BMW:Es wird schwieriger

BMW logos are displayed on production line of BMW C evolution electric maxi-scooter at BMW motorcycle plant in Berlin

Erstmals seit langem hat die Kernmarke BMW im ersten Halbjahr mehr Autos abgesetzt als der Erzrivale Mercedes-Benz.

(Foto: FABRIZIO BENSCH/REUTERS)

Die ersten sechs Monate liefen ausgezeichnet für BMW - aber das Jahr ist noch lang.

BMW hat im ersten Halbjahr mehr Autos denn je verkauft und damit 7,6 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Dabei profitierten die Münchner von der weltweit starken Nachfrage, ihrem erweiterten Angebot an hochprofitablen Luxusautos und sogar von den Lieferengpässen bei Halbleitern: Bis vor kurzem hatten sie damit weniger Probleme als die Konkurrenz und konnten so die Preise hoch halten. Das aber ändert sich nun.

Fehlende Mikrochips und steigende Rohstoffpreise seien "ernstzunehmende Risiken für unseren weiteren Geschäftsverlauf", sagte Vorstandschef Oliver Zipse. Vor kurzem habe es europäische Werke getroffen, jetzt werde in China teilweise nur im Ein-Schicht-Betrieb produziert. Finanzvorstand Nicolas Peter betonte, ohne die Engpässe könnte BMW dieses Jahr wohl 70 000 bis 90 000 Autos mehr verkaufen. Für das Gesamtjahr peilt BMW deshalb Verkäufe auf dem Niveau von 2019 an, in der Autosparte sollen dabei annähernd neun Prozent vom Umsatz als Betriebsgewinn hängenbleiben. Im ersten Halbjahr hatte BMW sogar 13 Prozent geschafft. Die Prognose setze aber voraus, dass sich weder die Corona-Pandemie noch die Halbleiter-Knappheit deutlich verschärfen und die Rohstoffpreise stabil blieben, sagte Peter.

Im ersten Halbjahr verkauften die Münchner 1,34 Millionen Autos und lagen damit erstmals seit langem wieder vor Mercedes-Benz. Der Umsatz stieg im Vergleich zu dem von der Corona-Pandemie geprägten Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro. Zudem profitierte BMW auch von einer milden Strafe in einem Kartellverfahren: Weil ein im Juli verhängtes Bußgeld der EU mit 373 Millionen Euro deutlich kleiner ausgefallen war als befürchtet, konnte der Konzern rund eine Milliarde Euro an Rückstellungen auflösen. Angesichts der drohenden Probleme in den kommenden Monaten verkauften Anleger dennoch BMW-Aktien, die als schwächster Dax-Wert 5,2 Prozent einbüßten.

Beim Klimaschutz nahm Zipse die Konkurrenz aufs Korn: "Je vollmundiger derzeit angekündigt wird, desto umfassender ist oftmals das Kleingedruckte." Mercedes-Benz will bis 2030 vollelektrisch werden, "wo immer die Marktbedingungen es zulassen", und Audi will nach 2033 keine Autos mit Verbrennermotor mehr bauen, außer in China. BMW dagegen werde je nach politischen Vorgaben, Ladenetz und Kundenwünschen in den einzelnen Ländern E-Autos, Verbrenner und auch Wasserstoffautos anbieten und damit "Marktanteile gewinnen", sagte Zipse. Auch bei Batteriezellen fahren die Münchner einen anderen Kurs als VW und Daimler, die eigene Gigafabriken planen. BMW eröffne nächstes Jahr zwar eine Pilotlinie und beobachte den Markt, habe aber gute Partner und sehe im Moment keine Notwendigkeit, selbst eine große Produktion aufzubauen.

© SZ vom 04.08.2021 / dpa
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