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Berufsausbildung:Wie ihr wollt!

Handwerk sucht Azubis

Mit einem Banner werben Handwerker in Mecklenburg-Vorpommern um Azubis.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Im vergangenen Jahr bekamen 18 000 ausbildungswillige IHK-Betriebe überhaupt keine Bewerbung. Viele bieten nun Extras.

Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben derzeit, dank Demografie und Fachkräftemangel, äußerst gute Karten. Heute seien es vielfach die Azubis, die sich das passende Unternehmen aussuchen könnten, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der jüngsten Ausbildungsumfrage des Verbands. 18 000 ausbildungswillige IHK-Betriebe hätten 2018 gar keine Bewerbung erhalten, fünf Mal mehr als noch 2012. Und jedes fünfte Unternehmen lockt mit einer höheren Bezahlung oder sonstigen Annehmlichkeiten, vom Dienstfahrrad über mehr Freizeit bis zum Smartphone.

Der Umfrage nach blieben 2018 in 32 Prozent der IHK-Ausbildungsbetriebe Lehrstellen unbesetzt; nach 34 Prozent im Jahr 2017. Befragt wurden knapp 12 500 Unternehmen. Nach Angaben des Bundesinstituts für berufliche Bildung wurden 2018 im IHK-Bereich knapp 310 000 neue Ausbildungsverträge geschlossen, im Handwerk mehr als 145 000 und in den freien Berufen gut 46 000 - in allen drei Wirtschaftszweigen waren das mehr als im Vorjahr. Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen sei vorerst gestoppt, so Dercks.

Der Wettbewerb um die Schulabgänger prägt auch das Handwerk. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) berichtet für 2018 von mehr als 17 000 unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätzen - 13,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Entscheidend sei die Qualität der betrieblichen Ausbildung, heißt es in einem noch unveröffentlichten Positionspapier des ZDH-Präsidiums, das der SZ vorliegt. "Vom Erfolg und der Qualität der Ausbildung hängt es maßgeblich ab, ob die Betriebe in Zeiten, in denen der Fachkräftebedarf noch weiter zunehmen wird, genügend junge Auszubildende finden und diese auch langfristig an sich binden können", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer der Süddeutschen Zeitung.

In dem Positionspapier fordert das ZDH-Präsidium unter anderem "eine ergebnisoffene Studien- und Berufsorientierung auch in der gymnasialen Oberstufe" und mehr Kooperationen zwischen Gymnasien und Handwerksorganisationen. Der DIHK fordert ebenfalls, gerade in Gymnasien, eine bessere Berufsorientierung. Auch weil Azubis dann mit einem realistischeren Berufsbild in ihre Ausbildung starten könnten.

Die Unternehmen geben auch Schulabbrechern und Geflüchteten eine Chance. Insgesamt machten derzeit etwa 25 000 Geflüchtete eine Ausbildung in einem IHK-Betrieb, sagte DIHK-Mann Dercks. Wollseifer betonte, dass ein Handwerksbetrieb im Durchschnitt, neben der Zeit, auch um die 15 000 Euro in jeden Azubi investiere. "Wir verlassen uns nicht darauf, dass schon andere diesen Ausbildungsjob erledigen." Das Ausbildungsengagement müsse aber entsprechend wertgeschätzt werden. "Deswegen fordern wir eine gezielte Entlastungsoffensive für unsere Ausbildungsbetriebe." Dem Positionspapier nach versteht der ZDH darunter unter anderem, dass Schulabgänger über "Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik sowie IT-Kompetenzen" verfügen sollen. Ausbildungsbegleitung und Programme wie die assistierte Ausbildung müssten zudem auch in strukturschwachen Regionen in ausreichender Zahl angeboten werden.

Während die Wirtschaft um Fachkräfte ringt, verlässt hierzulande allerdings ein steigender Anteil Jugendlicher die Schule ohne Abschluss. Das geht aus dem aktuellen Bildungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hervor. Demnach stieg die Schulabbrecherquote, verglichen mit dem Bildungsmonitor des Vorjahres, von 5,7 auf 6,3 Prozent. Am höchsten ist sie mit zehn Prozent in Sachsen-Anhalt, am niedrigsten mit knapp fünf Prozent in Hessen. Unter ausländischen Schülern stieg die Abbrecherquote von 14,2 auf 18,1 Prozent.