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Braucht man das?:Luftqualität

Wave plus, Airthings, Pressebild

Hardware gut, Software mit Potenzial für Verbesserung: Das Luftmessgerät Wave plus von Airthings.

(Foto: oh)

Irgendwie trocken heute, die Luft? Gut, wenn man das messen kann und sogar das gefährliche Radon dazu. Aber es gibt auch einen Haken.

Manchmal reicht der menschliche Geruchssinn: Wenn man in ein Zimmer kommt, in dem jemand die ganze Nacht bei geschlossenem Fenster geschlafen hat, steigt einem der Mief förmlich in die Nase. Der Sauerstoff ist verbraucht, der Anteil an CO₂ hoch - und das merkt man dann auch. Doch schlechte Luft lässt sich nicht immer riechen. Besonders gilt das für das Edelgas Radon. Es entsteht beim radioaktiven Zerfall von Uran und ist selbst radioaktiv. Uran steckt im Boden, aber auch in Baumaterialien findet man es. Radon gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Es ist daher schon sinnvoll, die Konzentration von Radon in Innenräumen zu überwachen. Das kann man von Spezialfirmen machen lassen, dann sind die Messungen aber nur punktuell, und es ist bekannt, dass die Werte schwanken. Oder aber man kauft sich ein Messgerät wie das des norwegischen Herstellers Airthings.

Das Wave plus (gut 200 Euro) besitzt insgesamt sechs Sensoren und misst damit außer der Radon-Konzentration Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration und den Anteil von flüchtigen organischen Verbindungen wie etwa Lösungsmitteln, die zum Beispiel aus Möbeln entweichen können.

Um die Werte auszulesen, muss man eine App fürs Smartphone installieren, die sich dann per Bluetooth mit dem Messgerät verbindet. Bis sinnvolle Werte herauskommen, soll man das Gerät erst einmal eine Woche lang in Betrieb nehmen, erst dann seien die Sensoren kalibriert. Das Auslesen ist danach etwas mühsam, bis die Werte angezeigt werden, dauert es etwa eine halbe Minute, den Prozess muss man erst einmal manuell anstoßen.

Danach hat man zwar die Werte, aber nur dürre Erklärungen dazu. Der Hersteller nützt die Chance nicht, in der App genauer zu erklären, was verschiedene Werte bedeuten. Das kann auch damit zu tun haben, dass man vermeiden wollte, über Grenzwerte diskutieren zu müssen. Hilfreich wären aber wenigstens Links auf Internetseiten wie etwa die des Bundesamtes für Strahlenschutz. Dort werden zum Beispiel die Risiken von Radon gut erklärt.

Auch die Anzeige der Messwerte über einen längeren Zeitraum lässt viele Möglichkeiten ungenutzt, etwa: Wann war der beste, der schlechteste Tag? Um das herauszufinden, muss man sich die angezeigte Kurve genau ansehen. So aber ist man als Nutzer alleingelassen, dafür ist das Gerät zu teuer.

© SZ vom 19.02.2020
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