Smartwatch mit Gesundheitsfunktionen - die wie eine Uhr ausschaut, nicht wie ein Computer.

© SZ vom 09.09.2020
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