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Börse:Tempolimit 

Handelssaal in Frankfurt: Die Deutsche Börse testet bei ihrer Optionshandels-Tochter Eurex Tempolimits.

(Foto: Michael Probst/AP)

An den Börsen gibt es viele Hochgeschwindigkeitshändler, die mit automatisierten Programmen besonders schnell reagieren können und einen Vorteil aus ihrer Schnelligkeit ziehen. Die Deutsche Börse will sie nun bremsen.

Sie profitieren von kleinsten Kursbewegungen, weil sie schneller sind als alle anderen: An den Börsen haben sich in den vergangenen Jahren sogenannte Hochfrequenzhändler ausgebreitet. Ihre automatisierten, auf Algorithmen beruhenden Programme reagieren auf bestimmte Kurssignale. Die Händler machen ihre Gewinne damit, dass sie bereits gekauft oder verkauft haben, bevor ein Kurs steigt oder fällt.

Bei anderen Anlegern, zum Beispiel Fondsgesellschaften oder Versicherungen, sind solche Hochfrequenzhändler umstritten. Jetzt reagieren die Börsen auf die Kritik und bremsen den Elan der aggressiven Händler. Die größte europäische Derivatebörse Eurex, eine Tochter der Deutschen Börse, testet ab Juli ein Tempolimit auf deutsche und französische Aktien. Läuft das erfolgreich, dürfte die Geschwindigkeitsbegrenzung auf andere Derivate ausgeweitet werden. Derivate sind Kontrakte, mit denen Anleger auf das Steigen oder Fallen eines Wertpapiers wetten können.

In der zunächst sechs Monate laufenden Probephase will Eurex die Hochfrequenzhändler in eine Art Zwangspause schicken, bevor ihre Orders ausgeführt werden. Diese soll eine Millisekunde (0,001 Sekunden) dauern. Das klingt nach wenig, ist in der Turbo-Welt des Börsenhandels aber der entscheidende Augenblick. Dadurch solle sichergestellt werden, dass der Handel künftig wieder fairer ablaufe, sagte Randolf Roth, Vorstandsmitglied der Eurex. Ziel sei es, vom zuzletzt immer mehr dominierenden Prinzip des "Höher, Schneller, Weiter" auf Kosten anderer, der "normalen Kunden", wegzukommen.

Die Eurex ist die viertgrößte Derivatebörse der Welt. An ihr werden vor allem Optionsscheine und Futures gehandelt. Von den 400 Eurex-Teilnehmern sind nach Angaben des Unternehmens rund ein Drittel Hochfrequenzhändler. Am Optionshandel haben diese einen Anteil von 50 bis 60 Prozent, bei Futures sind es 30 bis 40 Prozent. Wegen seiner Risiken - stärkere Schwankungen, Marktmanipulationen oder technische Fehler - ist der Hochfrequenzhandel mittlerweile relativ streng reguliert.

Bisher waren solche Tempolimits vor allem an US-Börsen üblich, wo sie "Speed Bumps" genannt werden, übersetzt "Bremsschwellen". Vor drei Wochen etwa kündigte die US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Future-Kontrakte auf Gold und Silber an.

© SZ vom 05.03.2019 / SZ/Reuters
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