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Braucht man das?:Smartphone Realme X3 Superzoom

Das rückwärtige Kameramodul von Realmes X3Superzoom: Das eckige Fenster oben ist die Öffnung für das liegend eingebaute Tele.

(Foto: ma/oh)

Der Name vespricht eine gute Kamera, und das für etwa 450 Euro. Doch der Test zeigt, der Hersteller kann dieses Versprechen nicht ganz halten. Dafür punktet das Hany bei anderen Aufgaben.

Von Helmut Martin-Jung

Kleine rhetorische Frage: Was erwarten Kunden von einem Smartphone, das den Zusatz Superzoom im Namen trägt? Eine besonders lange Akkulaufzeit? Das immer gerne, aber eigentlich doch eine gute Kamera. Das Realme X3 des chinesischen Herstellers BBK Electronics, zu dem auch die etwas bekannteren Marken Oppo, Vivo und Oneplus gehören, haut zwar nicht völlig daneben. So gut, wie man erwarten könnte, ist die Kameratechnik dann aber auch nicht.

Bei viel Licht machen vor allem die Hauptkamera und das Fünffach-Teleobjektiv gute Bilder, die immerhin heranreichen an die der Smartphone-Spitzenklasse. Das Tele haben die Entwickler übrigens wie auch schon bei Huawei oder Samsung liegend eingebaut, mit einem kleinen Spiegel, der das Licht umlenkt zu der Telelinse. Doch die Weitwinkelkamera und die Makrolinse fallen dagegen ab, und bei weniger Licht sinkt die Bildqualität auch bei der Haupt- und der Telekamera.

Der Hersteller entschädigt allerdings durch eine sehr brauchbare Videofunktion, die nicht nur in hoher (4K-) Auflösung aufzeichnet, sondern auch mit 60 Bildern pro Sekunde. Die gelungene Bildstabilisierung sorgt dafür, dass die Videos nicht verwackeln. Weil Videos viel Speicher benötigen, ist es gut, dass Realme das X3 in Deutschland nur mit viel Speicher anbietet: 256 Gigabyte sollte eine Zeitlang reichen. Einen Schlitz für eine zusätzliche Speicherkarte hat das Smartphone allerdings nicht.

Zweiter Schwachpunkt des X3 ist der nicht allzu helle Bildschirm. Im Sonnenschein lässt er sich nur schwer ablesen. Zudem ist es ein LCD-Bildschirm, der keine so knackigen Farben und ein so sattes Schwarz anzeigen kann wie Oled-Displays.

Der Bildschirm stellt allerdings eine Bildwiederholrate von ungewöhnlichen 120 Bildern pro Sekunde zur Verfügung - das lässt Videos und Animationen sehr flüssig ablaufen. An Rechenpower fehlt es dem X3 also nicht, und erfreulicherweise geht das nicht einmal auf Kosten des Akkus. Und er lässt sich sogar binnen einer Stunde wieder voll aufladen.

Fazit: Das X3 weiß in einigen Punkten zu gefallen, patzt aber ausgerechnet in der wichtigsten Disziplin, weil die Kamera die Erwartungen nicht erfüllen kann. Angesichts der Konkurrenz auch von Vorjahresmodellen der Top-Hersteller dürfte es Realme, das man hier kaum kennt, schwer haben zu überzeugen, 450 Euro für das X3 auszugeben.

© SZ vom 05.08.2020

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