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Börsen-Crash am 19. Oktober 1987:"Ich glaube, ich habe heute richtig viel Geld verloren"

Es war der größte Börsen-Crash der Nachkriegszeit: Als Schwarzer Montag ging der 19. Oktober 1987 in die Geschichte ein. An einem einzigen Tag verlor der Dow-Jones-Index fast ein Viertel seines Werts. Das Beängstigende daran aus heutiger Sicht: Er könnte sich jederzeit genau so wiederholen.

Börsencrash 1987

Hektisches Treiben in der Aktienbörse in Frankfurt: Der Börsencrash an der Wall Street am 19.10.1987 hat auch Einfluss auf Deutschland.

(Foto: dpa)

Der Mensch, als vernunftbegabtes Wesen, wird vor allem dann unruhig, wenn etwas geschieht, das er sich nicht rational erklären kann. Etwa wenn der Autoschlüssel vermeintlich verschollen ist und dann plötzlich zwischen zwei Tiefkühlpizzen wieder auftaucht. Wenn die deutsche Nationalmannschaft einen 4:0-Vorsprung gegen Schweden verspielt. Oder wenn die Aktienmärkte ohne Vorwarnung verrückt spielen.

So geschah es vor genau 25 Jahren: Am 19. Oktober 1987 brach der Dow Jones in New York um fast 23 Prozent auf 1728 Punkte ein - der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des amerikanischen Aktienindex. Der Börsen-Crash ging als "Schwarzer Montag" in die Geschichte ein - an der Wall Street brach an jenem Tag Panik aus.

Mike Earlywine, heute ein erfolgreicher Hedgefonds-Manager war damals im Finanzdistrikt unterwegs. "Die Menschen sind buchstäblich zusammengebrochen", erinnert er sich. "Du stehst da auf dem Bürgersteig und Leute stolpern aus den Ausgängen der Gebäude. 'Es ist weg, es ist alles weg', sagten einige Männer während sie weinend auf der Schulter anderer Männer lehnten", erzählt Earlywine.

Die Auswirkungen der Panik an der Wall Street waren nicht nur in den USA zu spüren: In Tokio gab es in der Folge des Dow-Jones-Absturzes den bis dato schwersten Kurssturz in der Geschichte der japanischen Börse, in Sydney büßten Aktien binnen 45 Minuten 20 Prozent ihres Wertes ein, in Hongkong wurde die Börse für den Rest der Woche geschlossen.

"Wir kamen gar nicht mehr hinterher"

Auch im Handelssaal der Frankfurter Börse herrschte Chaos: "Das war schon heftig. Ich habe nur gedacht, ich muss ein Vorbild sein für meine Händler und darf nicht in Panik ausbrechen", sagt Fidel Helmer, der schon seit mehr als 40 Jahren an der Börse arbeitet. "Die Verkaufsaufträge gingen waschkörbeweise ein. Die Orderzettel wurden per Hand ausgefüllt und wir kamen gar nicht mehr hinterher", erinnert er sich. "Viele Makler waren total überfordert, manche Kollegen übernachteten sogar in der Börse, die Pizzadienste hatten Hochkonjunktur", erzählt Helmer. "Wir haben auch nicht realisiert, wieviel Kapital da vernichtet wurde", fügt er hinzu.

Zuvor hatten die Aktienkurse in jenen Jahren fast nur eine Richtung gekannt: nach oben. Quasi über Nacht wurde Spekulanten und Millionen Kleinanlegern nun teils schmerzhaft bewusst, dass das Geschäft mit den Wertpapieren keine Einbahnstraße ist. Ein Börsianer, der damals ein großes Aktienportfolio verwaltete, erinnert sich: "Ich ging zu meiner Freundin und sagte ihr: 'Ich glaube, ich habe heute richtig viel Geld verloren.' Danach habe ich eine Flasche Whisky aufgemacht."

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