Bilanzen:Leidige Quartalsberichte

Allianz

Konzern unter Druck: Fahnen der Allianz wehen vor der Olympiahalle in München (ein Bild aus dem Jahr 2018).

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Manche Dax-Konzerne würden sie gerne abschaffen. Doch das kostet Transparenz.

Von Herbert Fromme und Andreas Flammang, Köln

Die Allianz ist nicht allein. Eine ganze Reihe von Dax-Konzernen würde gerne die Quartalsberichte abschaffen und nur zweimal im Jahr Zahlen vorlegen. Darüber sprechen sie mit der Deutschen Börse. Aber nur der Münchner Versicherungskonzern war bislang bereit, das auch öffentlich zu sagen. Mancher Konzernchef fürchtet den Vorwurf der Intransparenz. Die Berichterstattung im Dreimonatsrhythmus sorgt dafür, dass Fehlentwicklungen schnell bekannt werden.

Die Allianz sieht das anders. Gerade bei Versicherern seien die alle drei Monate zu veröffentlichenden Bilanzen und Gewinnzahlen wenig aussagekräftig, sagt eine Sprecherin. Tatsächlich denken Versicherer in längeren Zeiträumen: Meistens verbuchen sie hohe Prämieneinnahmen im ersten Quartal. Die Schäden treten dann im Verlauf des Jahres auf. Und ein einziger Katastrophenschaden kann für ein schlechtes Quartalsergebnis sorgen, auch wenn das Unternehmen sonst gut dasteht.

Die Quartalsberichte machen schon heute den Finanzabteilungen der Unternehmen viel Arbeit. Aber im Jahr 2022 würde sich der Aufwand verdoppeln. Dann soll der neue Bilanzstandard IFRS 17 den geltenden Standard IFRS 4 ablösen. Im Übergangsjahr müssen die Abschlüsse nach beiden Regelwerken vorgelegt werden, also acht Abschlüsse in einem Kalenderjahr.

Der Rückversicherer Munich Re, wie die Allianz eines der Schwergewichte im Dax, hält sich zurück. Er will zu dem Vorstoß des Münchner Nachbarn nichts sagen. Die ebenfalls börsennotierte Talanx in Hannover ist weniger scheu. "Wir halten die Quartalsmitteilungen nicht für ganz verzichtbar", sagt Finanzchef Immo Querner. Man müsse abwägen zwischen guter Information für den Kapitalmarkt und Effizienz im Unternehmen. Die Quartalsmitteilungen seien für die Investoren hilfreich. Und es wäre kein Effizienzgewinn, wenn man auf sie verzichtet und dann die Informationen auf der Konzern-Webseite veröffentlicht, um dem Interesse der Investoren nachzukommen.

Allerdings: Die Talanx hat den Umfang ihrer Mitteilungen reduziert, nachdem die Deutsche Börse das erlaubt hatte. Seither gibt der Versicherer für das erste und dritte Quartal keine Berichte mehr heraus, sondern nur noch abgespeckte Quartalsmitteilungen mit wenigen Seiten.

Die Deutsche Börse verweist auf die geltenden Regeln: "Unternehmen im Prime Standard sind verpflichtet, neben dem Jahres- und Halbjahresfinanzbericht zwei Quartalsmitteilungen zu veröffentlichen", sagt ein Sprecher. Er bestätigt aber Diskussionsbedarf. "Im Rahmen unseres regelmäßigen Austauschs mit allen Marktteilnehmern sprechen wir derzeit auch intensiv über mögliche Veränderungen bei geltenden Rechnungslegungsstandards und die Auswirkungen auf Emittenten."

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