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Biotechfirma Moderna:Daten aus Impfstudie ermutigen Anleger

Gute Ergebnisse nach ersten Tests von Corona-Impfstoff

Erfreuliche Ergebnisse: Offenbar haben alle Studienteilnehmer Antikörper gegen das Coronavirus gebildet.

(Foto: Ted S. Warren/dpa)

Probanden, die einen Corona-Impfstoff erhielten, bildeten Antikörper.

Von Hans von der Hagen

Die US-Biotechfirma Moderna hat erste Ergebnisse zu einer viel beachteten Studie vorgelegt, in der ein Corona-Impfstoff an einigen Dutzenden Probanden getestet wurde. Dass offenbar bei allen Geimpften das Immunsystem reagierte und Antikörper gegen das Coronavirus bildete, wurde von Anlegern als ermutigendes Zeichen gewertet: Die Aktie stieg nach Veröffentlichung der Daten zeitweise um mehr als elf Prozent. Und nicht nur das: Allein die vage Hoffnung, dass es womöglich nicht noch Jahre dauert, bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben könnte, half auch der Stimmung am Aktienmarkt insgesamt. Der Dax legte um 1,8 Prozent zu, an der Wall Street kam der Dow Jones um knapp ein Prozent voran. Experten gehen davon aus, dass ein Impfstoff erheblich dazu beitragen würde, dass die Wirtschaft rasch wieder in Schwung kommt.

Dennoch: Bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs ist es noch ein weiter Weg, denn die entscheidende Hürde steht Moderna noch bevor: klinische Studien im großen Stil. Ein Eintrag beim Webportal Clinicaltrials signalisiert, dass Moderna offenbar vom 27. Juli an den Impfstoff an 30 000 Probanden testen will. Erst danach wird sich zeigen, ob er überhaupt eine Chance hat. Dabei werden auch die möglichen Nebenwirkungen eine Rolle spielen: Viele der jetzt Getesteten berichteten von Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- und Kopfschmerzen nach der Impfung. Gleichwohl sollen die Nebenwirkungen eher moderat ausgefallen sein - zumindest bei den Probanden, die die mittlere Dosis erhalten haben. Gravierender waren sie wohl bei der ebenfalls getesteten höheren Dosierung.

Moderna stand zuletzt in der Kritik, weil das Unternehmen bislang kaum Details zu den Studien rund um den Corona-Impfstoff veröffentlicht hatte. Auch sorgte für Verunsicherung, dass das Unternehmen zwar einige Medikamente im Portfolio hat, allerdings noch keines bis zur Marktreife gebracht hat. Moderna arbeitet an einem genbasierten Impfstoff. Dieser lässt sich schneller herstellen als klassische Impfstoffe, die beispielsweise inaktivierte oder abgeschwächte Erreger enthalten.

Ähnlich wie Moderna geht die deutsche Firma Biontech vor, die ebenfalls auf genbasierte Corona-Impfstoffe setzt. Schon Anfang des Monats präsentierte Biontech vergleichbare Resultate wie jetzt Moderna. Gemeinsam mit dem US-Konzern Pfizer will Biontech Ende Juli ebenfalls mit einer großen klinischen Studie starten. Erst vor wenigen Tagen hatte zudem die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Unternehmensgespann für zwei Impfstoffkandidaten ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugebilligt. Das hatte der Aktie von Biontech zuletzt kräftige Kursgewinne beschert.

Am Mittwoch aber verlor sie sieben Prozent.

© SZ vom 16.07.2020
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