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Braucht man das?:Huawei P40 pro ohne Google-Apps

Die Kamera soll bei Huaweis neuem P40 den Unterschied machen - zu den Vorgänger-Modellen, aber auch zur Smartphone-Konkurrenz. Da ist Huawei auf einem guten Weg, aber der Konzern hat ein anderes Problem.

Gute Kameras, aber Lücken bei der Versorgung mit Apps. Huaweis neues Smartphone P40 pro.

(Foto: oh)

Wenn derzeit Handyhersteller ihre neuen Flaggschiffe vorstellen, dann betonen sie vor allem die Kamera. Denn die anderen Leistungs-Parameter unterscheiden sich mittlerweile oft zur marginal von der Konkurrenz. Nicht anders ist es bei den neuen Top-Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei. Das 6,58-Zoll große P40 Pro hat eine mit Leica entwickelte Vierfach-Kamera. Die Hauptkamera verfügt über einen 50-Megapixel-Hauptsensor, dazu kommen eine Weitwinkelkamera und einer Telekamera mit fünffacher optischer Vergrößerung. Die Selfie-Kamera hat noch 32 Megapixel und eine automatische Gesichtserkennung. Der kleine Bruder P40 (6,1 Zoll) verfügt immerhin noch über eine Dreifach-Kamera von Leica mit Ultraweitwinkel und dreifachem Telezoom. Und in der Tat, die damit geschossenen Bilder sind dank der Technik und der vielen, auch KI-gestützten, Features großartig: Der Bokeh-Effekt trennt eindrucksvoll den Vorder- vom Hintergrund, der Beautyfilter für Selfies glättet Falten und vor allem die Nachtbilder sind klar und leuchtend.

Aber so gut die Kameras auch sind, neue Huawei-Handys haben einen entscheidenden Nachteil: Sie müssen aufgrund des US-Handelsembargos ohne Googles aktuelles Android-Betriebssystem und die entsprechenden Google-Apps auskommen. So setzt Huawei bei seinen P40-Modellen auf die Open-Source-Variante des Betriebssystems Android 10 und verbindet sie mit der selbst entwickelten Oberfläche EMUI 10.1. Das heißt konkret, Huaweis "App Gallery" ersetzt Googles "Play Store" und Dienste wie Gmail, Google Photos und Google Maps können zwar als Webanwendung im Browser genutzt werden, aber nicht als Apps. Und das ist sehr unpraktisch. Huawei ist sich das durchaus bewusst, so wird einem beim Einrichten des neuen Geräts nahegelegt, die alten Apps einfach mit herüber zu ziehen. Aber das ist nur eine kurzfristige Lösung. Zwar gibt es in der "App Gallery" auch bekannte Apps von Microsoft oder auch Snapchat und TikTok, andere wie Spotify kann man über den Amazon-Appstore herunterladen, aber insgesamt ist die Auswahl eher dünn und das Prozedere ziemlich umständlich. Und so bleibt mehr als fraglich, ob die technisch sehr gut ausgestatteten Handys, die ab Mai für jeweils ab 799 oder 999 Euro im Handel sind, eine große Anzahl von Käufern finden. Um den Verkauf etwas anzukurbeln, legt Huawei den Vorbestellern bereits jetzt Ohrhörer im Wert von 179 Euro bei.

© SZ vom 08.04.2020

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